Medea mit Stilproblemen

    3. Jänner 2009, 16:37
    1 Posting

    Beschauliche Suche nach dem Goldenen Vlies

    Iolkos ist eine Insel im antiken Griechenland, auf der sich viele Leute verdammt ähnlich sehen. Die Heimat des Helden Jason aus der Medea-Sage krankt aber nicht an der Enge der Insel, sondern am geld- und zeitsparenden Design des Videospiels "Rise of the Argonauts", das sich ganz oberflächlichem Glanz verschrieben hat.

    Models als Nebenfiguren

    Offenbar hat man nur ein paar Models für Nebenfiguren geschaffen und gehofft, dass durch geballten Heldenmut von Jason und Herkules nicht auffällt, dass sich die Frauen nur durch Frisuren unterscheiden. Immerhin traut sich die Spielebranche mit der Aneignung der Antike ein bisschen im nicht Tolkien-inspirierten Mytheninventar zu wildern. Leider ohne vorgeprägte popkulturelle Kontexte zu verlassen: Die Inszenierung der Spiel-Argonauten orientieren sich an der filmischen Comic-Oper "300" aus dem Jahr 2006. Die Medea-Sage wurde beliebig modifiziert: Jason ist plötzlich der Bräutigam von Alkmene, was Amphitryon bestimmt stören würde.

    Das Böse für die Welt

    Medea lässt sich als zum Guten bekehrte Hexe vor sich selbst schützen. (Wenn das Christa Wolf wüsste!) Das Goldene Vlies, auf das Jason vom Orakel in Delphi angesetzt wird, soll seine heimtückisch ermordete Alkmene ins Leben zurückbringen. Um das Böse in die Welt zu bringen, wurden fiese Schwarzzungen erfunden. Der Weg zur Wiederauferstehung der Geliebten ist ein langatmiger, bestenfalls gemütlicher. Die uninspirierten Dialoge erinnern auch in der Tonqualität an langweilige Sandalenfilme aus den 70ern. Die gut steuerbaren Kämpfe sind nicht besonders fordernd, dafür fließt das Blut um so reichlicher. Diese Antike tritt nicht an, um erzählerische Tiefe ins Games-Genre zu bringen.

    Neudeutung

    Im Gegenteil: Sie will besonders unverfänglich sein. Gerade bei Neudeutungen bekannter Stoffe könnten sich die Entwickler dabei zumindest einen kreativen Kopf leisten, der sich eigenen Stil einfallen lässt. Bei "Prince of Persia" hat das ja auch geklappt. Trotz aller Schwächen: Das Aufrufen der Gemeinplätze wirkt, allein durch klingende Namen und farbenfrohe Schauplätze. Sie ist dann doch irgendwie da, die Welt der Götter und Helden in einer mediterranen Wunderwelt. Vielleicht involviert gerade die Leere, die Unbestimmtheit die Fantasie des Spielers. Codemasters, für PS3, Xbox, PC; ab 18, ab 50 Euro.(Alois Pumhösel/DER STANDARD, Printausgabe vom 3.1.2009)

    • Bild nicht mehr verfügbar
    Share if you care.