Johannes Mario Simmel 1924-2009

2. Jänner 2009, 20:01
  • Autor von 36 Filmen, 30 Romanen: Johannes Mario Simmel
 
 
    foto: apa/christoph ruckstuhl

    Autor von 36 Filmen, 30 Romanen: Johannes Mario Simmel

     

     

Der in Wien geborene, gesellschaftspolitisch engagierte Autor von 36 Filmen und 30 Romanen verstarb 84-jährig in der Schweiz

Wien/Zug - Sieben Pseudonyme brauchte Johannes Mario Simmel schon als junger Journalist: um die Menge und die Themenbreite seiner Artikel nicht gänzlich unglaubhaft scheinen zu lassen. So schrieb der studierte Chemiker für die Illustrierte Quick Reisereportagen, verfasste naturwissenschaftliche Serien und beriet die prüden Leser der Fünfzigerjahre in einer wöchentlichen Sexualkolumne. Das war in Deutschland, angefangen hatte er mit dem Journalismus jedoch 1948 als Kulturredakteur in Wien, jener Stadt, in der er am 7. April 1924 geboren, aus der er mit seinen Eltern als Jude nach London emigriert war und in der 1947, im Zsolnay Verlag, sein erster Novellenband erschien, Begegnung im Nebel. Geschrieben hatte er ihn als 17-Jähriger.

Der Journalismus allerdings konnte Simmel trotz der sieben Pseudonyme nicht auslasten. So verfasste er nebenher Drehbücher für immerhin 36 Filme, darunter Hotel Adlon oder Stefanie. Und nicht zu vergessen: die ersten der dickleibigen Romane, wie Gott schützt die Liebenden (1956) oder Affäre Nina B. (1958).

1960 schließlich trat der Geheimagent Thomas Lieven in den Simmel-Kosmos. Es muss nicht immer Kaviar sein wurde der erfolgreichste Roman des Erfolgsverwöhnten: In über 30 Sprachen übersetzt, erreichte er eine Auflage von über 30 Millionen Exemplaren, wurde verfilmt und zur Fernsehserie. Weitere Bestseller seiner gut recherchierten "Faction"-Romane, wie Simmel selbst sie nannte, folgten nahezu jährlich.

Fast alle befassten sich mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen, kombiniert mit amourösen Verwicklungen: In Bis zur bitteren Neige etwa thematisierte er Probleme des Alkoholismus, in Und Jimmy ging zum Regenbogen den Handel mit biologischen Waffen oder später in Doch mit den Clowns kamen die Tränen das Thema der Genmanipulation und in Im Frühling singt zum letzten Mal die Lerche die globale Umweltzerstörung.

Politisches Engagement

Auch sonst äußerte sich Johannes Mario Simmel, dessen Großvater zu den Gründern der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands gezählt hatte, engagiert politisch. Noch 2004 sprach er sich, achtzigjährig, gegen die blau-rote Koalition in Kärnten aus und brach aus Protest mit der Sozialdemokratischen Partei.

Er selbst hatte seit Jahrzehnten mit seiner Familie in der Schweiz gelebt. Seit einiger Zeit pflegebedürftig, starb Johannes Mario Simmel am Donnerstag, dem 1. Jänner, in einer Altersresidenz in der Nähe von Zug. (Cornelia Niedermeier / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5./6.1.2009)

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der simmel ist nicht so schlecht, aber der witz mit dem 30 cm großen simmel ist auch nicht so übel...

flieg, persil, flieg!!!

Gigantisch verdient

Ich will die Literaturanalyse der Vorredner nicht vertiefen. Ich habe mich bei den beiden "Schreibmaschinen" (c/ Sigrid Löffler) H. G. Konsalik und J. M. Simmel, die stets im Atemzug genannt werden, immer gefragt, wie dick deren Bankkonto am Ende war. Vor allem Simmel, der nun ging, muss ja unglaublich verdient haben.

