"Wir können nicht überall absichern"

2. Jänner 2009, 20:41
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Westbahnhof: Bub nach Rolltreppensturz in Lebensgefahr - Wiener Linien "prüfen"

Akuter Handlungsbedarf bestehe keiner, sagt Wiener-Linien-Sprecher Johann Ehrengruber zum STANDARD. "Es handelt sich schließlich um eine Rolltreppe, wie es tausend andere gibt in Wien. Und wir können nicht überall, wo theoretisch etwas passieren könnte, absichern. Denn dann wären auch sämtliche Fenster in Wien ab dem ersten Stock vergittert."

Ein Gitter hätte die schweren Verletzungen, die sich ein zehnjähriger Bub am Neujahrstag im Bereich der U-Bahnstation Westbahnhof zugezogen hat, jedenfalls verhindern können. Der Zehnjährige hatte sich auf den Handlauf der Rolltreppe, die von der Äußeren Mariahilferstraße in den U-Bahn-Bereich führt, gesetzt, verlor das Gleichgewicht und stürzte zwischen Lift und Aufgangsbereich 15 Meter in die Tiefe. Der Bub, der mit seiner Mutter und zwei Geschwistern unterwegs gewesen war, wurde mit lebensgefährlichen Kopfverletzungen ins AKH gebracht.

Ähnlicher Fall endete tödlich

Vor gut einem Monat war ein 20-Jähriger, der sich auf derselben Rolltreppe auf dem Handlauf zur U-Bahn befördern lassen wollte, ebenfalls auf die Steinplatten 15 Meter darunter gestürzt. Er zog sich schwere Kopfverletzungen zu - und starb wenige Tage später im Krankenhaus.

"Wir werden uns die Situation genau anschauen", sagt Ehrengruber. Möglicherweise lasse man ein Gitter, ein Netz oder eine Abdeckung anbringen. "Ich will mich da aber noch nicht festlegen, das müssen sich erst unsere Bautechniker anschauen." Der Lichtschacht bestehe seit der Eröffnung der U-Bahn-Station 1993. "Vor diesen beiden Unfällen ist dort noch nie etwas passiert."

Einiges passiert ist hingegen im Straßenbahnbereich. Im vergangenen Jahr kam es zu einer ganzen Reihe von Unfällen, bei denen Fahrgäste in Straßenbahntüren eingezwickt und mitgeschleift wurden. Die Wiener Linien erklärten solche Vorfälle monatelang für "unmöglich" und beteuerten, dass es rein technisch zu keinem Mitschleifen kommen könne. Inzwischen ist man allerdings dazu übergegangen, die Straßenbahnen mit einem neuen Türensystem auszustatten. Beim schrittweisen Umbau von insgesamt 130 Trieb- und 110 Beiwagen werden bis Ende des Jahres sämtliche druckluftgesteuerte Türfühlerkanten durch elektronische ersetzt. (Martina Stemmer/DER STANDARD-Printausgabe, 3.1.2009)

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