Fernsehen und Krise: Fluchtmöglichkeiten, bitte

2. Jänner 2009, 17:48
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Allein nach der beängstigenden Häufung von Bud-Spencer-Filmen im Weihnachtsprogramm beschleichen einen böse Ahnungen für 2009

Die Krise zum Jubiläum: 25 Jahre ist es her, dass in Deutschland mit dem Kabelpilotprojekt Ludwigshafen, aus dem später Sat.1 wurde, das erste Privatfernsehen angelaufen ist. 2009, im allseits heraufbeschworenen Jahr des Niedergangs, werden auch der TV-Branche wegbrechende Werbeumsätze und Massenabwanderungen Richtung Internet vorhergesagt.

Für den Konsumenten, der dem Medium die Treue hält, bedeutet das nicht nur, dass die viele, viele Zeit zwischen den Quotenbringern mit Wiederholungen und billiger Eigenbauware vollgestopft wird. Vor allem auf innovative Produktionen und mutige Einkaufspolitik der deutschsprachigen Sender wird man vezichten müssen. Allein nach der beängstigenden Häufung von Bud-Spencer-Filmen im Weihnachtsprogramm beschleichen einen böse Ahnungen für 2009.

Blöd, weil wir gerade in Zeiten der Krise das Fernsehen als Rückzugsgebiet, als wohlige Alternative zur jammervollen Realität brauchen würden. Wozu ist die televisionäre Parallelwelt gut, wenn nicht zur geldsparenden Flucht aus dem Alltag?
Deutsche Fernsehmacher flüchten sich angesichts der unheilvollen Zukunft in die Bewältigung der Vergangenheit. Die vielen Zeitgeschichte-Dokus und -Filme sind ja auch schön und sinnvoll, aber nicht gerade sexy Krisenbrecher.

Zwar wird „Dr. House" in der fünften Staffel ein wenig von der Griesgrämigkeit der Welt auf sich nehmen, David Duchovny wird in „Californication" die Möglichkeit, in Sex zu flüchten, zur Diskussion stellen, Positivmörder „Dexter" kann als Krisentröster negative Energien abführen, aber das wird nicht reichen. Gerade jetzt wäre es an der Zeit, das darniederliegende Science-Fiction-Genre als Flucht durch Raum und Zeit im großen Stil wieder neu zu beleben.

Bitte antizyklische Budgetpolitik bei allen Fernsehsendern! (Alois Pumhösel/DER STANDARD; Printausgabe, 3.1/4.1.2009)

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