Israel gibt sich für Bodenoffensive gerüstet

1. Jänner 2009, 20:42
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Die israelische Luftwaffe flog den sechsten Tag in Folge Luftangriffe gegen mutmaßliche Hamas-Einrichtungen - Nach Umfragen stärkt der Krieg Verteidigungsminister Ehud Barak und Außenministerin Livni - Hamas gibt sich kampfbereit - Mit Video

Israelische Panzer-, Infanterie- und Pioniereinheiten, verstärkt durch tausende Reservisten, warteten am Donnerstag im militärischen Sperrgebiet an der Grenze zum Gazastreifen auf den Befehl zum Vormarsch, während die internationale Diplomatie weiter versuchte, die Bodenoffensive abzuwenden. Einen französischen Vorschlag für eine 48-stündige Feuerpause hatte Israels Sicherheitskabinett verworfen. Wenn die Hamas weiterhin imstande sei, Raketen abzuschießen, seien die Bedingungen für einen Abbruch der Operation „noch nicht reif", sagte Premier Ehud Olmert.

Hamas-Führer Ismail Haniye wiederum signalisierte in einer kämpferischen Fernsehansprache, dass die Islamisten für eine israelische Invasion gerüstet seien: „Das ist ein Erlösungskrieg, und sein Ergebnis wird mit Allahs Hilfe ein sicherer Sieg sein", sagte Hanye.

Mehr Raketen erwartet

Donnerstagfrüh griff Israel aus der Luft rund 25 Hamas-Einrichtungen an, darunter Regierungsgebäude und unterirdische Tunnelsysteme. Dabei wurde nach palästinensischen Angaben eine Frau getötet. Bei einem Luftangriff am Nachmittag starb der radikale Hamas-Führer Nisar Rajan und sechs weitere Menschen, darunter auch einige seiner Angehörigen. Nach unterschiedlichen Zählungen starben seit Samstag zwischen 320 und 400 Palästinenser bei israelischen Angriffen. Der Hamas gelang es weiterhin, auch Raketen mit großer Reichweite abzuschießen. So wurde die Gegend der 40 Kilometer entfernten Großstadt Beer-Scheva seit Mittwoch neunmal getroffen. Insgesamt hatte die Hamas am Mittwoch rund 60 Geschoße abgefeuert. Israelische Experten sehen darin ein Zeichen dafür, dass die Hamas angeschlagen sei, denn die Armee war davon ausgegangen, dass das Hinterland in der ersten Phase täglich etwa 200 Einschläge hinzunehmen haben würde.

Unklar blieb, inwieweit das Wetter die Entscheidung zu einer Bodenoffensive beeinflussen könnte. Durch Regen war das Gelände schlammig geworden, was Israels schwere gepanzerte Fahrzeuge zwingen würde, auf den Straßen zu bleiben. Dadurch wären sie für Sprengstofffallen und andere von der Hamas angekündigte „Überraschungen" verwundbarer.
Einer Umfrage der Tageszeitung Ha'aretz zufolge sind 52 Prozent der Israelis für eine Fortsetzung der Luftangriffe, 19 Prozent für die Ausweitung zu einer Bodenoffensive, während nur 20 Prozent einen sofortigen Waffenstillstand befürworten. Das Mitte-links-Lager um Außenministerin Zipi Livni und Verteidigungsminister Ehud Barak hat durch die Kämpfe an Popularität gewonnen und mit der Rechtsopposition gleichgezogen. (Ben Segenreich aus Tel Aviv/ DER STANDARD Printausgabe, 2.1.2009)

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    Israelische Soldaten feuern inzwischen auch vom Boden aus auf Ziele im Gazastreifen.

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    Israelische Soldaten warten auf ihren Einsatz.

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