Nordkorea will 2009 Militär stärken und atomar abrüsten

1. Jänner 2009, 13:00
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Offene Kritik an USA - Südkorea wird Politik der Konfrontation vorgeworfen

Seoul - Das kommunistische Nordkorea will im neuen Jahr seine militärische Abschreckung verstärken und seiner maroden Wirtschaft auf die Beine helfen. In einem gemeinsamen Leitartikel der staatlich kontrollierten Zeitungen zum Neujahrstag wurde zugleich die Absicht bekräftigt, am Ziel einer nuklearwaffenfreien koreanischen Halbinsel festzuhalten.

Kritik an Südkorea und USA

Der Regierung Südkoreas warf Nordkorea erneut vor, eine Politik der Konfrontation zu verfolgen. Südkorea will dagegen das Nachbarland mit wirtschaftlichen Anreizen zur Wiederaufnahme des abgebrochenen Dialogs bewegen.

Drei Wochen vor dem Antritt des designierten US-Präsidenten Barack Obama unterließen die nordkoreanischen Zeitungen im Gegensatz zum Neujahrsartikel des Vorjahres offene Kritik an den USA. In Südkorea wurde dies als Zeichen verstanden, dass Pjöngjang das Verhältnis zu Washington verbessern will. Allerdings sind die internationalen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms zuletzt in eine Sackgasse geraten. Grund sind Differenzen wegen der Überprüfung der nordkoreanischen Angaben zum Atomprogramm.

"Militär-Zuerst"

Nordkorea bekräftigte am Donnerstag wie schon im Vorjahr die von Machthaber Kim Jong Il ausgegebene "Militär-Zuerst"-Doktrin. "Wir müssen weiter die größten Anstrengungen unternehmen, die militärische Stärke des Landes im Einklang mit den Anforderungen der jetzigen Situation und der Entwicklung der Revolution auszubauen." Zurzeit sei jedoch die Überwindung des Nahrungsmittelmangels ein "drängendes Problem". Eine wichtige Aufgabe sei es zudem, das hohe Ziel bezüglich der Produktion in sämtlichen Bereichen der Wirtschaft zu übertreffen.

Südkorea werde Aufbauhilfe für den Nachbarstaat gewähren, wenn Pjöngjang die Gespräche wieder aufnehme, sagte der südkoreanische Vereinigungsminister Kim Ha Joong am Mittwoch. Solange Nordkorea jedoch seine Haltung nicht ändere, werde sich auch an der jetzigen Situation nichts ändern. Die Beziehungen zwischen beiden Ländern haben sich seit dem Antritt einer konservativen Regierung in Seoul im Februar deutlich verschlechtert, die eine härtere Gangart gegenüber Pjöngjang als die liberale Vorgängerregierung vertritt.

Nordkorea wird nach Einschätzung südkoreanischer Experten im Sommer 2009 eine neue Oberste Volksversammlung wählen lassen. Damit solle zugleich das Land auf die Zeit nach der Herrschaft von Machthaber Kim Jong Il vorbereitet werden, hieß es in einem Bericht des Instituts für Sicherheitsstrategie. Das Institut ist die Forschungseinrichtung des südkoreanischen Geheimdienstes. In Nordkorea würden vermutlich zahlreiche ältere Parlamentsabgeordnete abtreten und durch jüngere Leute ersetzt, die zur "wirtschaftlichen Elite" zählten, hieß es. (APA/dpa)

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