"Wie eine Kollision auf dem Parkplatz"

2. Jänner 2009, 19:27
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Die Behörden rätseln, wie es zum tödlichen Crash zwischen Thü­rin­gens Ministerpräsident Althaus und einer slowakischen Skifahrerin kommen konnte - mit Grafik

Schwarzach/Wien - Der Umstand, dass er einen Helm getragen hatte, dürfte Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus das Leben gerettet haben. Der CDU-Politiker und geübte Skifahrer war am Nachmittag des Neujahrstages auf der steirischen "Riesneralm" (Gemeinde Donnersbachwald) mit einer slowakischen Skifahrerin kollidiert. Die 41-jährige Sportlehrerin erlag ihren Kopfverletzungen. Die in den USA lebende Frau hatte keinen Helm getragen.

Althaus hatte bei dem Zusammenstoß ebenfalls schwerste Kopfverletzungen davongetragen, war beim Eintreffen der Helfer aber noch ansprechbar. Die Schwere seiner Verletzungen war erst beim Transport offenkundig geworden: Noch im Hubschrauber ins Krankenhaus von Schwarzach im Pongau wurde der 50-Jährige in künstlichen Tiefschlaf versetzt. Die Ärzte in Schwarzach attestierten ein schweres Schädel-Hirn-Trauma, Blutungen im Bereich der rechten Gehirnhälfte und eine Fraktur im Mittelgesicht. Althaus' Zustand wurde Freitagmittag als "stabil" bezeichnet.

Noch nicht erwacht

Bis Freitagabend war Althaus noch nicht aus dem künstlichen Tiefschlaf erwacht. Die in der Früh eingeleitete Aufwachphase ist noch nicht beendet, "er wird nach wie vor auf der anästhesiologischen Intensivstation betreut und ist derzeit noch nicht kontaktfähig", informierte die ärztliche Leitung des Spitals bei einer Pressekonferenz um 18.00 Uhr.

Es sei wie üblich die dämpfende Medikation allmählich reduziert, aber derzeit noch nicht völlig abgesetzt worden, hieß es im ärztlichen Bulletin. "Alle während des Tages durchgeführten neurologischen Untersuchungen sind gut verlaufen, sie lassen auf eine günstige Entwicklung hoffen", sagte der ärztliche Direktor Reinhard Lenzhofer. Er äußerte die Hoffnung, dass sich innerhalb von zwölf, 24 Stunden so eine günstige Entwicklung zeigen werde, dass Althaus "wieder kontaktfähig sein wird".

Wenn der Ministerpräsident aus dem künstlichem Tiefschlaf erwacht ist, werde er "in kleinen Schritten" ins aktive Leben zurückgeführt, erläuterte der Anästhesist Hubert Artmann. Den Zeitraum der therapeutischen Begleitmaßnahmen schätzte Artmann mit zwei bis drei Wochen ein, der Patient werde aber vermutlich schon früher transportfähig sein. Positiv für den Genesungsprozess wertete der Anästhesist, dass der Ministerpräsident keine Begleitleiden mitbringe und "relativ jung und sportlich" sei.

Ermittlungen aufgenommen

Zum Unfallhergang konnten die Behörden am Freitag nichts sagen, die Staatsanwaltschaft Leoben hat allerdings - wie bei jedem Delikt mit Personenschaden - Ermittlungen aufgenommen (siehe "Wissen"). Theoretisch könnte es sogar zu einer Anzeige wegen fahrlässiger Tötung kommen.

Wahrscheinlich ist dies nach derzeitigem Wissensstand nicht: Der Crash hatte sich um 14.45 Uhr bei guter Sicht und guten Pistenverhältnissen ereignet. Augenzeugen gibt es keine - auch Althaus' Bodyguard sah nichts: "Für den Unfall gibt es keine Erklärung", lautet daher das Resümee der Bezirkshauptmannschaft Liezen. "Es ist, als käme es auf einem Parkplatz, wo nur zehn Autos stehen, zu einer Kollision zwischen zwei Fahrzeugen", sagte Donnersbachwalds Bürgermeister Erwin Petz.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel reagierte "tief betroffen und schockiert". Thüringens stellvertretende Ministerpräsidentin, Finanzministerin Birgit Diezel, hat den Hinterbliebenen der bei dem Unfall tödlich Verunglückten im Namen der Landesregierung kondoliert. (rott/DER STANDARD-Printausgabe, APA, 3.1.2009)

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    Eine Kerze und ein Kreuz markieren die Unfallstelle in Donnersbachwald.

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