Arme Kinder entwickeln sich schlechter

2. Jänner 2009, 17:30
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Mannheimer Studie untersuchte Kinderarmut bei Drei- bis Vierjährigen und bestätigte, was Experten schon lange vermuten

Mannheim - Armut wirkt sich negativ auf die Entwicklung von Kindern aus. Das bestätigt eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES). Dabei wurden erstmals empirisch die Folgen von Kinderarmut bei Drei- bis Vierjährigen untersucht. Wichtigstes Ergebnis: "Defizite können durch gezielte Förderung stark ausgeglichen werden", sagte Soziologin Nicole Biedinger in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Dies gelte auch für Kinder mit Migrationshintergrund. Für die Studie wurden 1281 Betreuer von Drei- bis Vierjährigen befragt. Die Kinder machten einen psychologischen Entwicklungstest. Dabei mussten sie beispielsweise Gesichter wiedererkennen, Zahlen nachsprechen oder bis zu 24 Bilder von Objekten benennen.

Zwar könnten die Nachteile ärmerer Kinder beim Wortschatz nicht völlig aufgehoben werden, sagte Biedinger. "Liest man den Kindern aber vor oder spielt gemeinsam mit ihnen Gesellschafts- oder Brettspiele, wirkt sich das sehr positiv aus." Die Soziologin betonte: "Wichtig ist für die Entwicklung der Sprachfähigkeit, sich mit den Kindern zu befassen - das geht auch ohne viel Geld." Damit werde auch deutlich, welche Bedeutung Kindergärten zukomme. Allerdings müsse noch untersucht werden, welches Kindergartenangebot sich besonders hilfreich oder fördernd auswirke.

Schlechter Wortschatz

Außer Acht lässt die Studie von Biedinger, welche Bedeutung Erziehungsstil und Umgangston zwischen Eltern und Kindern auf die Sprachfähigkeit haben. Berücksichtigt wurde allerdings der Bildungsstand der Eltern. Ihren Angaben zufolge hat sich gezeigt, dass sich Armut auch negativ auf den Wortschatz der Kinder auswirkt, deren Eltern einen vergleichsweise höheren Bildungsstand haben.

Die Teilnehmer für Biedingers Untersuchung wurden zufällig ausgewählt in 30 Städten und Gemeinden mit mindestens 15.000 Einwohnern im Großraum Rhein-Neckar. In den Analysen wurden die Familien als arm bezeichnet, deren Gesamteinkommen - bei Berücksichtigung aller im Haushalt lebenden Menschen - deutlich unter dem durchschnittlichen Einkommen von 938 Euro lag. Die Ergebnisse sind Resultat von Interviews seit Frühjahr 2007. Die Befragung soll mit den gleichen Familien wiederholt werden. (APA/dpa) 

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