Leidensjahr für globale Umweltinteressen

3. Jänner 2009, 16:06
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Fortschritte beim Klimaschutz und nachhaltigem Wirtschaften waren 2008 kaum zu verzeichnen - Umweltzerstörung schritt dagegen voran

Wien - Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsdebatten bestimmten zwar die öffentliche Diskussion das ganze Jahr hindurch, Fortschritte waren 2008 in wesentlichen Fragen allerdings nur marginal zu verzeichnen. Vielerorts blieben die Rufe zahlreicher Wissenschaftler, endlich wirksame Schritte gegen die fortschreitende Umweltzerstörung zu unternehmen, ungehört.

Enttäuschung über das mangelnde Engagement der großen Industrienationen gab es zuletzt beim Klimagipfel in Poznan. Im kleinen Rahmen scheint sich umweltfreundliches Agieren hingegen eher durchzusetzen. So stieg das Interesse an nachhaltigen Urlaubsreisen deutlich an. Auch bei der Mobilität und im täglichen Leben wird zunehmend ökologischer gedacht. Ob das mit den rasant gestiegenen Preisen zu tun hat oder sich ein echter Gesinnungswandel abzeichnet, bleibt hingegen fraglich.

Ausbeutung der Ozeane

Weiterhin beutet die Menschheit die Ozeane rücksichtslos aus und wirft auf den modernen Raubzügen durch die Weltmeere bis zu 80 Prozent der gefangenen Fische als toten Beifang zurück ins Meer. Experten geben der kommerziellen Fischerei, wie sie heute betrieben wird, ohnehin nicht länger als weitere 50 Jahre. Dass hochtechnisierte Fangflotten auch vor den Küsten der ärmsten Länder der Welt ihre Beute machen, scheint den Großteil der Industriestaaten kaum zu interessieren.

Dieses Thema wird erst an Brisanz gewinnen, wenn sich jährlich hunderttausende Flüchtlinge aus Afrika und Asien Richtung Europa aufmachen, um dort eine neue Zukunft und bessere Lebensbedingungen zu finden. In den südlichen Ländern fordern immer noch Hunger und Krankheit Millionen von Menschenleben.

Doch auch zu Lande herrscht eine kaum bessere Situation: Auch hier steht Profitdenken an vorderster Stelle. Ein schweizerisch-französisches Forscherteam hat anhand eines antarktischen Bohrkerns festgestellt, dass die heutige CO2-Konzentration in der Atmosphäre über 28 Prozent höher liegt als je zuvor in den vergangenen 800.000 Jahren. Auch die Methan-Konzentrationen liegen heute um über 124 Prozent höher als je zuvor. Eine Verbesserung der Lage scheint angesichts des steigenden Verkehrsaufkommens kaum möglich. Das Argument, dass Nachhaltigkeit mehr koste als rücksichtslose Ausbeutung hält sich weiterhin hartnäckig in den meisten Köpfen.

Wirtschaftskrise

Die schlimmste Befürchtung der Umweltschützer ist, dass durch die anhaltende Wirtschaftskrise die Zerstörung der Natur und der Umwelt einmal mehr aus dem Fokus des Weltinteresses rückt. Die weitere Zerstörung von Flüssen, Wäldern und Ozeanen wird die Wirtschaft allerdings drastisch treffen. Nach Schätzungen von Experten wird das globale BIP aus diesen Gründen bis 2050 um rund sieben Prozent schrumpfen. Vor allem die ärmeren Länder werden unter der Situation extrem leiden. Gerade die indigenen Völker dürften von der bevorstehenden Veränderung und obwohl sie den geringsten Beitrag zur Klimaerwärmung liefern am härtesten getroffen werden.

Schwellenländer wie China tragen das dazu bei, dass "klimarelevante Emissionen" exorbitant ansteigen. So hat sich einem Forschungsbericht zufolge der ökologische Fußabdruck im Reich der Mitte seit den 1960er Jahren verdoppelt und beansprucht nun zwei Mal so viel, wie das Ökosystem des Landes nachhaltig gewährleisten kann.

Energieversorgung

Der bis zur Hälfte des Jahres hohe Rohölpreis hat die Debatte um die Energieversorgung der Zukunft einmal mehr in den Mittelpunkt gerückt. Viele Industriestaaten setzen entgegen den Empfehlungen von Umweltexperten auf Agro-Treibstoffe der ersten Generation - etwa Rapsöl oder Getreide. Die Nachfrage nach Palmöl sowohl als Energiepflanze als auch in der Nahrungsmittelindustrie hat gar dazu geführt, dass tropische Regenwaldgebiete zusätzlich gerodet wurden. Experten kritisieren zudem, dass fix vereinbarte Beimengungsquoten zu einer Verschärfung der Situation führen werden. Das gelte vor allem für den Fall, dass Ernten schwächer ausfallen als geplant.

Erstmals wurde in diesem Jahr auch der Einsatz von Biotreibstoffen in kommerziellen Flugzeugen getestet. Experten sehen darin aber keine echte Alternative zu fossilen Treibstoffen. Eine Treibstoffeinsparung sei eher durch verbesserte Technologien erzielbar. Der vielversprechende neue Dreamliner aus dem Hause Boeing - eine echte Innovation im Bezug auf die Rumpffertigung aus Verbundstoffen - konnte trotz Vorankündigung immer noch nicht den Jungfernflug absolvieren.

Ebenso wie in der Baubranche setzt sich hier der Themenbereich "Erhöhung der Energieeffizienz" durch. Im Bereich Autoverkehr dürfte die Zukunft bei den Elektrofahrzeugen liegen. Gründe für den Elektromotor sind der deutlich höhere Wirkungsgrad sowie der geringere Verschleiß. 2008 wird als das Jahr des langsamen Endes des Diesel-Fahrzeugbooms eingehen. Höhere Kosten haben Konsumenten schnell reagieren lassen. Ähnliches manifestiert sich auch bei der Wahl der Heizsysteme in Einfamilienhäusern: Öl-Heizungen nehmen deutlich ab.

Grüner Tourismus

Anfang des Jahres standen alle Zeichen im globalen Tourismus auf grün. Im Lauf des Jahres verschlechterte sich die Situation jedoch deutlich. Einerseits machte der hohe Rohölpreis den Fluggesellschaften zu schaffen, andererseits kündigte sich in der zweiten Jahreshälfte die weltweite Rezession an. Anfangs bewirkte der schwache Dollar noch eine vermehrte Reisetätigkeit in Richtung des Doppelkontinents. Die US-amerikanischen Reiseziele blieben jedoch während der Hochsaison vielfach leer.

Der niedrige US-Dollarkurs verteuerte Urlaubsreisen für die US-Amerikaner außerhalb der Dollar-Zone deutlich, weshalb es zu einem deutlichen Einbruch der Preise in den klassischen Hochburgen wie etwa Las Vegas und Hawaii kam. Politische Unruhen in Thailand und Terroranschläge in Mumbai setzten den beiden beliebten Reisezielen stark zu.

Der Modus des Reisens geht deutlich in Richtung Nachhaltigkeit - das war sowohl bei der ITB-Berlin offensichtlich als auch bei der Verleihung der World Travel Awards, die erstmals auch Auszeichnungen in der Kategorie "Green" vergab. (pte/red)

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    Auch für den Regenwald-Schutz war es kein gutes Jahr. Tausende Quadratkilometer fielen heuer den Holzfällern zum Opfer.

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