Luftangriff auf Islamische Universität und Innenministerium

29. Dezember 2008, 17:15
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Israel mobilisiert Reservisten und droht mit Einmarsch - Islamische Staaten: Hamas zu Waffenruhe mit Israel bereit - USA fordern Hamas zu Waffenruhe auf

Gaza - Am dritten Tag ihrer Angriffe auf den palästinensischen Gaza-Streifen hat die israelische Luftwaffe eine Reihe von Hamas-kontrollierten Gebäuden zerstört. Bei zwei neuen israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben am Montag zwölf Menschen getötet worden. Die Angriffe hätten dem Haus eines Hamas-Aktivisten in Beit Lahiya und einem Auto in Beit Hanun im Norden des Gazastreifens gegolten, berichteten Augenzeugen und Mediziner. Wer in dem Auto saß, blieb zunächst unklar. Bei den israelischen Luftangriffen auf den Gazastreifen wurden seit Samstagfrüh mehr als 340 Menschen getötet.

Unter den Toten waren zahlreiche Zivilisten. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak schloss eine Verhandlungslösung mit der Hamas kategorisch aus. Die palästinensische Regierung von Präsident Mahmoud Abbas erklärte ihrerseits die von den USA forcierten Friedensverhandlungen mit Israel für ausgesetzt. Die Türkei stellte ihre diplomatischen Vermittlungsbemühungen im Nahost-Konflikt ein.

Universität und Innenministerium bombardiert

Israels Luftwaffe hat in der Nacht auf Montag unter anderem auch die Universität und das Innenministerium bombardiert. Kampfflugzeuge beschossen kurz nach Mitternacht das Gelände der Islamischen Universität in Gaza. Augenzeugen berichteten von sechs Angriffen. In dem Gebäude sei ein Feuer ausgebrochen, Rauch sei aufgestiegen. Augenzeugen des Angriffes auf das Gelände der Islamischen Universität berichteten, es habe keine Verletzten gegeben. Auf das Universitätsgelände seien fünf Raketen abgefeuert worden, die hauptsächlich das Gebäude mit dem Universitätslabor zum Ziel gehabt hätten. Die als Hochburg der radikalislamischen Hamas geltende Universität liegt im Zentrum von Gaza-Stadt.

Zudem wurde nach israelischen Medienberichten ein Gebäude in der Nähe des Hauses von Ex-Ministerpräsident Ismail Hanija getroffen. Hanija war nicht zuhause, wie andere Hamas-Führer hält er sich versteckt. Israel beschoss den Küstenstreifen zudem vom Meer aus. Marineschiffe hätten Hamas-Ziele im Hafen von Gaza ins Visier genommen, sagte ein Vertreter der radikal-islamischen Gruppe.

Ban schaltet Nahost-Quartett ein

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon hat wegen der Eskalation der Gewalt im Gazastreifen indessen das Nahost-Quartett eingeschaltet. Ban habe mit den übrigen Partnern der Vermittlungsgruppe telefoniert, teilten die Vereinten Nationen am Sonntag in New York mit. Neben den UN gehören dem Quartett die Europäische Union, die USA und Russland an. Ban habe seinen Aufruf zu einem sofortigen Ende der Gewalt zudem in Gesprächen mit Israels Ministerpräsident Ehud Olmert, Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas, dem ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak, dessen syrischem Kollegen Bashar al-Assad und anderen regionalen Spitzenpolitikern erneuert.

Der UNO-Sicherheitsrat hat nach einer Dringlichkeitssitzung am Wochenende die Wiederherstellung der Waffenruhe gefordert. Er verabschiedete eine Erklärung, was als eine der schwächsten Formen des Eingreifens gilt. Bei den seit Samstag anhaltenden israelischen Angriffen auf das Palästinenser-Gebiet sind mehr als 300 Menschen getötet worden. Nach UNO-Angaben sind darunter auch neun Mitarbeiter von UN-Hilfsorganisationen.

