"Praxis des kalkulierten Kollateralschadens"

4. Jänner 2009, 10:34
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Pressestimmen: "NZZ am Sonntag": Israel gewinnt dann, wenn es sich mäßigt - "La Repubblica": Einzig möglicher Ausweg sind Verhandlungen

Genf/Paris/Rom - Internationale Tageszeitungen kommentieren in ihren Sonntag-Ausgaben die Situation im Gazastreifen (Gaza-Streifen):

"Neue Zürcher Zeitung am Sonntag" (Genf):

"Wenn eine hochgerüstete Militärführung in Israel Protagonisten der Hamas ausschalten will, hat sie dafür gewiss feinere Mittel zur Verfügung als die jetzt angewendete Praxis des kalkulierten Kollateralschadens. Wenn Strategen meinen, einen Hamas-Offiziellen töten zu müssen, haben sie dazu andere Möglichkeiten, als ein ganzes Appartementhaus in Schutt und Asche zu legen. Aber in Israel scheint die öffentliche Selbstkontrolle nicht zu funktionieren. Das politische Israel mit Verteidigungsminister Ehud Barak ist im Wahlkampf. Lediglich die üblichen Verdächtigen, wie einige Journalisten und Friedensbewegte, rufen zur Zurückhaltung auf. Geht das so weiter, wenn dann jetzt auch noch Bodentruppen nach Gaza einmarschieren, wird das vor allem der Hamas nützen."

"Le Monde" (Paris):

"Seit Beginn der Offensive Israels gegen den Gazastreifen ist (der künftige US-Präsident Barack) Obama schweigsam geblieben. Bei den drei Fernsehdiskussionen während des Wahlkampfes hat er zum Nahost-Konflikt klassische Positionen vertreten: Beibehaltung der privilegierten engen Beziehung zu Israel, die Bestätigung des Vorrangs der Sicherheit des Staates Israel und die Notwendigkeit eines Staates der Palästinenser im Rahmen einer Verhandlung. Man kann nicht sagen, wie Obama seine Nahost-Politik konkret gestalten wird. Zwar wird der von George W. Bush abgeschaffte Posten eines ständigen Sondergesandten für die Region wieder eingeführt, doch um welche Politik zu führen?"

"La Repubblica" (Rom):

"Angesichts der offensichtlichen Unverhältnismäßigkeit der israelischen Militärreaktion ist eine zunehmende Isolierung der Regierung in Jerusalem in Europa und dem arabischen Raum zu beobachten. Der einzig mögliche Ausweg aus dieser Art politischer Umzingelung ist ein Waffenstillstand und Verhandlungen. Die Alternative - ein grenzenloser Kampf, die Invasion des Gazastreifen und die Auslöschung von Hamas mit nicht mehr Hunderten, sondern Tausenden von getöteten Zivilpersonen - wäre das Ende jeder friedlichen Option." (APA/dpa)

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