Linzer Ars Electronica Center: In neuem Haus neu erfunden

2. Jänner 2009, 09:32
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Wandel vom Tempel der Computerkunst zum hoch modernen Naturwissenschaftsmuseum - Um- und Neubau bietet stark vergrößerte Ausstellungsfläche

Zwei Fragen hat der Besucher beim Betreten des neuen Ars Electronica Center (AEC) in Linz, das am Freitag Vormittag offiziell eröffnet wird und sich im Rahmen des Linz09-Auftaktwochenendes bis Sonntag der Bevölkerung als "Open House" präsentiert: Handelt es sich um eine Erweiterung, einen Um-, Aus- oder Neubau? Und: Konnte sich der künstlerische Langzeit-Leiter des AEC, Gerfried Stocker, mit dem Gebäude nun alle Wünsche erfüllen? Beide Fragen beantworten sich bei einem Rundgang durch den Gebäudekomplex an der Donau rasch.

"Testlauf"

Stocker und sein Pressechef Christopher Ruckerbauer nahmen sich am Vorabend Zeit für eine ausführliche Exklusiv-Führung der APA - als "Testlauf" für die kommenden Besuchermassen. Dem AEC und dem Wiener Büro Treusch architecture ist es gelungen, das 1996 eröffnete "Museum der Zukunft" am alten Standort neu zu erfinden, ohne alles niederzureißen. "Das Haus ist uns einfach zu klein geworden", sagt Stocker in der 22 Meter hohen neuen Eingangshalle, die ein wenig an das Foyer des Wiener Mumok erinnert. Gelbe Gangways verbinden in verschiedenen Höhen den alten und den neuen Baukörper miteinander. Das runde Plateau, auf dem der Drachenflugsimulator Humphrey einer ganzen Besuchergeneration den spielerischen Einstieg in virtuelle Welten ermöglicht hat, ist nun funktionslos in den toten Winkel gerückt.

Zu klein

Wie klein dimensioniert der frühere Bau war, wird deutlich, wenn Stocker mitten im Foyer deutet: "Hier war früher die Außenwand." Oder wenn man im alten Treppenhaus die einstige Enge beklemmend zu spüren bekommt. Der stark gewachsenen Bedeutung von Hochtechnologie in unserem Leben konnte hier nicht mehr Rechnung getragen werden. Die im Frühjahr 2005 dem Bürgermeister erstmals vorgestellte Erweiterungs-Idee erhielt rasch kräftigen Rückenwind durch die Kulturhauptstadt-Kandidatur: "Ohne Linz09 hätte das Projekt vielleicht gar nicht, sicher aber nicht so rasch verwirklicht werden können." Mit 30 Mio. Euro (von Stadt und Land im Verhältnis 70/30 aufgebracht) wurde mehr als eine Verdreifachung der bespielten Gesamtfläche auf nun 6.500 Quadratmeter ermöglicht. Unter einer neuen, gemeinsamen, windschiefen Glas-Haut wurde neben dem alten Gebäude ein zweiter Baukörper errichtet. Er beherbergt im Erdgeschoss den "Deep Space", der den legendären alten "Cave" ersetzt und auf 16 mal 9 Meter Fläche den ausgefeilten neuen Technologien im Bereich von Virtual Reality Raum bietet.

Computerkunst

"Cave" und "Humphrey" sind Geschichte. "Nichts sollte vom alten AEC übrig bleiben. Das AEC ist für das Neue zuständig", sagt Stocker. Das bedeutet neben der noch stärkeren Betonung des Informellen, des Abenteuerhaften, des "Do-it-yourself-Aspekts" vor allem einen inhaltlichen Paradigmenwechsel. Aus dem einstigen Tempel der Computerkunst, in dem technologisch Hochbegabte ihre avancierten Basteleien vorführten, ist ein naturwissenschaftliches Museum des 21. Jahrhunderts geworden, das in Österreich seinesgleichen sucht.

Interaktive Installationen

In der Überzeugung, dass Lifesciences wie Bio- und Gentechnologie oder Neurowissenschaften künftig nicht nur den größten Innovationsschub erfahren, sondern auch den stärksten Einfluss auf die Entwicklung von Mensch und Gesellschaft nehmen werden, bildet die Selbst-Erfahrung dieser "Neuen Bilder vom Menschen" in Labors und interaktiven Installationen den neuen Schwerpunkt des Hauses: "Wir wollen Situationen schaffen, in denen sich die Besucher mit der heutigen Zeit auseinandersetzen."(APA)

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