Loitzl: "Habe Witterung aufgenommen"

2. Jänner 2009, 14:14
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Steirer sieht Ammann weiter als Favoriten: "Er muss Tournee gewinnen, ich kann sie gewinnen" - Interview

Innsbruck - Skispringer Wolfgang Loitzl hat am Donnerstag mit seinem ersten Weltcup-Sieg und der gleichzeitigen Übernahme der Führung in der Gesamtwertung der Vierschanzen-Tournee seine beiden größten Einzelerfolge gefeiert. Am Tag danach sprach der 28-jährige Steirer über Emotionen, seine weiteren Ziele und über Fumihisa Yumoto, das Idol seines Sohnes.

Wie sehen Sie am Tag danach ihren ersten Weltcup-Sieg?
Loitzl: "Das hat mich emotional schon sehr mitgenommen. Das war sehr viel, was da auf mich eingestürzt ist. Realisieren werde ich das ganze wohl erst in den kommenden Stunden. Auch die Tournee-Führung ist etwas ganz besonderes."

Was erwarten Sie sich nun für den weiteren Tournee-Verlauf?
Loitzl: "Es wird eng werden, der Vorsprung hat nicht viel Aussagekraft. Es kann viel passieren. Simon (Anm.: Ammann) ist immer noch der Favorit. Von den Vorzeichen her muss er die Tournee gewinnen, ich kann sie gewinnen. Mein Ziel waren vor Beginn die Top Drei, das ist auch heute noch das Ziel. Aber ich habe Witterung aufgenommen und ich hoffe, dass ich Simon einen harten Kampf liefern werde."

Hätten Sie vor Tournee-Beginn auf einen Tournee-Sieger Loitzl gewettet?
Loitzl: "In Oberstdorf hätte ich nicht darauf gewettet, jetzt würde ich schon etwas darauf setzen. Ein bisschen was würde ich schon riskieren."

Wie kommen Sie mit dem Rummel um ihre Person zurecht?
Loitzl: "Ich habe kein Problem damit, wenn es intensiver ist. Die Anerkennung taugt mir. Ich genieße es, das habe ich in der Intensität ja noch nie durchgemacht. Ich hätte nichts dagegen, wenn es noch länger andauern sollte."

Was erwarten Sie sich vom Bergisel-Springen in Innsbruck?
Loitzl: "Vor heimischem Publikum zu springen ist immer schön. Ich habe keine schlechten Erinnerungen an Innsbruck. Ich hoffe, dass es durch das präventiv aufgestellte Windnetz ein fairer Wettkampf wird."

Hat sich das Mannschaftsgefüge mit ihrem Sieg verändert?
Loitzl: "Nein, es hat sich nur das Interesse zu meinen Gunsten verändert. In einem so starken Team stachelt der Vergleich mit den besten natürlich zusätzlich an. Man muss schon im Training das Maximum abrufen. Wir verstehen uns alle nach wie vor sehr gut."

"Wie erklären Sie sich ihre Leistungsexplosion in dieser Saison?
Loitzl: "Die gute Vorbereitung im Sommer und der Skiwechsel waren sicher sehr wichtig. In den ersten Jahren meiner Karriere war der Druck von hinten nicht so stark da, in den letzten Jahren haben mir die Jungen das Leben schwer gemacht. Nach Olympia 2006, wo ich nur Ersatzmann war, habe ich gedacht, es muss sich etwas ändern. Alex (Anm: Cheftrainer Alexander Pointner) hat immer gesagt, mir fehlt der Killer-Instinkt, der scheint jetzt da zu sein und es verläuft alles nach meinem Geschmack."

Ihre Frau Marika war überraschend in Garmisch, wie kam es dazu?
Loitzl: "Zwei Bekannte haben das eingefädelt, ich habe mich sehr gefreut. Normalerweise muss sie ja bei den Kindern bleiben. Meine Frau ist nach dem Sieg in Tränen ausgebrochen. Mein Sohn Benjamin (Anm: 3 Jahre alt) hat gesagt: 'Mama du brauchst nicht weinen, der Papa war ja eh gut'. Er schaut sich immer die Springen an und fiebert mit. Er mag vor allem orange Skihelme, momentan ist der Japaner Fumihisa Yumoto sein Idol. Aber er findet auch den Papa gut, aber der hat einen schwarzen Helm, der gefällt ihm nicht so." (APA)

 

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