678 Verkehrstote im vergangenen Jahr

1. Jänner 2009, 15:42
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Laut Innenministerin die niedrigste Zahl seit Beginn der Aufzeichnungen - Trotzdem noch vom Ziel für 2010 entfernt

678 Verkehrstote im Jahr 2008 - das bedeutet wieder einen historischen Tiefststand. Seit Beginn der Aufzeichnungen des Innenministeriums im Jahr 1950 waren im Vorjahr die wenigsten Unfallopfer zu beklagen, gab Innenministerin Maria Fekter (V) am Neujahrstag bekannt. 2007 gab es nach endgültigen Zahlen 691 (rpt. 691) Verkehrstote. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang von 13 tödlich verunglückten Menschen. Somit ist die Zahl der Verkehrstoten in Österreich im Jahresvergleich seit 1999 bereits zum neunten Mal in Folge gesunken.

2010 nur mehr 500

Aber dennoch, die Zahl liegt immer noch deutlich über dem Zielpfad für das Verkehrssicherheitsziel 2010. Auch wenn die österreichische Unfallstatistik für den Straßenverkehr seit Jahren rückläufig ist, sinkt die Zahl der Toten aber zu langsam: Im Verkehrssicherheitsprogramm wurde beschlossen, dass die Zahl der tödlichen Unfälle bis 2010 auf rund 500 gesenkt werden soll, wofür auch jährliche Etappenziele festgelegt wurden. Diese versäumt Österreich seither regelmäßig.

Das schwärzeste Jahr in der Unfallstatistik mit 2.948 Toten war das Jahr 1972. Vor neun Jahren, im Jahr 1999, gab es in Österreich noch mehr als 1.000 Tote (1.079) im Straßenverkehr. Der Rückgang seit damals beträgt mit 37 Prozent mehr als ein Drittel. Das Zwischenziel für das Verkehrssicherheitsprogramms 2002 bis 2010 (Ausgangsbasis 1.006 Getötete; minus 50 Prozent bis 2010) zeigt derzeit ein Minus von knapp 33 Prozent.

Fekter für Prävention

Für Innenministerin Maria Fekter ist die Bilanz der Verkehrsstatistik ein Auftrag, die erfolgreiche Arbeit fortzusetzen. "Neben einer verstärkten sichtbaren Präsenz der Exekutive an unfallträchtigen Strecken oder Straßenstellen werden wir unsere strategische und zielgerichtete Verkehrsüberwachung und Verkehrskontrolle auch künftig an die aktuellen Entwicklungen und Erfordernisse anpassen und auch im kommenden Jahr weiter intensivieren und verstärken", sagte die Ressortchefin.

Kritik gab es nach der Veröffentlichung der Zahl der Verkehrstoten vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ) und dem ÖAMTC. "Österreich hat das Verkehrssicherheitsziel von weniger als 577 Verkehrstoten leider klar verfehlt", betonte der VCÖ. Die Organisation forderte ein Verkehrssicherheitspaket mit einer Erweiterung des Vormerksystems. Der ÖAMTC regt eine gezielte Unfallursachenforschung an.

Detaillierte Zahlen

Die Zahlen von 2008 im Detail: 628 der Unfälle auf Österreichs Straßen verliefen tödlich. Nach Bundesländern aufgeschlüsselt gab es im Burgenland 29 Verkehrstote (2007: 33), in Kärnten 57 (58), in Niederösterreich 174 (192), in Oberösterreich 139 (147), in Salzburg 47 (46), in der Steiermark 107 (115), in Tirol 71 (49), in Vorarlberg 27 (16) und in Wien 27 (35) Tote. Zunahmen gab es vor allem in Tirol (plus 22 Tote) und Vorarlberg (plus elf Tote) sowie in Salzburg (plus ein Toter). Die Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Wien erreichten im abgelaufenen Jahr die bisher geringste Zahl an Verkehrstoten seit 40 Jahren.

Die beiden schwersten Unfälle des Jahres 2008 ereigneten sich im Burgenland und in Niederösterreich. Am 17. Jänner verunglückten auf der A6 bei Potzneusiedl im Burgenland bei einer Kollision auf dem Pannenstreifen mit einem Lkw, der Ladegut verloren hatte, vier polnische Pkw-Insassen tödlich und in NÖ kamen am 23. Dezember bei einem Frontalzusammenstoß zweier Pkw bei Petronell-Carnuntum auf der B9 ebenfalls vier Insassen ums Leben.

