derStandard.atInlandJugend & Politik

28.12.2008 18:34

Die Fünf-mal-Fünf der Jugendpolitik
Was macht junge Politik aus? DER STANDARD erkundigte sich beim Nachwuchs der Parteien

Irini Tzaferis (22), Vorsitzende der Sozialistischen Jugend Wien-Landstraße:

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Was können junge Politiker besser als alte? Und fühlen Sie sich politisch ernst genommen?

Junge Menschen können eher die Lebensrealität von Jugendlichen nachempfinden. Dass man eine Sache, egal wie lange man sie macht, lange falsch machen kann, trifft auf alle Politiker zu. Ich fühle ich mich oft nicht ernst genommen - das ärgert mich.

Was ist momentan das wichtigste jugendpolitische Thema?

Man muss das Bildungssystem grundlegend reformieren. Schule sollte ein Lebensraum werden, wo sich junge Menschen ohne Zwang und Leistungsdruck entfalten können. Jugendliche sollten mehr mitbestimmen können, etwa beim Lehrplan.

Was schließen Sie aus den politischen Präferenzen der Jungen bei den letzten Nationalratswahlen?

Es gibt viele soziale Fragen - deren Nichtbeantwortung hat dazu geführt, dass viele junge Menschen rechts gewählt haben. Man muss sich auch intensiv mit dem Thema Integra_tion beschäftigen. Ein eigenes Staatssekretariat hätte dabei sicher geholfen.

Wie kann man Jugendlichen die Partizipation an Politik schmackhaft machen?

Partizipationsmöglichkeiten müssen an die Lebensumstände junger Menschen angepasst werden - und nicht umgekehrt.

Was würden Sie in die Tat umsetzen, wenn Sie einen Tag lang Bundeskanzler wären?

Wenn ich allein etwas verändern könnte, würde ich eine Vermögenssteuer einführen, die gut verdienende Menschen besteuert, und für eine faire Umverteilung sorgen. Außerdem würde ich Schwangerschaftsabbrüche kostenlos und straffrei machen.


Bärbel Stockinger (26), ÖVP-Gemeinderätin in Niederösterreich:

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Was können junge Politiker besser als alte? Und fühlen Sie sich politisch ernst genommen?

Junge Politiker sind offener und gegenüber Neuem aufgeschlossener. In meiner Gemeinde Bad Erlach zeigt sich der Erfolg darin, dass wir vier junge Gemeinderäte stellen und leitende Funktionen übernehmen.

Was ist momentan das wichtigste jugendpolitische Thema?

Aus meiner Sicht gibt es das "wichtigste" Thema nicht, da Jugendpolitik in allen Bereichen eine Rolle spielt.

Was schließen Sie aus den politischen Präferenzen der Jungen bei den letzten Nationalratswahlen?

Viele sprechen von einem "Rechtsruck", den kann ich nicht erkennen. Es ist ein Ruck Richtung Populismus. Ich erwarte mir, dass die Politik künftig junge Menschen ernst nimmt und ihnen auf gleicher Augenhöhe begegnet.

Wie kann man Jugendlichen die Partizipation an Politik schmackhaft machen?

Wir müssen neue Formen der Partizipation entwickeln. Jugendliche wollen sich nicht langfristig an Organisationen binden, sondern sich projektbezogen engagieren. Begleitend zur Wahlaltersenkung muss die politische Bildung verstärkt werden.

Was würden Sie in die Tat umsetzen, wenn Sie einen Tag lang Bundeskanzler wären?

Regionale Projekte unterstützen, um ihnen ein starkes Selbstbewusstsein in einem vereinten Europa zu geben.


Marcus Vetter (21), Ring Freiheitlicher Jugend Wien-Donaustadt:

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Was können junge Politiker besser als alte? Und fühlen Sie sich politisch ernst genommen?

Jungen Politikern fehlt die Erfahrung, die sie aber durch Einsatzbereitschaft und Einfallsreichtum kompensieren. Durch meine Parteifreunde fühle ich mich ernst genommen, ich stelle aber fest, dass das in anderen Parteien nicht üblich ist.

Was ist momentan das wichtigste jugendpolitische Thema?

Das ist eindeutig die drohende Arbeitslosigkeit und die dadurch entstehende Angst, nicht "gebraucht" zu werden.

Was schließen Sie aus den politischen Präferenzen der Jungen bei den letzten Nationalratswahlen?

