Die Volleyballer zwischen Utopie und Hoffnung

2. Jänner 2009, 18:30
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WM-Quali-Auftakt am Samstag in Wien, der Aufstieg als Ziel und die Heim-EM 2011 als Fixpunkt

Wien - Flachgelegt, sagt Markus Hirczy, habe ein Virus vor kurzem die halbe Mannschaft. "Aber jetzt sind wieder alle fit." Und also gibt sich der 30-jährige Volleyballer optimistisch. Ab Samstag steigt mit österreichischer Beteiligung im Wiener Budocenter die erste Runde der WM-Qualifikation. Die Gastgeber treffen zunächst auf Bosnien-Herzegowina, am Sonntag und Montag warten die Turnier-Favoriten Rumänien und Ungarn, der Anpfiff für alle Österreich-Spiele erfolgt um 20.15 Uhr.

Der Papierform und drei Testspiel-Niederlagen im Dezember gegen Israel zum Trotz nennt Hirczy den Gruppensieg als Ziel. Nur dieser berechtigt zum Aufstieg in die zweite Runde. Ihr wird noch eine dritte folgen, immerhin streiten in der Qualifikation nicht weniger als 110 Teams um 22 Plätze bei der WM 2010 in Italien. "Die Luft an der Volleyball-Spitze wird ziemlich schnell ziemlich dünn" , räumt Hirczy ein. "Das Unternehmen WM hat keine reellen Chancen." Der Außenangreifer der aktuellen Nummer 62 der Weltrangliste ist schließlich kein Utopist.
Die Teilnahme an der EM 2011 hingegen ist schon Realität. Österreich ist wie Co-Gastgeber Tschechien automatisch qualifiziert, die Volleyballer schauen sich diesbezüglich von den Fußballern (2008) und den Handballern (2010) etwas ab. In der Quali für die EM 2009 war man im vergangenen Juni in der ersten Runde gescheitert.

Dem Sport ordnet Hirczy einiges unter. Sein Sport- und Geschichtestudium in Graz zum Beispiel. Er ist Amateur, einer der wenigen im Team. Seine Tätigkeit beim steirischen Bundesliga-Klub Hartberg als Nebenberuf abzutun, wäre aber unverfroren. "Wir trainieren neunmal die Woche, fast so oft wie die Profis bei den hotVolleys, Tirol oder Aich/Dob" , erzählt er. Den zeitlichen Aufwand seines "Hobbys" in Geld aufwiegen kann und will er nicht. "Da bin ich Idealist, das kann man nicht anders erklären. Die Profi-Kicker von Sturm Graz trainieren nicht mehr als wir, die lachen uns aus."
Leise Kritik am Teamchef

Im Kader von Hartberg, dem aktuellen Zweiten der Austrian Volley League, findet sich bis auf den Polen Tomek Dynkowski kein Legionär. Einen Spielbesuch vom österreichischen Teamchef Claudio Cuello hat es aber noch nicht gegeben. Diese leise Kritik kommt nicht nur aus Hartberg, sondern auch von anderen Bundesländerklubs. Schließlich ist Cuello auch Coach der hotVolleys und mit ihnen in der Mitteleuropäischen Volleyball-Liga (MEVZA) engagiert. (David Krutzler, DER STANDARD Printausgabe, Sa./So., 3./4. Jänner 2009)

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