Palästinensische Rakete schlug in Ashkelon ein

Bei einem palästinensischen Raketenangriff ist am Montag in der israelischen Stadt Ashkelon mindestens ein Mensch getötet worden. Bürgermeister Beni Vaknin sagte dem israelischen Rundfunk, mindestens sieben weitere Menschen hätten Verletzungen erlitten. Vaknin, der sich an Ort und Stelle aufhielt, sagte dem Sender, eine Grad-Rakete sei auf einer Baustelle in der Küstenstadt nördlich des Gaza-Streifens eingeschlagen. Seit den frühen Morgenstunden feuerten militante Palästinenser vier Raketen in das israelische Grenzgebiet.

Islamische Staaten: Hamas zu Waffenruhe mit Israel bereit

Die Palästinenser-Organisation Hamas ist nach Angaben der Organisation Islamischer Staaten (OIC) zu einer neuen Waffenruhe mit Israel bereit. Voraussetzung sei, dass Israel seine Luftangriffe stoppe und die Blockade des Gaza-Streifens beende, teilte der senegalesische OIC-Vorsitz am Montag mit. Im Gegenzug wolle die Hamas die Einhaltung der Waffenruhe auf palästinensischer Seite überwachen. Hamas-Politbürochef Khaled Mashaal habe einem entsprechenden Vorschlag von Staatspräsident Abdoulaye Wade in einem Telefonat zugestimmt, teilte das senegalesische Außenministerium am Montag in Dakar mit.

In einer zweiten Erklärung verurteilte Wade die israelischen Angriffe als inakzeptabel. Als amtierender Präsident der 56 Länder umfassenden OIC verlangte er von Israel, sofort die Luftschläge zu stoppen und von weiteren Angriffen abzusehen. In ihrer gegenwärtigen Gestalt als Forum aller Länder mit islamischer Bevölkerung wurde die OIC 1971 auf Initiative des damaligen Königs Faisal von Saudiarabien gegründet.

USA fordern Hamas zu Waffenstillstand auf

Die USA haben die den Gaza-Streifen regierende Hamas zu einem dauerhaften Waffenstillstand mit Israel aufgefordert. Dies sei die Voraussetzung für ein Ende der Gewalt, sagte der Sprecher von US-Präsident George W. Bush am Montag in Crawford. Die radikal-islamische Hamas müsse den Beschuss Israels mit Raketen beenden und einen Waffenstillstand einhalten. Dies sei das Ziel der USA. Bei den schwersten Kämpfen seit Jahrzehnten im Gaza-Streifen sind bis zum Montag mindestens 313 Menschen durch israelische Luftangriffe getötet worden.

Hamas bittet Vereinigte Emirate um Hilfe

Die Hamas hatte zuvor das Staatsoberhaupt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), den Emir von Abu Dhabi, Scheich Khalifa bin Zayed al-Nahayan, um Hilfe gebeten. Nach einem Bericht der staatlichen VAE-Nachrichtenagentur WAM rief der im syrischen Exil lebende Hamas-Politbürochef Khaled Mashaal den Emir an. Scheich Khalifa habe ihm versprochen, sich auf internationaler Ebene für ein Ende der "Aggression gegen das palästinensische Volk" einzusetzen, hieß es. Außerdem habe er zugesagt, über das UNO-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) Hilfsgüter in den Gaza-Streifen zu schicken.

Mashaal hat am Wochenende die Palästinenser im Westjordanland zu einem Volksaufstand aufgerufen. Er hatte nach arabischen Medienberichten zuletzt auch Geheimverhandlungen in Jordanien geführt, dessen Regierung damit einer Forderung der islamistischen Kräfte im eigenen Land entsprach. (APA/Reuters)

  • Die israelische Luftwaffe setzt ihre Angriffe gegen Ziele im Gaza-Streifen fort.
    foto: getty images

    Die israelische Luftwaffe setzt ihre Angriffe gegen Ziele im Gaza-Streifen fort.

  • Ein in der Nacht auf Montag zerstörtes Hamas-Gebäude in Gaza-Stadt.
    foto: reuters/mohammed salem

    Ein in der Nacht auf Montag zerstörtes Hamas-Gebäude in Gaza-Stadt.

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