Dissonanzen bei Museumseröffnung in Linz

2. Jänner 2009, 18:20
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Polit-Hickhack um AEC

Linz - Von einem "Leben in Höchstgeschwindigkeit" sprach Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer (VP), und der Linzer Bürgermeister Franz Dobusch (SP) bestätigte dies umgehend. Denn bereits am zweiten Tag des neuen Jahres meinte er: "Heute feiern wir einen der wichtigsten Tage im Kulturhauptstadtjahr 2009."

Der Grund für den Enthusiasmus war die Eröffnung des erweiterten Ars Electronica Centers (AEC). Jetzt verfügt das Museum der Zukunft über 6500 Quadratmeter Gesamtfläche - fast 4000 Quadratmeter mehr als zuvor. Doch nicht immer stimmten die beiden Politiker in den Lobgesang zur feierlichen Eröffnung ein. Als sie auf die Finanzierung des neuen Hauses zu sprechen kamen, waren deutliche Dissonanzen zu hören.

Neun Millionen Euro steuerte das Land für den Neubau bei, der ursprünglich mit 14 Millionen Euro veranschlagt war, letztendlich dann aber doch 30 Millionen Euro gekostet hat. 40.000 Leuchtdioden der bespielbaren Glasfassade sowie Änderungen der Innenausstattung ließen die Ausgaben für das Projekt des Wiener Büro "Treusch architecture" in die Höhe schnellen. "Dann sind wir zum Land gepilgert und niedergekniet", umschrieb Dobusch seine Bemühungen, Zuschüsse des Landes zu erhalten. Auf den darauf folgenden süffisanten Konter Pühringers, er habe die Linzer noch nie knien gesehen, höchstens am Pöstlingberg, setzte der Bürgermeister dann nach: "Geistig gekniet, natürlich!" Beim Publikum stieß dieses Wortgefecht auf wenig Gefallen.

Schon in den letzten Wochen vor der Eröffnung waren Missklänge zu hören gewesen. Mitarbeiter klagten auf Anstellung, vom kaufmännischen Geschäftsführer trennte man sich einvernehmlich. Dazu kam, dass drei Wochen vor Jahreswechsel noch immer kein Wirtschaftsplan für 2009 vorlag.

Nach dem Intermezzo stimmten alle Festredner aber wieder in den Freudengesang über das neue Haus ein. Dobusch sprach vom inhaltlichen "Quantensprung", den das Museum im neuen Gebäude mache. Pühringer unterstrich die Bedeutung des AEC als "Zukunftsforschungsstätte."

Bis Sonntag gilt bei den "Open Days" im AEC freier Eintritt. (red, DER STANDARD/Printausgabe, 03.01.2008)

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