US-Musikmarkt setzt Sinkflug fort

1. Jänner 2009, 19:58
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Rapper Lil Wayne mit bestverkauftem Album 2008, vor Coldplay und Taylor Swift

New York - Der amerikanische Musikmarkt, der größte der Welt, hat im vergangenen Jahr seinen Sinkflug nicht stoppen können. Der Anstieg der Internet-Downloads verlangsamte sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren und konnte erneut nicht die massiven Einbrüche bei den CD-Verkäufen ausgleichen.

Erstmals seit Beginn der Marktanalysen vor 17 Jahren kam das bestverkaufte Album des Jahres - 2008 war es "Tha Carter III" von Lil Wayne - auf weniger als drei Millionen Exemplare, berichteten die Marktforscher von Nielsen SoundScan am Mittwoch laut US-Medien. Dem 26-jährigen Rap-Star reichten für die Jahres- Spitzenposition knapp 2,9 Millionen verkaufte Alben. 2007 kam das bestverkaufte Album "Noel", auf dem der Sänger Josh Groban seine Interpretation von Weihnachtsliedern vortrug, noch auf 3,5 Millionen Kopien, was schon damals als ungewöhnlich wenig bezeichnet wurde. Auf Platz zwei in den Jahres-Charts 2008 kam den Angaben zufolge die britische Band Coldplay mit dem auch in Europa erfolgreichen Album "Viva la Vida or Death an All His Friends", vom dem 2,14 Millionen Kopien abgesetzt worden seien. Drittplatzierte wurde knapp dahinter die 19-jährige Country-Sängerin Taylor Swift mit 2,11 Millionen verkauften Exemplaren ihres Albums "Fearless".

Insgesamt sanken die Album-Verkäufe im vergangenen Jahr den Angaben zufolge um 14 Prozent auf 428 Millionen CDs und digitale Downloads. Auslöser dafür war der Einbruch der CD-Verkäufe um fast ein Fünftel auf gut 360 Millionen Album-Kopien. Damit machen die Silberscheiben aber trotz aller Rückgänge immer noch rund 85 Prozent des Marktes aus. Die Rezession habe der Industrie auch das wichtige Weihnachtsgeschäft verdorben - die Verkäufe vor dem Feiertag sackten im Jahresvergleich um 19 Prozent ab, hieß es unter Berufung auf die Nielsen-Analyse.

iTunes vor Wal-Mart

Das über die Jahre rasante Wachstum der Internet-Downloads verlangsamte sich demnach auf 32 Prozent von 53 Prozent im Jahr davor. Der Trend zum Online-Vertrieb scheint aber trotzdem nicht aufzuhalten: Der Internet-Shop iTunes des Elektronik-Konzerns Apple wurde im vergangenen Jahr zum weltgrößten Musik-Anbieter vor dem langjährigen Spitzenreiter, dem Einzelhandels-Riesen Wal-Mart. Der Internet-Verkauf untergräbt zugleich den Absatz ganzer Alben, weil meist auch einzelne Titel erworben werden können.

Bei den Marktanteilen der großen Musikkonzerne gab es den Zahlen zufolge nur geringe Veränderungen. Weltmarktführer Universal Music behielt die Spitzenposition mit 31,5 Prozent, gefolgt von dem bisherigen Gemeinschaftsunternehmen Sony BMG, das ganz von dem japanischen Konzern übernommen wird (25,3 Prozent). Warner Music legte etwas auf 21,4 Prozent zu und der Marktanteil des britischen EMI-Konzerns schrumpfte leicht auf 9 Prozent.

Die Branche hofft neben dem Internet- Vertrieb nun mehr auf Einnahmen aus dem Konzertgeschäft und dem Verkauf von Fanartikeln sowie neue Erlösquellen wie Werbeeinnahmen von Video-Websites. (APA/dpa)

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