Der Clown und die Globalisierung

2. Jänner 2009, 16:14
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Auch die Machtlosen können etwas bewirken: Das neue Buch von Klaus Werner-Lobo

„Uns gehört die Welt!" - Niemand würde sich wundern, wenn manch Konzerngewaltiger dies so unverblümt ausspräche. Wir haben uns daran gewöhnt, dass die Wirtschaft die Politik dominiert, dass Unternehmen Regierungen unter Druck setzen, Preise manipulieren, ihre Gewinne ins Astronomische steigern. So ist das eben, „da kann man nichts machen", ist die resignierte Reaktion vieler Menschen. Aber nicht aller. Dass die Zahl der Nicht-konformisten zunimmt, die den Schattenseiten der Globalisierung kritisch begegnen, zeigte der Sensationserfolg von Schwarzbuch Markenfirmen von Klaus Werner-Lobo, von dem bisher 150.000 Exemplare verkauft wurden.

Mit dem Titel seines neuen Buches (eben: „Uns gehört die Welt!") meint Werner-Lobo aber natürlich jene, die politisch Widerstand leisten wollen. Der Autor hat sein Buch in einer leicht verständlichen Sprache geschrieben, um es schon für Elf-, Zwölfjährige zugänglich zu machen. Werner-Lobo denkt dabei an seine eigene Politisierung mit elf Jahren im Protest gegen das AKW Zwentendorf 1978: „Da habe ich ein Gefühl für Gerechtigkeit und Ethik und Umwelt entwickelt." Nach dem unerwarteten Riesenerfolg des Schwarzbuchs tauchte Werner-Lobo nach Brasilien ab, wo er dreieinhalb Jahre blieb. Seine journalistische Karriere hätte er allerdings beinahe an den Nagel gehängt. Überaus beeindruckt durch die Darbietung eines Clowns, begann er selbst in Rio de Janeiro Schauspiel zu studieren und fand wieder zu einer Balance zwischen den beiden Lebensläufen zurück. „Mittlerweile versuche ich, diese zwei Dinge zusammenzuführen, meine 20-jährige Erfahrung als Journalist und Menschenrechtsaktivist mit meinem neuen Leben als Clown." Und bei den künftigen Vorträgen will er viele Elemente seiner Clownausbildung einfließen lassen.

Wie schon im Schwarzbuch Markenfirmen porträtiert Werner Lobo auch hier eine Reihe marktbeherrschender Unternehmen der Welt, ihre „Macht und Machenschaften" (Buchuntertitel): Erstaunlicherweise hat nach Erscheinen des Schwarzbuchs keiner der angeklagten Konzerne geklagt. Entweder haben sie gelernt, dass Prozesse bloß ihr Image anschwärzen - oder sie befürchteten, den Prozess zu verlieren. Neben den Firmenporträts wird thematischen Hintergrundinformationen breiter Platz eingeräumt, wird die Situation in Geschäftsbereichen wie Mode, Spielzeug, Lebensmittel, Elektronik, Medikamente unter anderem unter die Lupe genommen. Doch geht es dem Autor diesmal nicht nur um die Information.
Aus dem Ärger über die herrschenden Missstände soll die Lust auf Veränderung entstehen, eine Lust am Handeln für eine bessere Welt. Werner-Lobo stellt ganz bewusst die Machtfrage: Wem gehört die Welt? „Ich will die Macht thematisieren, die ökonomische Macht der großen Konzerne oder der Wirtschaftseliten oder der Reichen oder der politischen Eliten. Es geht darum, wie wir die Macht über unser Leben zurückerobern können." Er möchte das Konfliktpotenzial, das besonders bei jungen Menschen zwischen dem Gefühl der Machtlosigkeit und dem Bewusstwerden über die eigene Macht liegt, für den Kampf um eine bessere, solidarischere Welt nutzen. Den einzelnen Kapiteln sind Web-Links zur weiteren Information und Aktion beigegeben, über www.unsdiewelt.com findet man ebenfalls Infos und Links. (Werner Hörtner, DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.1.2009)

  • Klaus Werner-Lobo: "Uns gehört die Welt. Macht und Machenschaften der Multis". € 15,40/256 Seiten. Hanser, München 2008
    foto: verlag/hanser

    Klaus Werner-Lobo: "Uns gehört die Welt. Macht und Machenschaften der Multis". € 15,40/256 Seiten. Hanser, München 2008

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