Anschlag nach "historischem Sieg"

2. Jänner 2009, 17:45
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Regierungstruppen nehmen Rebellenhochburg Kilinochchi ein, nur wenig später sprengte sich ein Attentäter in der Hauptstadt in die Luft.

Die Regierungstruppen in Sri Lanka haben am Freitag die Rebellenhochburg Kilinochchi eingenommen - das wichtigste Ziel der laufenden Armeeoffensive. Nur wenig später sprengte sich ein Attentäter in der Hauptstadt in die Luft.

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Colombo - Den Erfolg der Armee verkündete der Präsident Sri Lankas in einer landesweit übertragenen Fernsehansprache: Die Truppen hätten die Rebellenhochburg Kilinochchi im Norden des Landes am Freitag erobert, teilte Mahinda Rajapaksa via Fernsehen mit. Die Rebellengruppe "Befreiungstiger von Tamil Eelam" (LTTE) solle ihre Waffen niederlegen und endgültig kapitulieren. Nur wenige Minuten später ging vor dem Hauptquartier der Luftwaffe in der Hauptstadt Colombo eine Bombe hoch. Das Verteidigungsministerium sprach von einem Selbstmordanschlag. Mindestens drei Menschen starben.

"Unsere tapferen und heroischen Truppen haben Kilinochchi vollständig eingenommen, das als wichtigste Bastion der LTTE galt" , sagte der Präsident. "Zum letzten Mal fordere ich die LTTE auf, die Waffen niederzulegen und sich zu ergeben." Der Sprecher der Regierungspartei, Maithripala Sirisena sprach von einem "historischen Sieg" der Soldaten.
Die Eroberung des Rebellen-Hauptquartiers Kilinochchi war das wichtigste Ziel der längsten und umfangreichsten Armeeoffensive in Sri Lanka. In der Hauptstadt feierten die Menschen den Erfolg der Armee. Sie entzündeten Feuerwerkskörper, schwenkten sri-lankische Flaggen und tanzten auf den Straßen.

Die Rebellen kommentierten die Berichte vorerst nicht. Sie hatten allerdings schon zuvor angekündigt, dass sie ihren Kampf auch fortsetzen würden, wenn ihre Hauptstadt Kilinochchi tatsächlich an die Regierungstruppen fallen würde. Der LTTE-nahe Internetdienst TamilNet bestätigte die Einnahme der rund 300 Kilometer nördlich von Colombo gelegenen Stadt durch das Militär und berichtete, die Rebellen hätten "erheblichen Widerstand" geleistet.

Für den Anschlag in Colombo machten Armee und Polizei die Rebellen verantwortlich. Nach Angaben eines Armeesprechers wurden mindestens 35 Menschen verletzt, als sich eine Attentäterin vor einer Luftwaffenbasis in die Luft sprengte. Bei den Opfern handelt es sich den Angaben zufolge um Angehörige der Luftwaffe sowie Zivilisten. Auch dazu äußerten sich die Rebellen nicht.

Nach Einschätzung von Beobachtern hat Kilinochchi für die Rebellen vor allem großen symbolischen Wert. Die LTTE nutzten die Stadt seit zehn Jahren als Hauptquartier und schufen dort erste Strukturen eines angestrebten unabhängigen Staates: Polizei, Gerichte und Steuerbüros. TamilNet berichtete allerdings, die LTTE hätten ihr Hauptquartier schon vor einiger Zeit weiter nach Nordosten verlegt.

Die Streitkräfte nahmen die Stadt bereits 1996 von den Rebellen ein, mussten die Kontrolle nach einer Gegenoffensive aber zwei Jahre später wieder abgeben. Die Regierung hatte in den vergangenen Wochen wiederholt angekündigt, die Rückeroberung stehe kurz bevor. (AP, AFP, dpa, red/DER STANDARD, Printausgabe, 3./4.1.2009)

  • Sicherheitskräfte untersuchen den Anschlagsort in der Hauptstadt Sri
Lankas. Mindestens drei Menschen wurden bei dem Selbstmordattentat
getötet und 35 weitere verletzt.
    foto: epa

    Sicherheitskräfte untersuchen den Anschlagsort in der Hauptstadt Sri Lankas. Mindestens drei Menschen wurden bei dem Selbstmordattentat getötet und 35 weitere verletzt.

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