Die Gemeinsamkeiten der Duellanten

3. Jänner 2009, 11:28
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Ein halber Punkt trennt Wolfgang Loitzl und Simon Ammann zur Halbzeit. In Innsbruck wollen sie zeigen, was sie in mageren Jahren gelernt haben

Die Chancen, dass die Vierschanzentournee im Unterschied zum Vorjahr tatsächlich auf vier verschiedenen Bakken ausgetragen wird, stehen gut. Springen Nummer drei scheint wettermäßig jedenfalls gesichert. Innsbruck ist Sonnenschein verheißen. Dem Föhn, der sich zuweilen auch des Bergisels bemächtigt und der im Vorjahr die Konkurrenz als ganzes verblasen hat, kann im Fall des Falles durch die neu installierten Windnetze bis zu einer gewissen Stärke Einhalt geboten werden. Die Arena wird durch 22.000 Menschen ausverkauft sein.

Das freut auch das Duo an der Spitze der Gesamtwertung, also Garmisch-Sieger Wolfgang Loitzl und den seit dem Neujahrsspringen um die Nichtigkeit eines halben Punktes zurückliegenden Oberstdorf-Triumphator Simon Ammann. Auch sonst verbindet den Steirer aus Bad Mitterndorf und den Schweizer aus der Talschaft Toggenburg im Kanton St. Gallen viel. Beide zählen zu den Routiniers im Springerzirkus, mit den Jahren - Loitzl wird am 13. Jänner 29, Ammann im Juni 28 - kam auch eine gewisse Abgeklärtheit.

Die hilft ihnen beim Blick auf die Statistik. Im besten seiner bisher neun Innsbrucker Weltcupspringen landete Loitzl auf Rang 14. Das war 2007, als Ammann Dritter wurde. Freilich war dieser in seinen sechs Bergiselspringen davor tendenziell schlechter als jener.
Das zeigt auch, dass beide, vor allem selbst verschuldet, schwierige Jahre hinter sich haben. Ammann fiel nach seinen beiden Olympiasiegen 2002 in Salt Lake City in ein tiefes Loch. Auch weil der begnadete Flieger kein großer Trainierer war. Faul nennt er sich rückblickend selber. Zu lange habe er von seinem Talent gelebt. Loitzl, dem bis Donnerstag kein Einzelsieg zugefallen war, sagt, dass auch er viel früher "einen Tritt irgendwohin" gebraucht hätte.
"Ich habe mich immer gefragt, warum er sein Potenzial nicht zu hundert Prozent ausschöpft" , verriet ÖSV-Sportdirektor Anton Innauer, am Tag nachdem Loitzl bei seinem Flug im zweiten Garmischer Wertungsdurchgang ausgeschöpft hatte bis zum Grund des Gefäßes. Erst in dieser Saison kämpfe Loitzl um den Sieg. "Jetzt ist er ihm zum optimalen Zeitpunkt zugefallen."

Das Setzen neuer Reize hat beiden in die Spur geholfen. Sie haben im Sommer die Skimarke gewechselt, Loitzl zwangsläufig, weil vor die Tür gesetzt, von Fischer auf Atomic, Ammann wie gewünscht von Elan auf Fischer.
Das neue Material hilft, Stärken auszuspielen. Seit Ammann auch Kraftkammern besucht, ist sein Sprungvermögen dramatisch gestiegen. Loitzl zählte immer zu den athletischsten Springern. Und während Ammann stilistische Probleme hat, ist Loitzl von jeher auch ein Ästhet. "Einen Telemark mache ich eigentlich automatisch."

Dass es im zweiten Garmisch-Sprung "nur" viermal die 20 für Loitzl gab, war für Innauer "eine kleine diebische Freude. Das fiel unter Denkmalschutz." Schließlich heimste er selbst 1976 beim Fliegen in Oberstdorf fünf 20er ein. Nach Innauer gelang es auch anderen. Und gelingt's Loitzl am Sonntag, wäre der Chef glücklich. (Sigi Lützow aus Innsbruck, DER STANDARD Printausgabe, Sa./So., 3./4. Jänner 2009)

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    Das Stadion, die Wiltener Stiftskirche, Innsbruck und die Nordkette haben Skispringer im Blick, wenn sie im Flug einen Blick für all das haben.

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