Am ersten Ersten der erste Erste

1. Jänner 2009, 16:51
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Wolfgang Loitzl schafft bei Neujahrsspringen in Garmisch ersten Sieg im Weltcup und übernimmt Gesamtführung in der Tournee vor Ammann

Das Ja der Steffi aus Oberhofen zum öffentlichen Heiratsantrag ihres Martin aus München war die einzige Vorentscheidung beim Neujahrsspringen vor gut 26.000 Zusehern und -hörern an der Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen. Die 57. Vierschanzentournee ist nämlich nach dem zweiten Springen spannend wie selten. Und sie hat jetzt schon eine nette Geschichte. Wolfgang Loitzl landete im 223. Versuch seinen ersten Weltcupsieg. Und der Steirer aus dem Landes-Krankenhaus Bad Ischl, wohnhaft in Bad Mitterndorf und Familienvater, tat es in der ihm eigenen Eleganz.

Eigentlich war nach dem ersten Wertungsdurchgang alles für einen neuerlichen Triumph von Simon Ammann angerichtet. Der 27-jährige Schweizer hatte am Mittwoch nach eher durchwachsenem Training listig die Qualifikation ausgelassen, wohl wissend, dass er tags darauf, im K.o.-Duell des ersten Durchganges deren Dominator, Gregor Schlierenzauer, einiges vorzulegen haben würde.

Der Tiroler, im Vorjahr erster Weltcupsieger und seither mit 141 Metern Rekordhalter auf dem neuen Bakken in Partenkirchen, in Training und Quali Welten vor der Konkurrenz, saß also oben auf dem Turm, als Ammann unten im Auslauf seinen Satz auf 140 Meter setzte. Das dürfte dem 18-Jährigen den Nerv gezogen haben. Schlierenzauer landete jedenfalls schon bei desillusionierenden 134 Metern. Ammann ging mit Respektabstand von 7,4 Punkten vor Loitzl, dessen 134,5 Meter mit hohen Noten (einmal 20) geadelt worden waren, in die Entscheidung.

In der betrieb Schlierenzauer zunächst Schadensbegrenzung und rückte auf Rang vier vor. Loitzl erwischte es aber noch besser, segelte auf 136,5 Meter. An Flug und Landung war rein gar nichts auszusetzen, vier der fünf Sprungrichter entschieden sich daher für die Note 20, lediglich der Tscheche Václav Kraml mochte nur 19,5 geben. Jetzt war es an Ammann, dem laut Anton Innauer abgezockten Hund, den Sack zu schließen. Das gelang aber nur weitenmäßig. Die 134,5 Meter hätten locker genügt, hätte er nicht in der ersten Flugphase und dann im Aufsprung gewackelt.

Das Urteil der Punkterichter ließ den Wuff, wie sie Loitzl nennen, im Auslauf quasi ordentlich Laut geben. "Das ist wie Ostern und Weihnachten an einem Tag" , sagte der viermalige Mannschaftsweltmeister, der es so ganz auf sich allein gestellt bis gestern nur auf sechs zweite Plätze gebracht hatte. "Ich habe gewusst, dass der Simi Schwächen zeigen muss, wenn es sich für mich noch ausgehen soll."
Jedenfalls sei der Sieg als Kampfansage an Ammann zu verstehen, dem vor dem dritten Springen am Sonntag und in Innsbruck nur 0,5 Punkte auf Loitzl fehlen. Der Schweizer nahm sie munter hin: "Der Wuff hat das souverän hinbekommen. Ich bin zufrieden, das ist eine gute Ausgangsposition."
Erträglich lässt sich Schlierenzauers Ausgangsposition vor seinem Heimspringen nennen. 23,8 Punkte Rückstand sind für den Dritten keine Vorentscheidung wie Steffis Ja auf Martins Frage.

Wolfgang Loitzl war fällig, also gewann der Steirer zu Neujahr sein erstes Weltcupskispringen. Eigene Eleganz und ein Wackler von Simon Ammann bescherten dem28-Jährigen die Führung in der 57. Vierschanzentournee. (Sigi Lützow aus Garmisch-Partenkirchen, DER STANDARD Printausgabe, Freitag 2. Jänner 2009)

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    Emotionale Minuten für Wolfgang Loitzl, dem die Kollegen Morgenstern (li) und Schlierenzauer (re) den ersten Sieg vollauf gönnten.

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