Nimmt man nur die Mega-Gesamtauflage von "Es muss nicht immer Kaviar sein" (der Titel hätte in der SM-Szene andre Bedeutung): 30 Millionen verkauft! Angenommen: 1 Euro pro Buch verdient. Macht 30 Millionen Euro (421 Mio ATS)!

Die Verkaufszahl "Werkauflage" wird bei J. M. Simmel immer mit 73 Millionen angegeben. Verdienst 1 Euro pro Buch: Macht 73 Millionen Euro (1 Milliarde ATS)!

Wohnt man dann in Zug (Schweiz) oder lässt das Konto über eine Briefkastenfirma in Jersey (Ärmelkanal, GB) laufen, zahlt man 10 % Steuern. Selbst bei einem Spitzensteuersatz von 55% bleiben netto allein aus dem Buchverkauf rund 33 Millionen Euro aus Romanschreiben.

Hat er einige Euros Tantieme für Verfilmungen erhalten und für Drehbuch, dazu in der Frühzeit je ein paar Mark, Franken, Lire und Schilling für sieben Aliasse, kommt schon ein Lebensverdienst zusammen.

Also, ich mag ihn den J. M. Simmel! Er machte auch als Mensch einen betulich-sympathischen Eindruck. Er hatte den Dreh heraus. Viel schreiben, viel reden. Gelesen habe ich kein Buch von ihm. Aber "Und Jimmy ging zum Regenbogen" steht in der 1970er Originalfassung im Regal.

Ich weiß nicht ob der Autor für Auslandslizenzen auch die üblichen 6-10% vom Nettoladenverkaufspreis bekommt.

Interessant, worüber Sie sich Gedanken machen.

Ganz schlimm...

...habe ich immer jene ZeitgenossInnen gefunden, die Simmel mit Konsalik verglichen haben.

Konsalik war ein alter Nazi, der durch nichts zu bekehren war. Simmel war das genaue Gegenteil...

Herzelichst
Ihr Lappe

Ich glaube, dass bei Simmel und Konsalik nicht die beiden Menschen und deren Gesinnung verglichen wurden. Vielmehr sind (waren) sich ihre Werke in Popularität, Umfang etc. in gewisser Weise ähnlich. Inhaltlich allerdings, wichen die beiden doch zumeist recht deutlich voneinander ab. Wobei ich da schon Simmels Werke jenen von Konsalik vorziehe.

ALSO BITTE

Etwas frevelhaft, die beiden zu vergleichen. Konsalik war ein Fliessbandschreiber bzw. er ließ ganz gerne schreiben......abgesehen davon ein gewaltiger Niveauunterschied....

Habe nie etwas von Simmel gelesen, aber er war immer present

Ich war und bin ein grosser Fan von Georg Simmel. Wenn ich dessen Namen erwaehnte, schauten mich meine Gegenueber immer unverstaendlich an und fragten mich, warum ich ueber diesen Schriftsteller zu sprechen beginne.
Johannes Mario Simmel muss wohl sehr bekannt gewesen sein, aber er war wohl auch immer nur "der Simmel".
Allerdings wenn jemand es schafft ein "der" oder "die" vor seinem Nachnamen zu erhalten, das ist mehr Wert als ein Adelstitel. Das "der" oder "die" hat derjenige sich erarbeitet! Hut ab.


Mehr ueber den anderen Simmel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Simmel

Ein wirklicher Verlust für die Welt!

Als Kind habe ich lange keine Bücher gelesen, die mehr als 20 Seiten hatten und auch ohne Bilder ausgekommen sind.

Erst als mir Simmels bekannter Lieven-Roman in die Hände fiel, habe ich erkannt wie spannend und interessant Bücher sein können, auch ohne Bilder.
Und auch heute noch steht ein Simmel hoch im Kurs, wenns um Alternativen zum sonntäglichen Fernsehprogramm geht!

Die im Dunklen sieht man nicht aber sie sind umso wichtiger.

ziemlich dünn

Ich habe als Kind...

...sein Hörspiel "Ein Autobus, groß wie die Welt" geliebt, aber sonst bisher nichts von ihm gelesen. Hol ich vielleicht nach, wenn ich mit dem Oeuvre von Thomas Bernhard durch bin.

