200 Meter, ökologisch

3. Jänner 2009, 17:16
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In den Kitzbüheler Alpen gibt es den ersten solarbetriebenen Skilift der Welt. Ob das bereits ausreicht, um sich ein umweltfreundliches Skigebiet zu nennen

Die Talabfahrt von der Choralpe runter nach Brixen im Thale ist eine feine Sache. Sanfte Schwünge im oberen Teil, steile Hänge unten. Der Höhepunkt erwartet einen aber auf dem Talboden. Um zu den Gondelbahnen zu gelangen (zur neuen hinauf zur Choralpe oder jener nach Hochbrixen), muss man den nämlich queren. Das könnte eine oberschenkelmuskelintensive Angelegenheit sein.

Könnte, im Skigebiet Wilder Kaiser-Brixental hat man sich aber etwas einfallen lassen: eine Art Spaß-Skilift - oder besser gesagt zwei: Zuerst steigt man auf ein etwa 20 Meter langes Förderband, das einen aus der Zug-Unterführung holt, dann klammert man sich an ein 200 Meter langes Seil, das einen zu den Talstationen zieht.

Der Grund, warum die zwei Lifte die heurige Attraktion des Skigebiets sind, ist allerdings ein anderer. Sie werden mit Fotovoltaik betrieben, oder wie der Prokurist der Bergbahn Brixen, Rudi Köck, erklärt: "Das gibt es weltweit kein zweites Mal." Die Kitzbüheler Alpen haben sich ein grünes Mäntelchen umgelegt. Und sie sind mächtig stolz darauf.

Die Fotovoltaikanlage, die auf der neuen Talstation montiert wurde, erklärt Köck, produziere rund 12.000 Kilowattstunden pro Jahr. So viel verbrauchten die zwei Liftchen gar nicht. "Davon, dass auch die großen Gondelbahnen von Solarenergie betrieben werden, sind wir aber weit entfernt."

"Grüne" Skianlagen sind auch in den Kitzbüheler Alpen ferne Zukunftsmusik. Den Ruf eines umweltbewussten Skigebiets hätte man allerdings trotzdem gern.

So einfach kriegt man den aber nicht. Das musste auch der Chef des Kitzbüheler Alpen Marketing, Lukas Krösslhuber, erfahren. Eine von ihm erstellte Studie, welche Anreiseform ins Kitzbüheler Skiwochenende die schnellste, günstigste und umweltschonendste sei, der Zug oder das Auto, hinterließ bis dato medial keine Spuren. "Schade", sagt er, "die Ergebnisse waren ziemlich interessant." Mit dem Auto wäre man zwar um eine Spur schneller, dafür aber um einiges kostenintensiver und umweltbelastender unterwegs. Nun gut. Aufregende Ergebnisse sehen anders aus. "Was die Leute interessiert", meint Krösslhuber, "sind andere Themen: Wie viele Lifte gibt es? Und wie schneesicher sind wir?"

Auf beide Fragen haben die Marketing-leute der Kitzbüheler Alpen natürlich nur die allerpositivsten Antworten parat. Durch die neue Gondelbahn auf die Chor-alpe ist jetzt auch das Skigebiet Kitzbühel mit der Skiwelt Wilder Kaiser-Brixental verbunden. Letzteres war bereits bisher das größte zusammenhängende Skigebiet Österreichs, jetzt wird es noch größer.

Etwas mehr Erklärungsbedarf hat man, was die zweite Frage anbelangt. Der Imageschaden, den der apere Zielhang der Streif dem Skigebiet in den vergangenen Jahren zugefügt hat, sitzt den Kitzbühelern noch in den Knochen. "Eine natürliche Schwankung" sei das gewesen, betont man, die durchschnittliche Neuschneemenge sei in den vergangenen 50 Jahren konstant gewesen. Zweieinhalb Meter im Tal und acht Meter am Berg. Die vorherrschenden Nord-West-Wetterlagen hätten es in Kitzbühel immer noch schneien lassen.

Worauf allerdings auch die Marketingverantwortlichen in Kitzbühel keinen Einfluss haben, sind die Temperaturen: Ist es zu warm, nutzen auch die etwa dreieinhalbtausend Schneekanonen und - lanzen nichts. Aber, beruhigt Rudi Köck von der Bergbahn Brixen: "Unsere Beschneiungsanlagen haben Trinkwasserqualität. Chemische Zusätze verwenden wir keine." So wird der Boden geschont. Und verdursten wird man in Kitzbühel auch nicht. (Stefan Hilpold/DER STANDARD/Rondo/24.12.2008)

Anreise & Unterkunft

Anreise: Mit Zug oder PKW

Allgemeine Infos: Dem Tiroler Skiverbund "Kitzbüheler Alpen" gehören jetzt auch die Salzburger Skigebiete Saalbach-Hinterglemm-Leogang, Zell am See und Kaprun an. Wie bisher dabei: Kitzbühel-Kirchberg, Wilder Kaiser- Brixental, Schneewinkel, Hochtal Wildschönau und das Alpbachtal. Der dazugehörige Skipass: Alpen AllstarCard

  • Umweltfragen haben sich diese Herrschaften weiland wohl nicht gestellt. Sie bretterten abseits der Pisten ins Tal.
    foto: kitzbüheler alpen

    Umweltfragen haben sich diese Herrschaften weiland wohl nicht gestellt. Sie bretterten abseits der Pisten ins Tal.

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