Die Grenzen des Wachstums

1. Jänner 2009, 21:35
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Dramatische Entwicklungen am Great Barrier Reef vor Australien: Die Kalkanlagerungen verlangsamen sich

Washington – Es ist mit seinen 2300 Kilometern Länge die mit Abstand größte von Lebewesen geschaffene Struktur auf Erden, errichtet von insgesamt 359 Hartkorallenarten.

Das Great Barrier Reef (deutsch "Großes Barriere-Riff") an der Nordostküste Australien stellt für eine Vielzahl von weiteren Lebewesen selbst ein lebenswichtiges Habitat dar: Unter anderem sind dort 1500 Fischarten, 1500 Schwammarten und 5000 Arten von Weichtieren heimisch. Dazu kommen 800 Arten von Stachelhäutern (wie zum Beispiel Seesterne), 500 verschiedene Arten von Seetang, etliche Spezies von Weichkorallen und insgesamt 215 Vogelarten.

Jahresringe als Indikatoren

Die Steinkorallen des einzigartigen Riffs wachsen durch Kalkanlagerungen über Jahrhunderte und bilden dabei so wie Bäume Jahresringe, an denen sich nicht nur ihr Wachstum ablesen lässt, sondern auch die Umweltbedingungen.

Glenn De'ath, Janice Lough und Katharina Fabricius vom australischen Institut für Meereswissenschaften in Queensland haben nun 328 Kolonien von Steinkorallen an 69 Stellen des Riffs untersucht. Und sie stießen dabei auf eine dramatische Entwicklung: Von 1990 bis 2005 haben die untersuchten Korallen 14,2 Prozent weniger Kalk angelagert als zuvor.

Das klingt weniger besorgniserregend, als es tatsächlich ist: Ein derart langsames Wachstum habe es nämlich seit 400 Jahren nicht gegeben, schreiben die Forscher um De'athim US-Fachblatt Science (Bd. 323, S. 119). Die Meereswissenschafter gehen davon aus, dass diese "plötzliche" Veränderung auf den durch den Menschen bewirkten Mehr-Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid zurück geht.

Das CO2 wird wiederum zum großen Teil von den Meeren aus der Atmosphäre aufgenommen und lassen diese sauer werden. Durch diese Versauerung wiederum haben die Kalkbildner unter den Meerestieren – wie eben Korallen oder Muscheln – Schwierigkeiten, sich genügend "Bausubstanz" aus dem Wasser zu holen.

Aus diesem Grund läuft das Great Barrier Reef Gefahr, förmlich sein Fundament zu verlieren. Und das würde massive Kollateralschäden bedeuten, da es – wie eingangs geschildert – Lebensraum unzähliger weiterer Lebewesen ist. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 02.01.2009)

  • Seit 1990 wachsen die Korallen des Great Barrier Reefs viel langsamer als die vergangenen 400 Jahre.
    foto: jürgen freund

    Seit 1990 wachsen die Korallen des Great Barrier Reefs viel langsamer als die vergangenen 400 Jahre.

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