T.B.

Thomas Bernhards Literatur beschränkt sich üblicherweise darauf, dass sich ein selbstmitleidiger, nervender, alter Suderer über alles Mögliche beklagt.

Also, meiner eigenen Leseerfahrung nach

könntenS Schwierigkeiten haben, wennS nach der Auslöschung - ein Zerfall (nach Herzmanovsky eines der lustigsten und zugleich eines der bösest-klarsichtigen Bücher, die ich je gelesen habe) z.B. den Jimmy zum Regenbogen begleiten wollen...

"Ein Autobus, groß wie die Welt"

ist von Simmel ?
Respekt. Das Buch fiel mir auf einem unvergesslichen "Kinderfreunde-Sommeraufenthalt in Kaprun in der do. Heimbibliothek in die Hände, und es faszinierte mich auf Anhieb.

Möge Simmels Andenken immerfort lebendig bleiben !

kinderfreunde? ist das sowas wie rote falken oder sturmadler?

Hatten sie eine schlimme Kindheit ?

Ich habe nie etwas besseres gelesen ...

... als seine Begegnung im Nebel. Vorzüglich.
Er war ein großer Autor, der aus der Zeit heraus seine Themen nahm und dadurch nicht ganz zeitlos sein wird.
Sein Novellenband wird aber immer einen Platz in der deutschen Literatur haben.

"Es muss nicht immer Kavier sein" ist echt zu empfehlen. Selten so ein gutes (auch kulinarisch wegen der Rezepte *gg*) gelesen.

Viel Spass damit

RIP aber...

Seine politische Redlichkeit nehm ich ihm einigermaßen ab, war Journalist halt auch.

Aber der literarische Stil: ich hab einmal von Dürrenmatt gelesen "Der Richter und sein Henker"; großteils sehr gut geschrieben bis auf ein winziges Stückl, in dem nämlich der Grund für den Groll erklärt wird, den der Kommissar gegen den Bösewicht hegt, irgendwas mit Istambul vor vielen Jahren. Diesen kurzen Abschnitt bezeichnete Dürrenmatt selbst als Kolportage, etwas, was ihm einfach mißlungen sei - es sticht tatsächlich in seiner Glattheit heraus gegenüber dem sonstigen Bohren und Fräsen des Romans.

Alles, was ich von Simmel angelesen habe, war so wie dieses von Dürrenmatt selbst so schlecht eingeschätzte Stückl geschrieben...

Dem kann ich nur zustimmen.

Er mag tausend gute Eigenschaften gehabt haben, allein, es war ihm nicht vergönnt, Literatur zu schaffen (vielleicht, mag sein, mit Ausnahme von Kinderliteratur). Aber trotzdem scheint es, dass er auf wunderbare Weise. als hätte ihm eine Fee als besondere Gnade mangelndes literarisches Talent in die Wiege gelegt, seinen Erfolg und seine Beliebtheit gerade dieser Unfähigkeit verdankt.

Können wird man ihm sicher nicht absprechen können.

Und ein Gspür für interessierende Themen schon gar nicht.

Aber Kunst kommt eben nicht von Können...

simmel

war ein aktiver, großzügiger, ausgesprochen unterhaltender mensch.

einer der mit qualtinger die dreifaltigkeitssäule am graben in wien bestiegen hat, im suff, und über die glorie nicht in den himmel kam, sondern im alt-wien an der bar hängenblieb.

einer der erfolgreichsten deutschsprachigen authoren aller zeiten;

.....und wahrscheinlich sitzt er jetzt neben quasi
auf einer wolke und freut sich mit ihm, das die pestsäule am graben eine durchtrennte nabelschnur ist.

wird jetzt donauland in konkurs gehen?

Ich denke,

ein paar Simmel haben viele von uns in den Regalen!
Und das ist auch gut so. Denn - siehe weiter unten "haydee" - das mit Siddharta stimmt! Und mit der Jelinek geht´s mir auch nicht anders .....

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