Mehr als die Hälfte der Verkehrstoten, nämlich 358, waren Pkw-Insassen, 29 Lkw-Insassen (davon 23 in einem Klein-Lkw), 93 Motorrad-Fahrer (davon ein Quad und ein Trike), zwei Autobus-Insassen, 24 Moped-Fahrer (davon ein Quad), 62 Radfahrer, 103 Fußgänger und sieben sonstige Beteiligte wie sechs im Traktor und einer im Microcar). Zurückgegangen gegenüber dem Vorjahr sind die getöteten Pkw-Insassen, die getöteten Motorradfahrer (seit 1992 bewegt sich diese Zahl zwischen 84 und 112) und geringfügig die tödlich verunglückten Fußgänger. Fast zwei Drittel (63 von 103) der getöteten Fußgänger war über 60 Jahre alt, davon 24 (fast ein Viertel) sogar über 80 Jahre. Stark angestiegen ist die Anzahl der der getöteten Radfahrer von 37 im Jahr 2007 auf 62. Acht Radfahrer verunglückten auf Radwegen, Radfahrstreifen bzw. Mehrzweckstreifen, vier weitere Radfahrer kamen auf gekennzeichneten Radfahrüberfahrten im Kreuzungsbereich zu Tode.

Die Hauptunfallursache war mit 34,9 Prozent nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit sowie Vorrangverletzung (14,2 Prozent), Unachtsamkeit/Ablenkung (11,2 Prozent), Überholen (9,4 Prozent), Fehlverhalten von Fußgängern (sieben Prozent), Übermüdung (4,3 Prozent) und Herz-/Kreislaufversagen (2,1 Prozent). Alkoholisierung war bei sieben Prozent der tödlichen Unfälle Schuld (im Jahr 2007: 7,3 Prozent), 48 Menschen kamen dabei ums Leben.

Die Zahl der getöteten Kinder unter 14 Jahren ist neuerlich zurückgegangen. Elf Kinder im Alter von 0 bis 14 Jahren kamen im Straßenverkehr im Jahr 2008 ums Leben, die meisten davon (fünf) als Pkw-Insassen (davon drei trotz verwendeter Kindersitzsicherung), als Fußgänger (drei), als Lkw-Insasse (zwei) und als Bus-Insasse (eines). Im Jahr 2007 verunglückten 13 und im Jahr 2006 23 Kinder tödlich. Vier tödliche Verkehrsunfälle ereigneten sich auf dem Schulweg.

Fußgänger und Bahnkreuzungen

23 Fußgänger kamen im Vorjahr im Bereich von Schutzwegen ums Leben, davon zwei als sogenannte "Rotgeher" bei Lichtsignalanlagen. Neun Tote mussten im abgelaufenen Jahr in Straßentunneln beklagt werden (2007: vier), davon sieben im hochrangigen Straßennetz wie Autobahnen und Schnellstraßen.

Nach dem enormen Anstieg der tödlichen Unfälle auf Eisenbahnkreuzungsanlagen im Vorjahr (29 Getötete) ist die Zahl im Jahr 2008 auf knapp die Hälfte (15 Getötete) gesunken und sogar unter das Niveau der Jahre davor gefallen. 13 der 15 Getöteten auf Bahnübergängen kamen bei Kollisionen mit Eisenbahnen auf Gemeindestraßen oder Güterwegen ums Leben. Der weitaus überwiegende Anteil der Eisenbahnunfälle (zwölf Getötete) ereignet sich auf unbeschrankten Kreuzungsanlagen. Bei Verkehrsunfällen mit Geisterfahrern kamen im Vorjahr zwei Menschen ums Leben (2007 war es einer).

75 Verkehrstote mussten auf Autobahnen und sechs auf Schnellstraßen verzeichnet werden, diese Zahlen liegen etwa auf dem Niveau des Vorjahres und bedeuten einen Anteil von zwölf Prozent an allen Verkehrstoten. Der Großteil der tödlichen Unfälle ereignete sich auf Bundesstraßen (292 Getötete), Landesstraßen (172) und Gemeindestraßen (94) sowie auf Güterwegen (21) und Sonstigen (18). (APA)

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