Altersschwerhörigkeit: Wenn der Dimmer im Gehirn nicht mehr funktioniert

3. Jänner 2009, 18:34
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Regler, der die durch die Ohren eingehenden Signale reguliert, schwächelt mit zunehmendem Alter, hat ein US-Forscher herausgefunden

New York - Altersschwerhörigkeit betrifft etwa jeden dritten Senior im Alter zwischen 65 und 75 Jahren. Das "Cocktailparty-Problem" - das meint, vor dem Hintergrund einer Geräuschkulisse seinen Gesprächspartner nur schwer verstehen zu können - kann ein erstes Zeichen davon sein.

Altersschwacher Dimmer

Schuld daran ist Robert Frisina von der Universität Rochester zufolge aber nicht das Hörsystem, sondern das Gehirn: Das verfügt dem Hirnforscher zufolge über eine Art Dimmer, der die durch die Ohren eingehenden Signale reguliert. Dieser wichtige Regler schwächelt mit zunehmendem Alter. Das erklärt, warum viele ältere Menschen schon in einer gesprächigen Kaffeerunde mit dem Zuhören überlastet sind.

Reizfluss drosseln

Grundsätzlich empfängt das Gehirn nicht nur passiv Signale von den Ohren, sondern gibt diesen auch aktiv Rückmeldung. Wird etwa der Geräuschpegel zu laut, sendet der Dimmer-Schaltkreis den Ohren das Signal, den Reizfluss an das Gehirn zu drosseln.

So reguliert das Gehör etwa extremen Lärm, der ansonsten verzerren würde wie der plärrende Lautsprecher eines bis zum Anschlag aufgedrehten Radios. Und auch weil Umgebungsgeräusche meist eine andere Tonfrequenz haben als Sprache, kann ein funktionsfähiger Dimmer ablenkende Laute gut herausfiltern. "Ich glaube, der Dimmer spielt eine bedeutende Rolle", sagt Frisina.

Gegenüber

Noch mit einem weiteren Trick sorgt das Gehirn dafür, dass Menschen auf einer Party ihren Gesprächspartner besser verstehen als etwa dessen Nachbarn, der sich ebenfalls lautstark unterhält. Da man sich bei einer Unterhaltung seinem Gegenüber zuwendet, erreichen dessen Laute beide Ohren mit fast identischer Lautstärke. Auch diesen Umstand nutzt das Gehirn, um wichtige Reize von Störendem zu trennen.

Veränderungen auf der Oberfläche der Nervenzellen

Schon vor Jahren fand Frisina heraus, dass der Dimmer mit dem Alter an Wirkung einbüßt. Dieser Verfall setzt oft schon im mittleren Lebensalter mit 40 bis 50 Jahren ein und verschlimmert sich dann mit der Zeit. Bei Mäusen entdeckte der Forscher das gleiche Problem. Ursache sind vermutlich Veränderungen auf der Oberfläche der Nervenzellen in diesem Dimmer-Schaltkreis. Der Forscher glaubt, dass diese Veränderungen letztlich auch das Innenohr in Mitleidenschaft ziehen.

Faktor Lautstärke

"Frisinas Arbeit zeigt, dass der Dimmer einer der wichtigen Faktoren sein muss", sagt der Mediziner Charles Liberman von der Universität Harvard. Ein weiteres Stück des Puzzles liegt im Innenohr, wo Geräusche zu Nervenreizen umgewandelt werden. Um die Schallwellen zu erfassen, sind dort bestimmte Zellen mit feinen Härchen ausgestattet. Diese Haarzellen nehmen im Alter ebenfalls Schaden, leiden aber auch dann, wenn man sich viel Zeit in lauter Umgebung aufhält, weshalb manche Rockmusiker schwerhörig sind. (APA/AP)

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    Foto: APA/dpa/Soeren Stache

    Der Regler im Gehirn, der die auditiven Reize filtert, wird im Alter schwächer - ein wesentlicher Grund, warum es zur Altersschwerhörigkeit kommt. Ein weiterer: Die feinen Härchen im Innenohr sind abgenutzt. 

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