Islamisten übernehmen Polizeiwachen in Mogadischu

4. Jänner 2009, 17:23
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Mogadischu - Die islamistischen Aufständischen in Somalia nutzen den Abzug äthiopischer Soldaten aus Mogadischu offenbar zur Festigung ihres Einflusses. Augenzeugen berichteten, die Islamisten hätten Polizeiwachen in der Hauptstadt übernommen. Ein Sprecher der Aufständischen erklärte, es seien Truppen in 14 Reviere geschickt worden, die für Sicherheit in Mogadischu sorgen sollten.

Äthiopien, das 2006 zur Unterstützung der schwachen somalischen Übergangsregierung Truppen ins Nachbarland schickte, begann jetzt mit dem Abzug. Mehrere hundert Soldaten verließen am Freitag Mogadischu. Mit Hilfe der Äthiopier konnte die Übergangsregierung vor mehr als zwei Jahren zunächst die weithin dominierenden Islamisten zurückdrängen. In den vergangenen Monaten starteten diese aber eine Offensive und brachten viele Teile des Landes wieder unter ihre Kontrolle.

Das rigorose Vorgehen der von der Bevölkerung als Besatzungsmacht empfundenen Äthiopier ohne Rücksicht auf Zivilisten, wie auch der Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten Mogadischus trugen zur Radikalisierung bei. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) hatte den Konfliktparteien „zügellose Kriegsverbrechen" vorgeworfen: Die äthiopischen Truppen und ihre somalischen Verbündeten seien wie die Islamisten verantwortlich für „massives Leiden der Zivilbevölkerung". Eine halbe Million Menschen sind auf der Flucht.

Handlungsunfähige Regierung

Inzwischen kontrolliert die von „Warlords" getragene Übergangsregierung nur noch Teile Mogadischus und den Parlamentssitz Baidoa. Sie ist durch monatelange Streitigkeiten über die Suche nach einer Verständigung mit ihren islamistischen Gegnern handlungsunfähig. Der vollständig von äthiopischer Militärhilfe abhängige somalische Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed war vergangene Woche zurückgetreten.
Der äthiopische Rückzug, der „so schnell wie möglich" abgeschlossen sein soll, könnte Verständigungsgespräche begünstigen. Nach dem Abzug habe die internationale Gemeinschaft keine andere Wahl, als den Dialog mit den radikalen Islamisten zu suchen, heißt es in einem Bericht der „International Crisis Group" (ICG). (AP, Reuters, AFP, DER STANDARD, Printausgabe, 5.1.2009)

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