Italienisches Linksblatt "Liberazione" wird verkauft

3. Jänner 2009, 12:14
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Beschluss wurde von der Parteiführung gefasst, die nicht mehr für die hohen Kosten der Tageszeitung aufkommen kann

Rom - "Liberazione", Sprachrohr der italienischen Linkspartei "Rifondazione Comunista", wird verkauft. Der Beschluss wurde von der Parteiführung gefasst, die nicht mehr für die hohen Kosten der Tageszeitung aufkommen kann, nachdem die italienische Regierung die öffentlichen Beiträge für Parteiblätter gestrichen hat. 37 Redakteure und weitere 30 Mitarbeiter der Zeitung zittern um ihren Arbeitsplatz.

3,5 Millionen Euro Schulden hat die 1991 gegründeten Tageszeitung angesammelt. 2006 erhielt "Liberazione" noch 3,7 Millionen Euro öffentliche Beiträge, die von der Regierung Berlusconi gestrichen wurden. Seit März gibt Liberazione eine kostenlose Abendausgabe der Zeitung in Rom und Mailand heraus. Damit war die Liberazione zum ersten italienischen Blatt aufgerückt, das im Bereich Free Press investiert hat. Doch die Investition rentierten sich.

"Liberazione" ist auch von einem starken Absatzrückgang belastet. Vor einigen Jahren hatte die Tageszeitung noch eine Auflage von 10.000 Ausgaben gemeldet, die heute auf die Hälfte zusammengeschrumpft ist. Der Chefredakteur des Blattes, Piero Sansonetti, beschuldigte Ferrero, aus politischen Gründen die "Liberazione" schließen zu wollen. In den vergangenen Monaten war es öfter zu Konflikten zwischen dem Generalsekretär und dem Chefredakteur über die politische Linie der Partei gekommen. Ferrero beschuldigte Sansonetti, den Kurs des Präsidenten der Region Apulien Niki Vendola zu unterstützen, der sich für eine Fusion der Rifondazione Comunista mit den "Italienischen Kommunisten" (PDCI) einsetzt und für eine Allianz der Gruppierung mit anderen Linksformationen in Hinblick auf die Europawahlen im kommenden Juni plädiert. Dagegen stemmt sich Generalsekretär Ferrero vehement.

Ferrero sieht einen Verleger als einzige Hoffnung für den Fortbestand der "Liberazione". "Die Zeitung braucht einen Verleger, der sein Geld riskiert, weil er eine Marktnische für die Liberazione sieht, die es in Italien auch gibt", meinte Ferrero. Als möglicher Interessent zählt der Verleger Luca Bonaccorsi, der bereits das Linksmagazin "Left", sowie das Blatt "Alternative per il Socialismo" finanziert, mit der auch Rifondazione-Gründer Fausto Bertinotti zusammenarbeitet.

Chefredakteur Sansonetti und die Liberazione-Mitarbeiter drängen dagegen auf die Gründung einer Journalistengenossenschaft, die das Blatt übernehme. "Die Rifondazione, Eigentümerin der Tageszeitung, will den Arbeitnehmern die Kosten der finanziellen Schwierigkeiten aufhalsen, die auf offenkundige Verwaltungsfehler zurückzuführen sind. Diese Haltung ist unannehmbar, vor allem weil sie eine kommunistische Tageszeitung so hart trifft", protestierte der Betriebsrat der Tageszeitung. In den vergangenen Wochen hatte die "Liberazione"-Redaktion bereits zwei Tage gestreikt.

Die Regierung Berlusconi kürzte die Subventionen für Parteiblätter und für im Medienbereich aktive Non-Profit-Genossenschaften, was auch das Überleben der kommunistischen Tageszeitung "Il Manifesto" ernsthaft gefährdet. Seit Anfang 2008 erhielt "Il Manifesto" von der Regierung keinen Zuschuss mehr. Die Lage ist ernst. Die Auflage der Zeitung ist im Laufe der Jahre von 60.000 auf 35.000 geschrumpft. Daher veröffentlichte die Zeitung einen Appell an die Leser, Geld zu spenden, um dem "Manifesto" den Bankrott zu ersparen. (APA)

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