Womanizer aus der Business-Welt

2. Jänner 2009, 16:46
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Womanizer und Workaholic – das gehöre zusammen, sagt Marlin Potash - Die Psychotherapeutin behandelt sie seit 20 Jahren

Jude Law hat es raus wie kein anderer. Im Remake des Filmklassikers "Der Verführer lässt grüßen" spielt er Alfie: einen jungen New Yorker, der die Meinung vertritt, dass es nirgends so viele unverschämt gutaussehende Frauen gibt wie in Manhattan. Und: dass der Mann sich folglich nicht nur mit einer einzigen zufrieden geben kann.

Männer, die ständig zwischen mehreren Frauen balancieren: ein Phänomen, so alt wie die Menschheit. Aber auch: Typisch Big Apple, sagt die Psychotherapeutin Marlin Potash, denn wer in der Megalopolis lebe, wolle beneidet werden: "Das ist der Herzschlag dieser Stadt." Der New Yorker, so Potash, sammle liebend gerne Statussymbole: von Macht, Autos und Flugzeugen bis hin zu Frauen.

"Womanizer ist ein Betrüger"

Potash muss es wissen. Seit 20 Jahren behandelt die Psychotherapeutin Männer, die gefährlicher sind als Charmeure und Schürzenjäger zusammen. Womanizer werden sie im Fachjargon genannt. "Flirten oder auch mehr: Das ist in Ordnung, aber der Womanizer ist ein Betrüger", sprudelt es aus Potash hervor, "Er tut so, als sei er monogam, und verspricht jeder, dass sie die Einzige ist."

Meisterverführer, denen kein weibliches Wesen widerstehen kann. Nach außen hin mag der Womanizer ein wunderbares Leben führen. Die Männer, die Potash in ihrer Praxis an der feinen Park Avenue aufsuchen, fühlen sich jedoch miserabel. Nicht dass sie ein schlechtes Gewissen plagen würde, sondern: Der Stressfaktor macht ihnen auf die Dauer zu schaffen. "Womanizer sind oft sehr ehrgeizig, sie glauben, dass sich Frauen ebenso jonglieren lassen, wie berufliche Aufgaben", analysiert Potash, "meine Patienten halten sich immer mindestens eine Geliebte als Backup. Das kostet Zeit, von der sie eh schon kaum welche haben."

Zwischen 30 und 75 Jahre alt

Womanizer und Workaholic: Das gehört für Potash zusammen wie Fließband und Akkordarbeit. Namen darf die Therapeutin freilich nicht nennen, nur so viel: Ihre Patienten sind zwischen 30 und 75 Jahre alt und sehr erfolgreich. Die Behandlungsmethode ist auf diese Business-Klientel zugeschnitten.

Potash stellt eine Kosten-Nutzen-Analyse mit ihren Patienten auf. Der Nutzen: Es ist reizvoll, jeden Abend mit einer anderen Frau zu schlafen, reizvoll, dass niemand etwas von dir erwarten kann. Der Preis dafür: Es ist anstrengend und auf Dauer unbefriedigend, weil man sich nirgendwo zu Hause fühlt. Potash setzt außerdem gezielt weibliche Reize ein: „Es ist wichtig, dass diese Männer auch mich als Womanizing-Objekt sehen, denn so finde ich Zugang zu ihren Gedanken", sagt sie.

Die Behandlung kann je nach Fall Wochen oder Monate dauern. Manche werden nie kuriert. Potashs Erfolgsquote liegt bei 50 Prozent. Ihr Rat an die Frauen: Achtung vor Männern, die zu perfekt rüberkommen, denn die spielen mitunter ein falsches Spiel. Doch selbst die Therapeutin geht ihnen mitunter ins Netz. "Ganz ehrlich: Ich mag diese Womanizer", sagt Potash mit verschmitztem Lächeln "denn sie sind faszinierend". (Beatrice Uerlings aus New York/DER STANDARD; Printausgabe, 3.1/4.1.2009)

  • Marlin Potash.
    foto: potash

    Marlin Potash.

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