64 Tote bei Discobrand

5. Jänner 2009, 15:18
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Über 200 Verletzte bei Silvesterfeier - Auch Österreicher waren auf der Party - Brand wahrscheinlich durch Feuerwerk verursacht - Mit Video

Bangkok - Die Zahl der Toten nach dem Discobrand in Bangkok ist auf 64 gestiegen, wie die Polizei am Montag mitteilte. Das Feuer wütete in der Silvesternacht im Club "Santika" durch zwei Stockwerke. Auslöser war nach Polizeiangaben vermutlich ein Feuerwerk auf der Bühne. Weil es nur einen Eingang gab, kam es zu einer Panik. Ein Geschwisterpaar aus Oberösterreich hatte sich vor den Flammen in Sicherheit bringen können.

Die thailändischen Behörden wollen nun den Besitzer des Clubs anklagen. Die Polizei kündigte am Freitag an, der Mann werde vor Gericht gestellt, weil er junge Leute unter 20 Jahren in den populären Club Santika gelassen habe.

Überlebende des Infernos berichteten, der Brand sei während eines Feuerwerks im zweiten Stock des Clubs ausgebrochen. In panischer Angst hätten viele der etwa 1.000 Gäste versucht, sich vor den Flammen in Sicherheit zu bringen. Etliche seien erstickt oder zu Tode getrampelt worden. Nach Erkenntnissen der Polizei hat der Nachtclub nur einen Eingang und keinen Notausgang. Außerdem sei nur ein Feuerlöscher vorhanden gewesen.

Eine Zeitung in Bangkok berichtete unter Hinweis auf eine nicht näher bezeichnete Quelle bei der Polizei, der Club habe nur eine Genehmigung als Restaurant und hätte um Mitternacht schließen müssen. Die Polizei habe davon gewusst, doch hätten die zuständigen Behörden ein Eingreifen der Ordnungshüter unterbunden. Viele Opfer seien bis zur Unkenntlichkeit verbrannt, berichteten thailändische Medien. Der thailändische Premierminister Abhisit Vejjajiva besuchte den Unglücksort und kündigte Hilfen für die Überlebenden des Infernos an.

Österreicher entkamen

Ein österreichisches Geschwisterpaar entkam der Flammenhölle in Bangkok: Nicole Traun-Müller feierte gerade mit ihrem Bruder und Freunden in dem Santika-Club, als das Feuer ausbrach. Vor dem Brand war die Feier in dem beliebten Club ausgelassen gewesen. "Es war der letzte Abend, der Club sollte am nächsten Tag geschlossen werden", sagte Traun-Müller. Entsprechend viele Gäste seien auch in dem Lokal gewesen. Kurz nach dem Jahreswechsel um 0.30 Uhr brach dann die Hölle los.

"Eine kleiner Feuerwerkskörper traf die Bühne. Wir dachten, das ist Teil der Show", beschrieb Traun-Müller. Eine halbe Stunde später wurde die Hitze in dem Club aber unerträglich. "Innerhalb von Minuten war das ganze Obergeschoß in Flammen", sagte die junge Frau. Mit Riesen-Glück gelang es ihr, mit ihrem Bruder ins Freie zu gelangen. Die Flucht hätte böse enden können: "Ich wurde auch zur Seite geschubst".

Gerettet

Im Freien stellten die Geschwister fest, dass drei ihrer Freunde noch in dem Club gefangen waren. "Sie waren in einer Toilette im Keller des Clubs eingesperrt", beschrieb Traun-Müller. Doch auch ihre Bekannten konnten sich schließlich retten. "Sie kannten sich in dem Lokal sehr gut aus und ertasteten sich den Weg ins Freie." Vor dem Club ging die Tragödie weiter. Flüchtende Gäste verstopften mit ihren Autos den einzigen Zugang zu der Diskothek. "Dadurch kamen Rettung und Feuerwehr nicht hinein", sagte Traun-Müller.

Rund um das Feuer gibt es am Tag nach der Katastrophe jede Menge Gerüchte. So sei nicht ausgeschlossen, dass der Brand gelegt worden sein könnte. "Es hat in dem Club schon vor zwei Jahren einmal gebrannt", meinte Traun-Müller. Zudem sollte die Disko nach der Silvesterfeier wegen Renovierungsarbeiten geschlossen werden. (APA/dpa/AP)

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