Reaktionen auf Jonkes Tod

4. Jänner 2009, 19:41
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"Ein großer Sprachkünstler und entzückender Mensch"

Elfriede Jelinek: "Ein großer Sprachkünstler, einer der größten. Er hat mit der Sprache gespielt wie ein Kind mit Seifenblasen, aber es war keine Luft in den Blasen, da war ein sehr raffiniertes und genaues Denken drinnen, und Kind war er auch keins, auch wenn er immer diese kindliche Freude an der Sprache gehabt hat. Er konnte aus zwei, drei notierten Worten ein ganzes Universum entstehen lassen. Wie ein großer Jazzmusiker, der aus einem kleinen Thema eine raffiniert sich verzweigende Improvisation zustande bringen kann. Und er war ein genialer Vorleser seiner Texte (übrigens auch fremder Texte!)."

Friederike Mayröcker: "Da ist mein Schmerz, er widersetzt sich: es darf nicht sein es soll nicht Wahrheit sein: er war ein Freund sein schmerzlich lächelndes Gesicht wenn ich ihn traf, ich traf zuletzt ihn in der Straße, er war in Eile, eilte fort. Dahin, der große Dichter. Ich wink ihm nach."

Robert Schindel: "Ein großer Sprachkünstler und entzückender Mensch. Es tut sehr weh, dass er so vorzeitig gegangen ist. Wir haben einen großen Dichter verloren."

Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen: "Er war mit ganzer Seele und auch mit ganzem Leib Dichter. Der letzte richtige Dichter. Ein skurriler, lustiger, hoch gebildeter Dichter. Und wenn er die politische Tagesaktualität, die er immer genau beobachtete, analytisch, logisch zerlegte, um sie sogleich in einer eigenen, merkwürdigen, aber in sich stimmigen Betrachtungsweise weiterzuführen, dann hat er mir damit mit großer Leichtigkeit die Relativität des Daseins vor Augen führen können."

Andreas Mailath-Pokorny, Kulturstadtrat von Wien: "Wie kaum ein anderer verstand es Jonke, mit der Sprache zu experimentieren; sein literarisches Schaffen kreiste stets um Musikalität, Kreativität und das Experiment."
(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.1.2009)

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