Folgen von Kinderarmut empirisch untersucht: Gezielte Förderung ratsam

3. Jänner 2009, 17:27
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Studie vorgelegt, die Bildungsstand von Eltern Drei- und Vierjähriger sowie deren Einkommen berücksichtigt: Bildung kann finanziellen Faktor nicht wettmachen

Mannheim - Dass sich Armut negativ auf die Entwicklung von Kindern auswirkt, bestätigt eine Studie des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES). Dabei wurden erstmals empirisch die Folgen von Kinderarmut bei Drei- bis Vierjährigen untersucht. Wichtigstes Ergebnis: "Defizite können durch gezielte Förderung stark ausgeglichen werden", so Soziologin Nicole Biedinger.

Sprachfähigkeit verbessern

Für die Studie wurden 1.281 BetreuerInnen von Drei- bis Vierjährigen befragt. Die Kinder absolvierten einen psychologischen Entwicklungstest. Dabei mussten sie beispielsweise Gesichter wiedererkennen, Zahlen nachsprechen oder bis zu 24 Bilder von Objekten benennen.

Zwar könnten die Nachteile ärmerer Kinder beim Wortschatz nicht völlig aufgehoben werden, sagte Biedinger. "Liest man den Kindern aber vor oder spielt gemeinsam mit ihnen Gesellschafts- oder Brettspiele, wirkt sich das sehr positiv aus." Die Soziologin betonte: "Wichtig ist für die Entwicklung der Sprachfähigkeit, sich mit den Kindern zu befassen - das geht auch ohne viel Geld." Damit werde auch deutlich, welche Bedeutung Kindergärten zukomme. Allerdings müsse noch untersucht werden, welches Kindergartenangebot sich besonders hilfreich oder fördernd auswirke.

Bildung macht finanziellen Faktor nicht wett

Außer Acht lässt die Studie von Biedinger, welche Bedeutung Erziehungsstil und Umgangston zwischen Eltern und Kindern auf die Sprachfähigkeit haben. Berücksichtigt wurde allerdings der Bildungsstand der Eltern. Ihren Angaben zufolge hat sich gezeigt, dass sich Armut auch negativ auf den Wortschatz der Kinder auswirkt, deren Eltern einen vergleichsweise höheren Bildungsstand haben.

Befragung wird wiederholt

Die TeilnehmerInnen für Biedingers Untersuchung wurden zufällig ausgewählt in 30 Städten und Gemeinden mit mindestens 15.000 EinwohnerInnen im Großraum Rhein-Neckar. In den Analysen wurden die Familien als arm bezeichnet, deren Gesamteinkommen - bei Berücksichtigung aller im Haushalt lebenden Menschen - deutlich unter dem durchschnittlichen Einkommen von 938 Euro lag. Die Ergebnisse sind Resultat von Interviews seit Frühjahr 2007. Die Befragung soll mit den gleichen Familien wiederholt werden. (APA/dpa)

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