Dass die FPÖ mit ihrem Weg, die Jugend ernst zu nehmen und nicht nur als Anhängsel zu betrachten, auf dem richtigen Weg ist.

Wie kann man Jugendlichen die Partizipation an Politik schmackhaft machen?

Indem man zu seinem Wort steht und ehrliche und aktive Politik macht. Man sollte zudem vom "Links-rechts-Schubladendenken" abweichen, um echte Lösungen für unsere Heimat zu finden.

Was würden Sie in die Tat umsetzen, wenn Sie einen Tag lang Bundeskanzler wären?

Um wirklich etwas umsetzen zu können, muss man länger als einen Tag Bundeskanzler sein. Mir liegen aber die Sorgen der Jugend (Arbeitslosigkeit, ungezügelter Zuzug) sehr am Herzen.


Julian Schmid (19), Jugendsprecher der Kärntner Grünen:

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Was können junge Politiker besser als alte? Und fühlen Sie sich politisch ernst genommen?

Junge machen Politik aus einer anderen Perspektive. Ich bin in die Politik gegangen, um meiner Generation Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu geben. Dabei fühle ich mich ernst genommen, man muss aber durch größeres Können auffallen als Ältere.

Was ist momentan das wichtigste jugendpolitische Thema?

Die Jugendarbeitslosigkeit muss in Grenzen bleiben, sie ist eine soziale Bombe. Und es bedarf eines besseren Bildungssystems, das wieder Perspektiven gibt und Migrantenkinder integriert. Auch die Verhinderung des Klimawandels sehe ich als Jugendpolitik.

Was schließen Sie aus den politischen Präferenzen der Jungen bei den letzten Nationalratswahlen?

Dass wir Grünen den direkten "Kampf" gegen die Rechten im Parlament aufnehmen müssen. Die Grünen haben im letzten Wahlkampf kaum Alternativen zum Status quo geboten, diese Alternativen müssen wir nun klarmachen.

Wie kann man Jugendlichen die Partizipation an Politik schmackhaft machen?

Indem sie das Gefühl haben, auch tatsächlich etwas verändern zu können. Außerdem sollte es zum Beispiel in der Schule viel mehr Partizipationsmöglichkeiten geben.

Was würden Sie in die Tat umsetzen, wenn Sie einen Tag lang Bundeskanzler wären?

Ich würde endlich eine Spekulationssteuer für Reiche einführen und damit alle prekär Beschäftigten Jungen in die Sozialversicherung nehmen. Und ich würde das Zugfahren gratis machen.


Werner Gold (27), geschäftsführender Obmann des BZÖ Wien:

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Was können junge Politiker besser als alte? Und fühlen Sie sich politisch ernst genommen?

Junge bringen frischen Wind ins System. Man entdeckt aber vor allem bei den Großparteien junge Politiker, die sich kaum von alten unterscheiden. Wenn man Sorgen ernst nimmt und Lösungen anbietet, wird man auch selbst ernst genommen. 

Was ist momentan das wichtigste jugendpolitische Thema?

Eindeutig Bildung und Ausbildung. Schulen und Universitäten müssen praxisorientiert ausbilden. Gerade an den Unis wird der große Fehler begangen, von einem eigenverantwortlichen System zu einem Zwangssystem zurückzukehren.

Was schließen Sie aus den politischen Präferenzen der Jungen bei den letzten Nationalratswahlen?

Junge Menschen lassen sich nicht vorschreiben, was sie für richtig zu halten haben. Die Lagerwähler werden weniger, und jüngere Menschen schauen sich an, wer ihre Interessen am besten vertritt. Sie sind "Programmwähler", nicht Protestwähler.

Wie kann man Jugendlichen die Partizipation an Politik schmackhaft machen?

Durch einen drastischen Stilwechsel im Umgang miteinander und mit der Verantwortung. Grundlegende Veränderungen sind nur erreichbar, wenn sich unsere Generation einmischt und zeigt, wie man es besser macht.

Was würden Sie in die Tat umsetzen, wenn Sie einen Tag lang Bundeskanzler wären?

Ein Tag würde nicht reichen, um die Missstände zu beheben, die die großen Koalitionen der letzten Jahrzehnte zu verantworten haben. (Andrea Heigl und Katharina Weißinger, DER STANDARD, Printausgabe, 29.12.2008)

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Kommentar: Karriere dank Konformismus

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