Kämpfernaturen

3. Jänner 2009, 16:49
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Der Brandmeister reißt seiner Kawa die Verkleidung runter, Ducati der 1098. Bei Ducati schaut das Ergebnis gut aus, findet der glu

Vor zwei Wochen hat sich der Kollege Brandmeister - die Damen und Herren, welche die „Zu Zweit"-Wortanzeigen aufgeben, kennen ihn - umbenannt in Brezenmeister. In schönster glu-Manier hat er seine Supersport-Kawa um die Erde gewickelt. Ein herzhaftes Handerlhalten mit dem Hebel der Vorderbremse, und Sekundenbruchteile später schleckte der Brezenmeister am Asphalt. Zwischen seinen Zähnen knirschte der Rollsplitt, der ihn zu Boden zwang. Aber keine Sorge, es ist fast nix passiert.

Also, der Kawa ist fast nix passiert, weil sich der Brezenmeister heroisch zwischen Bike und Boden verteilt hat. Mit Deformationen an der Verkleidung hat die Kawa das Auslangen gefunden. Und sollten jetzt in den „Zu Zweit"-Wortanzeigen ein paar Vertippsler drinnen sein, sehen Sie dem Kollegen das bitte nach - die Finger auf den Brezenmeister-Händen sind nämlich mit dem Rest der Ärmel mitangeschwollen, und jetzt wird eher ein Aixam ein Auto, als dass der Brezenmeister nur einen einzelnen Buchstaben erwischt, wenn er auf die Tastatur eindrischt.

Auf ihn eindreschen werde ich, hab ich dem Brezenmeister versprochen, sollte er die Verkleidung der Krawallsaki einfach runterreißen und mit einer grauslichen Nachbau-Lichtmaske einen Streetfighter aus der Ninja machen. Da ist das Geld besser in eine neue Verkleidung investiert. Denn Streetfighter sind heute nimmer abgemergelte, zusammengerittene Supersportler. Jetzt gschirrlt nämlich der Hersteller selbst schon seinen Supersportler ab, dreht hier und da ein bisserl an der Sitzergonomie, und fertig ist der Streetfighter. Und das ganz echt. Denn „Streetfighter" nennt Ducati die neue Naked, die ordentlich an der 1098 Maß genommen hat.

In der Streetfighter schlägt nämlich das Herz der 1098. Das heißt, die beiden L-förmig angeordneten Kolben werken in einem Motor mit einer Bohrung von 104 und einem Hub von 64,7 Millimetern. Nur die Kompression hat man um ein Zehntel reduziert - also zumindest am Papier. Deswegen liegen auch nur um 4 Nm weniger Drehmoment an, und mit 155 PS bei 9.500 Touren hüpfen auch nur fünf rote Pferde weniger in der Streetfighter als in der 1098.

> Im luftleeren Raum gegossen


Das fällt aber nicht ins Gewicht. Denn dieses ist mit 167 Kilogramm um 6 Kilogramm geringer als bei der Vollverkleideten. Die Gewichtsreduktion kommt vom Vakuum.

Nein, nicht Austin Powers. Ducati gießt die Motorengehäuse jetzt im luftleeren Raum. Die Wandstärke der Gehäuseteile wird so auf einen Schlag viel dünner, weil man keine Lufteinschlüsse beim Guss befürchten muss. Das spart ganze drei Kilo.

Nicht um Gewicht zu reduzieren, sondern um die Dosierbarkeit der Bremsen zu erhöhen verbaut Ducati nun Monobloc-Bremsen. Das heißt, das komplette Gehäuse ist aus einem Guss. Normalerweise, also abseits des professionellen Rennsports, besteht ja ein Bremszangengehäuse aus zwei Teilen. Beim starken Ankern quaht es die beiden Teile ein bisserl auseinander und die Bremserei wird dadurch schwammig. Ich spür so was ja nicht. Aber das macht nix. Auf der Streetfighter ist die Bremse trotzdem verbaut, genauso wie die Traktionskontrolle von Ducati.

Acht Stufen lassen sich einstellen, bei der Antischlupfregelung. Sieht man auch sofort am Display, ob sie eingeschaltet ist. Also wenn man halt aufs Display schaut. Und da schaut man besser vor der Kurve drauf, denn wenn das Hinterradl erst einmal losschmiert, ist es eh zu spät zum Nachdrehen. Stufe 8 empfiehlt sich für den Anfänger. Da greift das System schon recht früh ein und nimmt dem Hinterbock den Schlupf. Je niedriger die Stufe wird, desto mehr kann man durch die Kurve driften. Ist also eher was für Leute, die spüren, ob sich die Bremsteile auseinander drücken beim Anbremsen und nicht für mich. Oder für Kämpfernaturen wie den Brezenmeister, der beim Ankern im Winter gern einmal ein bisserl Blut schmeckt. (Text: Guido Gluschitsch)

Informationen:
Ducati

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