Gar nicht "unerklärlich"

2. Jänner 2009, 19:53
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In ein paar Wochen ist alles vergessen - und existierende Erklärungen für den Anstieg der Pistenunfälle will eh keiner hören - Von Thomas Rottenberg

Für den Unfall", heißt es, "gibt es keine Erklärung." Und wäre bei dem Pisten-Crash in Donnersbachwald kein deutscher Ministerpräsident involviert gewesen, gäbe es nicht einmal diese amtliche "Analyse". Egal: In ein paar Wochen ist alles vergessen - und existierende Erklärungen für den Anstieg der Pistenunfälle will eh keiner hören. Sie stören nur die Laune der Gäste - oder das Geschäft.

Doch wahr ist: Heuer werden 55.000 Wintersportler ihr Après-Ski im Spital - und rund 40 gar nicht - erleben. Und Dieter Althaus' Crash stammt quasi aus dem Lehrbuch: Skifahrer verunglücken oft am Nachmittag bei guter Sicht und nach mehreren Skitagen. Übersetzt heißt das: Sie sind müde vom Essen, ausgepowert - und fahren über ihre Verhältnisse. Oft auch (doch das sei in diesem Fall ausdrücklich nicht unterstellt) nicht nüchtern: Auto fahren würde man so nicht - Ski fahren schon. Dabei sind Ski- und Autofahren vergleichbar. Auch, weil das Material in beiden Disziplinen die Übertreibung provoziert: Carver und ultrahart planierte Pisten laden Nichtkönner zum Gasgeben ein. Hochleistungslifte füllen ohnehin volle Pisten immer schneller. Das provoziert Regelbruch und Rücksichtslosigkeit.

Unterschiede zwischen Auto und Piste gibt es aber: Dass Autobahnraststätten Schnaps als sportliche Stärkung bewerben, wäre undenkbar. Dabei schützen im Auto ohnehin Blech, Gurt und Airbag - auch vor der Idiotie der anderen. Und: Wenn es kracht, hat das Gründe. Und mit "unerklärlich" ließe sich da niemand abspeisen. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD-Printausgabe, 3.1.2009)

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