Angriffe auf Wohnhäuser - mit Vorwarnung, sagt Israel

2. Jänner 2009, 18:51
434 Postings

Auch am siebenten Tag der israelischen Gaza-Offensive gab es keine Aussicht auf Waffenstillstand - mit Video

Während weiter auf eine Bodenoffensive gewartet wurde, gingen am Freitag die Angriffe auf den und aus dem Gazastreifen weiter. Israel will weiterkämpfen, bis die Hamas völlig zu schießen aufhört.

***

Während die Diplomatie sich nach den Weihnachtsferien erst nach und nach organisierte, gaben sich Israel und die Hamas weiterhin entschlossen, ihren Zermürbungskrieg fortzusetzen. Die Israelis schienen dabei ihre Taktik leicht zu ändern und griffen seit Donnerstag vermehrt die Wohnhäuser von Hamas-Kommandanten an. Israel bestreitet aber, dass es sich um eine Rückkehr zur "Politik der gezielten Tötungen" handle.

Man bombardiere die Häuser nur deshalb, weil sie als Waffenlager oder Kommandozentralen dienen würden. Die Hausbewohner würden vorher telefonisch gewarnt. Eine derartige Warnung soll es auch gegeben haben, bevor Donnerstag Nachmittag in Dschebalia eine tonnenschwere Bombe das Haus des prominenten Hamas-Führers Nisar Rayan zerstörte, der dabei mit seinen vier Frauen und mehreren seiner Kinder starb. "Wir in der islamischen Bewegung streben den Märtyrertod an", sagte Hamas-Funktionär Hamed Bitawi, "und die Anschläge gegen unsere Führer werden nicht das Ende der Hamas herbeiführen". Die Vergeltungsdrohungen der Islamisten wurden in Israel nicht ganz ernst genommen, weil man davon ausgeht, dass die Hamas ohnehin schon alles einsetzt, was ihr zur Verfügung steht.

Moschee als Waffenlager

In der Nacht auf Freitag hatten die Israelis wieder rund 20 Luftangriffe in verschiedenen Zonen des Gazastreifens geflogen. Zerstört wurde dabei unter anderem eine Moschee in Dschebalia, wo nach israelischen Angaben Kassam- und Grad-Raketen gelagert waren.

Die Hamas schoss am Freitag bis Mittag rund 20 Raketen in Richtung Israel ab, wobei im Gebiet der Großstadt Aschkelon mehrere Einschläge der schwereren Grad-Raketen registriert wurden. In Südisrael wurde die Bevölkerung angewiesen, am Samstag nur in kleinen Gruppen in die Synagogen zu gehen und keine kleinen Kinder mitzunehmen. Fußballspiele zwischen jüdischen und arabischen Mannschaften wurden abgesagt, weil man Zusammenstöße der Anhänger befürchtete. Nach den Freitagsgebeten der Muslime in den Moscheen auf dem Jerusalemer Tempelberg kam es nicht zu den befürchteten Ausschreitungen, in Ostjerusalem wurden aber Polizisten mit Steinen beworfen, und im Westjordanland protestierten zehntausende Palästinenser.

Israel ermöglichte es gestern rund 400 ausländischen Staatsangehörigen, den Gazastreifen zu verlassen. Manche sahen darin ein Indiz dafür, dass eine Bodenoffensive bevorsteht. Israels Außenministerin Zipi Livni lieferte nach ihren Gesprächen in Paris keinen Hinweis darauf, wie weit man von einer Waffenruhe entfernt war: "An jedem Tag, an dem wir handeln, sehen wir mehr Veränderungen im Gelände", sagte Livni, "es gibt noch Terrorziele, die wir treffen können, und es wird der Punkt kommen, wo die Hamas begriffen haben wird - das wird sein, wenn die Hamas aufhört zu schießen." (Ben Segenreich aus Tel Aviv/DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.1.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    In Jabalaya wurde die fünfte Moschee bombardiert.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Am Neujahrstag kamen 26 Menschen ums Leben, beim Anschlag im Flüchtlingslager in der Nacht auf Freitag 19 Menschen.

Share if you care.