Preis der Feindschaft

1. Jänner 2009, 18:04
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Vor drei Jahren schon hat Gasprom deutlich gemacht, wer am Drücker sitzt - Von Günther Strobl

Auf Gasprom ist Verlass. Der Gasmonopolist von Kremls Gnaden hat der Ukraine, wie angedroht, das Gas abgedreht. Weil die Ukraine zwar Teile der Schulden, nicht aber die gesamten Außenstände von umgerechnet rund 1,8 Milliarden Euro inklusive Bußgeld überwiesen hat. Und weil sich Moskau und Kiew noch immer nicht über den Preis künftiger Gaslieferungen einigen konnten.

Dieses Tauziehen zwischen Russland und der Ukraine ist nicht neu. Vor drei Jahren schon hat Gasprom deutlich gemacht, wer am Drücker sitzt. Seitdem hat sich dieses Spiel, das leider kein besonders lustiges ist, zu Beginn jeden neuen Jahres wiederholt. Die Ukrainer haben jedes Mal mit den Zähnen geknirscht - und schließlich nachgegeben. Das wird diesmal nicht anders sein. Möglich, dass der Konflikt sich länger hinzieht als andere Jahre. Die Ukraine sitzt in diesem Winter auf deutlich höheren Gasreserven als in vergangenen Wintern - wegen der Wirtschaftskrise, aber auch wegen der milden Temperaturen im Herbst. Somit kann Kiew dem Gasboykott durch Russland theoretisch länger standhalten, ohne sich den Zorn der Europäischen Union wegen des Abzweigens von Gas aus den Transitleitungen zuzuziehen.

Russland, das die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise immer stärker zu spüren bekommt, wird jedenfalls auf höheren Preisen bestehen. Mit der politischen Ausrichtung Kiews ist Moskau schon lange nicht mehr einverstanden. Höhere Preise für ukrainisches Gas, das muss wohl auch unter diesem Gesichtspunkt gesehen werden.  (Günther Strobl, DER STANDARD, Printausgabe, 2.1.2009)

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