Handwerker

1. Jänner 2009, 18:39
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Die Faszination des Skispringens liegt nicht im Wettbewerb

Die Vierschanzentournee ist die Zukunft des Fernsehens. Die Übertragungen beweisen, zu welcher dramatischen Handlung eine einzige stereotyp wiederholte Bewegung ausgebaut werden kann. Die Faszination liegt jedoch nicht im Wettbewerb, sondern in der handwerklichen Hingabe der Skispringer.
Spitzensport sei eine Musterwerkstatt des Kapitalismus, sagen sie. Wettbewerb bringe in jedem Mitbewerber das Beste heraus, und zwar für sich und die Gemeinschaft. Doch sie übersehen, dass stumpfsinnige Tätigkeiten (Fließband) und demotivierende Umstände (New Economy) viele Mitarbeiter in die innere Emigration treiben. Auch durch den Zusammenbruch der Verbindung von Belohnung und harter Arbeit , während das Einkommen des Spitzenmanagements explodiert.

Der Spitzensportler hält eher die alte, unterschätzte Tradition des Handwerkers aufrecht, der den Kern des untergegangenen Mittelstandes bildete.
Der Philosoph Platon schätzte handwerkliche Fähigkeiten (poiein, Wurzel des Wortes Poesie, heißt machen) als Schöpfungsakt der Gemeinschaft.
Der Handwerker pflegt eine persönliche Beziehung zu seinem Werk. Er findet neue Probleme und neue Lösungen, entwickelt sich und sein Werk stets weiter.
Die Sprache vermittelt Werk und Fähigkeiten des Handwerks nur unzureichend - es braucht Bilder. Die Übertragung der Vierschanzentournee stillt in den Tagen des Klimbim den Hunger nach dem guten Werk. Die Medien-Dramaturgie und ihr chauvinistischer Ton sind bloß eitles Engelshaar. (Johann Skocek, DER STANDARD Printausgabe, Freitag, 2. Jänner 2009)

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