Fluggastschwund trifft Airlines hart

1. Jänner 2009, 17:58
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Der Branchenverband IATA rechnet 2009 erstmals seit dem Terror­jahr 2001 mit einem Rückgang bei den weltweit beförderten Fluggästen

Frankfurt/Main - Die Luftfahrtbranche fliegt in schweren Turbulenzen. Der Branchenverband IATA rechnet damit, dass die Fluggesellschaften im Jahr 2009 weltweit 2,5 Milliarden Dollar (1,9 Mrd. Euro) Verlust machen, 2008 sind es voraussichtlich sogar fünf Milliarden Dollar. Erstmals seit dem Terrorjahr 2001 dürften die Passagierzahlen 2009 zurückgehen, und zwar um drei Prozent. "Das wird ein Ausnahmejahr, ein Ausreißer nach unten", sagte der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Abbau von Kapazitäten

Die Fluggesellschaften bemühen sich derzeit, die Kapazitäten herunterzufahren. Die Lufthansa, die vor Weihnachten den Zuschlag für die Übernahme der angeschlagenen AUA erhalten hat, stellte vier ältere Airbus vom Typ A300-600 ab und kündigte an, auf die weitere Marktentwicklung flexibel reagieren zu wollen. British Airways hat den Winterflugplan um gut sechs Prozent gekappt. Die Fluggesellschaft Air France-KLM hat ein neues Sparprogramm aufgelegt.

Die führenden europäischen Fluggesellschaften dürften es wegen ihres hohen Anteils an Geschäftsreisenden in der Rezession schwerer haben als die Ferien- und Billigflieger, sagte Analyst Pieper. Er sieht sogar ein geringes Risiko, dass die Lufthansa in die roten Zahlen rutschen könnte. Wahrscheinlich könnten die beiden Branchenführer Verluste aber vermeiden.

British Airways stehe einen Tick schlechter da: Sie sei weniger ertragsstark und werde stärker von der erwarteten Flaute im Nordatlantikgeschäft getroffen. Die IATA befürchtet, dass die europäischen Fluggesellschaften insgesamt eine Milliarde Dollar Verlust einfliegen werden.

Für die Verbraucher könnte die Krise einen positiven Nebeneffekt in Form billigerer Flugtickets haben. "Die Preise kommen unter Druck", glaubt Pieper. Da die Gesellschaften ihre Kapazitäten nicht so schnell herunterfahren könnten wie die Nachfrage einbreche, sinke die Auslastung der Maschinen. Der derzeit niedrige Ölpreis tue ein übriges.

In der Krise dürfte die Konsolidierung der Branche munter weitergehen. Lufthansa wird sich noch im Jänner British Midland einverleiben. Das französisch-niederländische Gespann Air France-KLM hat derzeit die besten Karten bei der Alitalia. British Airways verhandelt noch mit der spanischen Iberia über einen Zusammenschluss, Fusionsgespräche mit der australischen Qantas sind kürzlich gescheitert. Fragezeichen gibt es auch rings um SAS. Einige Experten glauben, dass die skandinavische Airline das Jahresende 2009 nicht mehr als eigenständiges Unternehmen erleben wird.

Flugzeughersteller bremsen

Nach einem erneut sehr guten Jahr 2008 mit insgesamt mehr als 1400 Bestellungen weht auch den Flugzeugbauern Airbus und Boeing ein eisiger Wind ins Gesicht. China hat die staatlichen Fluggesellschaften angewiesen, Bestellungen von Passagierjets mit Auslieferungstermin 2009 zu stornieren oder zu verschieben. Allein Airbus hat insgesamt 430 Orders aus China in den Büchern stehen.

Airbus hat aber bereits beschlossen, die Produktion nicht in dem Maß zu steigern wie zunächst geplant. Von den Jets der A320-Familie sollen ab 2009 monatlich 36 Stück zusammengebaut werden, derzeit sind es 34. Die ursprüngliche Planung sah einen Anstieg auf 40 Maschinen vor. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.1.2009)

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    Der Wirtschaftsabschwung bremst auch die Reiselust. Der Branchenverband IATA rechnet mit drei Prozent weniger Passagieren.

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