"Mit allen Wasserln gewaschen"

6. Jänner 2009, 16:32
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LASK-Co-Trainer Christian Stumpf über seine große Liebe, Philosophie, VOEST Linz, Motivation - derStandard.at-Interview

derStandard.at: Für den LASK ist das Stadthallen-Turnier nicht ganz nach Wunsch gelaufen, mit zwei Niederlagen am ersten Tag war die Sache mehr oder weniger erledigt.

Christian Stumpf: Wir sind mit einer sehr, sehr jungen Mannschaft angetreten, aber im Endeffekt war es schon sehr bitter, vor allem im ersten Spiel, als wir nach 3:1-Vorsprung gegen Wr. Neustadt noch in der Verlängerung verloren haben, im zweiten Match gegen den Sportklub haben wir Chancen gehabt, haben uns jedoch vom Taktischen und auch punkto Laufbereitschaft ein bissl schlecht verhalten. Das ist natürlich sehr schade.

derStandard.at: Was bedeutet das Wiener Stadthallen-Turnier für sie?

Stumpf: Das ist für mich das Hallenturnier schlechthin. Da kann man sagen was man will, da fährt die Eisenbahn drüber. Ich bin froh, dass wir wieder eingeladen wurden, wahrscheinlich weil wir uns vor zwei Jahren als Zweite sehr gut präsentiert haben. Damals haben wir zwei gute Blöcke gehabt, der Einserblock war sogar sehr gut, Vastic der beste Spieler. Den deutschen Hallenkick zum Beispiel mit Vier gegen Vier auf Kunstrasen kann man vergessen.
Das Wiener Hallenturnier ist für mich europaweit das Um und Auf, das kenne ich schon seit meiner Kindheit, das hat sich eingeprägt, da können sie in Graz, Linz und Salzburg machen was sie wollen. Hier haben ein Krankl, ein Prohaska, ein Nyilasi, ein Daxbacher gespielt.

derStandard.at: War Wien für das junge Team eine wichtige Lektion?

Stumpf: Sicher, vor allem für den zweiten Block, das waren ganz junge Spieler, die keine 19, 20 Jahre alt sind. Es hat ihnen Spaß gemacht in der Halle vor 8000 bis 9000 Leuten zu spielen, aber man hat dann natürlich schon gewisse Mängel gesehen, vom Taktischen und auch vom Fußballerischen. Aber am Montag geht das Training los, kehrt der Alltag wieder ein, in der Halle hat uns die Routine eines Panis oder Ivo Vastic gefehlt, aber die Jungen haben sich tapfer geschlagen. Vom Einsatz und vom Willen her kann man ihnen nichts vorwerfen.

derStandard.at: Apropos Alltag, in der Liga ging es für den LASK im Herbst nach kapitaler Negativserie wieder leicht aufwärts, wie wird es weitergehen?

Stumpf: Zehn Spiele ohne Tore, zehn Spiele nicht gewonnen, das war nicht so lustig. Aber der Abschluss war dann doch sehr in Ordnung, gegen Sturm Graz zu Hause gewonnen, im letzten Spiel in Wien 1:1 bei Rapid, das hat den Weihnachtsfrieden halbwegs wiederhergestellt, darauf kann man aufbauen. Ich hoffe nicht, dass wir wieder eine derartige Serie hinlegen werden, es wird aber zum Kämpfen. Ich glaube wir werden uns zwischen Platz sechs und sieben einpendeln, da gehören wir hin, mit dem Abstieg sollten wir nichts zu tun haben.

derStandard.at: Sie sind nun schon länger Co-Trainer beim LASK, haben mit Daxbacher und Panadic zusammengearbeitet und jetzt mit Lindenberger. Da kann man einiges lernen, oder?

Stumpf: Ganz genau, Karl Daxbacher und ich sind in den zwei Jahren gute Freunde geworden, ich habe viel von ihm gelernt. Und ich muss sagen, dass ich mich in der Rolle gar nicht so unwohl fühle. Ich bin nicht einer, der unbedingt im Mittelpunkt stehen muss, aber andererseits habe ich schon auch Ambitionen, irgendwann einmal ein Haupttraineramt zu übernehmen, auch wenn das nicht gleich ganz oben sein muss. Egal ob in der Regionalliga oder in der Red Zac Liga, das Paket muss für mich passen, um das Finanzielle geht es mir jetzt gar nicht. Wenn wer auf mich zukommt, Ziele und Ambitionen hat, dann bin ich dabei. Irgendwie juckt es mich schon. Ich habe ja auch all die Ausbildungen gemacht, daher möchte ich auch einmal die Verantwortung tragen.

derStandard.at: Wenn man an Christian Stumpf denkt, dann fällt einem nicht nur der LASK sondern vielleicht auch VOEST Linz ein...

Stumpf: Ich war zehn Jahre dort, das war eine schöne Zeit. Schade für den Verein was damals passiert ist. Blau-Weiß Linz spielt jetzt in der Regionalliga, hat mit der Voest aber nichts mehr zu tun. Meine schönsten Erlebnisse hatte ich jedoch mit Grün-Weiß. Ich wäre stolz, wenn ich dort wieder einmal arbeiten könnte, das sage ich ganz ehrlich. Aber Job ist Job, ich fühle mich beim LASK sehr wohl, aber im Herzen bin ich ein Grün-Weißer. Da habe ich als Aktiver meine schönsten drei Jahre gehabt. Ich werde immer herzlich empfangen, wenn ich ins Hanappi-Stadion komme, das werde ich niemals vergessen. Einmal Grün-Weiß immer Grün-Weiß. Ich liebe diesen Verein über alles.

