Wahlverliererin nimmt Angebot zur Zusammenarbeit an

2. Jänner 2009, 13:15
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Der langjährigen Rivalin Khaleda, deren Partei auf lediglich 31 Mandate kam, bot Hasina wichtige Posten im Parlament und einige Ministerämter an

Dhaka - In Bangladesch hat die Wahlverliererin Begum Khaleda Zia das Angebot von Wahlsiegerin Sheikh Hasina Wajed zur Zusammenarbeit nunmehr angenommen. "Khaleda Zia ist bereit, mit der künftigen Premierministerin und ihrer Regierung zu kooperieren", sagte am Freitag der Generalsekretär der Nationalpartei (BNP), Khandakaer Delwar. Zunächst hatte die BNP nach ihrer deutlichen Niederlage von Wahlbetrug der Awami-Liga (AL) gesprochen.

Hasina und ihre Awami-Liga hatten bei dem Urnengang mehr als zwei Drittel der Parlamentssitze errungen. Der langjährigen Rivalin Khaleda, deren Partei auf lediglich 31 Mandate kam, bot Hasina wichtige Posten im Parlament und einige Ministerämter an. Ihre Regierung wolle mit allen Seiten zusammenarbeiten, um eine neue politische Kultur im Land zu schaffen, sagte die 61-jährige Hasina, Tochter des ermordeten Staatsgründers Mujibur Rahman, auf ihrer ersten Pressekonferenz nach dem Wahlsieg. Khaleda, Witwe des ermordeten Staatschefs General Ziaur Rahman, hatte noch am Mittwoch im Fernsehen erklärt, die Wahl sei lächerlich und nur inszeniert gewesen, das Ergebnis sei inakzeptabel.

Zweifel an Durchsetzungsfähigkeit

Politische Beobachter bezweifeln, dass die beiden Politikerinnen die dringend notwendigen Reformen in dem verarmten Staat mit 160 Millionen Einwohnern durchsetzen könnten. Von 1991 bis 2006 waren sie abwechselnd Premierministerin gewesen: Hasina von 1996 bis 2001, Khaleda von 1991 bis 1996 und von 2001 bis 2006. Die 15 Jahre der Regierungszeit beider waren gleichermaßen geprägt von Korruption, Misswirtschaft und Massenprotesten der jeweiligen Opposition, die das Land lähmten.

Als das Land Anfang 2007 in blutigen Unruhen zwischen Anhängern von Awami-Liga und BNP zu zerbrechen drohte, übernahm eine vom Militär gestützte Übergangsregierung die Macht. Sie versprach den Wandel und ein Ende der Korruption. Auch Sheikh Hasina und Khaleda Zia mussten vorübergehend ins Gefängnis. Zu den Wahlen wurden sie nach Boykottdrohungen ihrer Parteien jedoch zugelassen. Während des Wahlkampfes gelang es Sheikh Hasina, vor allem junge Menschen zu begeistern. Dabei präsentierte sich sich und ihre Partei zukunftsorientiert und weltoffen. Für die Älteren hingegen ist und bleibt Sheikh Hasina vor allem die Tochter Sheikh Mujibur Rahmans. Der "Vater der Nation" hatte die Awami-Liga gegründet und das damalige Ostpakistan 1971 in einem verlustreichen Sezessionskrieg mit indischer Hilfe in die Unabhängigkeit geführt. (APA/Reuters)

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