Als ich von Linz nach Wien kam, haben sie mich gefragt: "Was willst du da Bauer?" Und ich habe halt gekontert: "Und was bist du, ein Burgenlandler? Und was willst von mir?" Das hat dann schon gepasst. Man muss schon auch einen Schmäh haben. Aber es war natürlich nicht leicht für mich die erste Zeit. Aber dann habe ich in meinem dritten Spiel im Derby das Tor gegen die Austria gemacht, somit war die Basis gelegt, dass es dann aber so läuft, das habe ich natürlich auch nicht geahnt. Aber wenn ich im Hanappi-Stadion hinausgelaufen bin, dann habe ich gewusst, "Oida do muass da Teppich brennen und waunst nu so Scheiße spüst, oba du muasst kämpfen bis zum Umfallen". Darauf war ich stolz.

Im Nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich nicht noch länger geblieben bin. Ich hätte bleiben sollen, wirklich. Dokupil hat mich angerufen und gesagt, du bist nur mehr vierter, fünfter Stürmer. Ich bin nach Karlsruhe gegangen wegen dem Geld, da habe ich eine super Kohle verdient. Im Fußball ist es immer so, du musst in kurzer Zeit schauen, dass du ein bissl Geld verdienst. Im Winter 1998 hätte ich für drei Jahre nach Neapel gehen können, das wäre eine Mörderkohle gewesen.

derStandard.at: Die Spiel-Philosophie des LASK?

Stumpf: In erster Linie geht es um den Ball. Ball, Ball, Ball... Klaus Lindenberger ist ein Trainer, für den das Runde das Wichtigste ist. Im Großen und Ganzen schauen wir schon, dass wir einen gepflegten Fußball bieten können.

derStandard.at: Und wie kann man sich das im Detail vorstellen?

Stumpf: Wir möchten einen Offensivfußball bieten, aber trotzdem mit Konzentration auf die Defensive...Das habe ich jetzt aber schön ausgedrückt, oder? (lacht)
Unter Daxbacher lief das sehr gut, da wurde der Ball mit ein, zwei Kontakten in die Spitze gespielt, per Pass in die Tiefe, oder über die Flanken. Und wenn es läuft, dann läuft es und wenn nicht, dann ist wieder alles im A daham.

derStandard.at: Wie sehen sie ihre Rolle als Co-Trainer beim LASK?

Stumpf: Ich bin ein Mensch und ich bin ein kollegialer Typ, ich komme ganz gut an bei den Spielern, aber sie wissen auch ganz genau, wo die Grenzen sind. Ich bin keiner der auf Halligalli unterwegs ist, wenn Schluss ist, ist Schluss. Und die Spieler haben Respekt.
Als Co-Trainer sollte man versuchen, das Bindeglied zwischen Mannschaft und Chef zu sein und ich glaube, ich kann das recht gut.

derStandard.at: Welche Fähigkeiten sollte ein Cheftrainer haben?

Stumpf: Ich bin nicht der Typ, der Powerpoint-Präsentationen macht, ich bin eher ein Praktiker. Ich sehe, was im Training passiert, was im Spiel passiert, vormachen braucht mir keiner was, weil ich bin auch mit allen Wasserln gewaschen. Ein Cheftrainer muss das richtige Auftreten haben und eine Linie haben. Wenn ich mich wie eine Schlange verhalte, dann wird's schwierig.

derStandard.at: Von welchem Trainer haben sie am meisten profitiert oder gelernt?

Stumpf: Daxbacher Karli. Den kann man nicht nachmachen. Der Karl ist ein Mensch, der fachlich top ist, der kennt sich aus, der macht sich Gedanken, er tritt immer als kollegialer Typ auf. Er hat eine Ausstrahlung, man spürt, da ist etwas, wenn er den Raum betritt. Da ist auch Respekt da. Um das geht es mir. Wenn er jemanden kritisiert, dann nicht unter der Gürtellinie, er bringt das auch mörderisch gut rüber. Er ist ein ganz ein anderer Typ wie alle anderen, nicht so verbissen und er macht bei der Austria einen verdammt guten Job. Ich schätze ihn über alles, mit ihm war es das schönste Arbeiten in Linz. (Thomas Hirner, Alexander Aigner, derStandard.at, Montag, 5. Jänner 2009)

 

Zur Person:

Christian Stumpf (von seinen Fans "Büffel" genannt) wurde am 24. Dezember 1966 in Linz geboren, er hat zwei Spiele für das Nationalteam absoviert und dabei ein Tor (Nordirland) geschossen. Seine Stationen als Spieler: SK VOEST Linz, SV Flavia Solva, FC Linz, SK Rapid Wien (mit Rapid Meister und kongenialer Partner von Carsten Jancker,  Karlsruher SC, LASK Linz, ASKÖ Pasching, LASK Linz, Wiener Sportklub, SC Austria Lustenau). In Erinnerung blieben seine Treffer gegen Sporting Lissabon, Dynamo Moskau und Feyenoord Rotterdam auf dem Weg ins Europapokalfinale 1996 in Brüssel, wo sich die Rapidler allerdings Paris St. Germain geschlagen geben mussten. Seit 2006 ist Christian Stumpf Co-Trainer beim LASK.

  • Stumpf: "Im Winter 1998 hätte ich für drei Jahre nach Neapel gehen können, das wäre eine Mörderkohle gewesen."
    foto: derstandard.at/hirner/aigner

    Stumpf: "Im Winter 1998 hätte ich für drei Jahre nach Neapel gehen können, das wäre eine Mörderkohle gewesen."

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