IAEO-Chefposten - Interview-Nachlese

"Eine Welt, in der es nur noch eine Klasse gibt"

26. Dezember 2008, 17:20
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    foto: reuters

    ZUR PERSON: Abdul Samad Minty (69) ist Vize-Generaldirektor und Experte für Nuklearenergie und Rüstungskontrolle im südafrikanischen Außenministerium. Er vertritt das Land als Botschafter auch im Gouverneursrat der Internationalen  Atomenergiebehörde (IAEO) in Wien.

Abdul Samad Minty über seinen Traum von einer atomwaffenfreien Welt

Standard: IAEO-Chef Mohamed ElBaradei hat fünf Jahre Iran-Verhandlungen als gescheitert erklärt. Laut Experten in Washington könnte der Iran schon 2009 genug hoch angereichertes Uran produzieren, um eine Atombombe bauen zu können. Kann die Staatengemeinschaft so weitermachen wie bisher?

Minty: Es gibt viele Spekulationen darüber, wie weit der Iran von der Fähigkeit entfernt ist, Nuklearwaffen zu bauen. Man muss Uran zu einem sehr viel höheren Grad anreichern. Hinzu kommt der ganze Prozess zum Bau der Waffen. Niemand hat wirkliche Belege, wie lange es dauern wird, aber ich bin mir sicher, dass es eher einige Jahre sind. Wir haben immer wieder gesagt, dass der Iran alle offenen Fragen beantworten muss. Jetzt gibt es eine Art Konfrontation im Sicherheitsrat, was bedauernswert ist. Die sechs Parteien haben dem Iran ein Verhandlungsangebot gemacht, (EU-Chefdiplomat, Anm.) Solana ist damit befasst. Aber der Prozess geht langsam voran. Ich denke, wir müssen sehen, auf was sich die Parteien einigen können.

Standard: Wie könnte ein Kompromiss aussehen?

Minty: Die Streitpunkte, die es über mehrere Jahre gab, sind alle gelöst worden. Was jetzt zu klären bleibt, ist, dass einige IAEO-Mitglieder neue Informationen an die Behörde übergeben haben über eine mögliche Militarisierung des (iranischen, Anm.) Atomprogramms, wie die Entwicklung eines nuklearen Sprengkopfs und so weiter. Das Problem ist, dass die Information unter sehr strengen Auflagen weitergegeben worden ist. Die Behörde darf diese Unterlagen nicht an den Iran weitergeben. Generaldirektor Mohamed ElBaradei hat die Staaten um die Erlaubnis gebeten, dem Iran Kopien davon zu übergeben. Wir hoffen, dass das passiert. Die zweite Hauptfrage ist, ob der Iran seine Anreicherungsaktivitäten (von Uran, Anm.) aussetzt. Es liegt an den Parteien, eine Übereinkunft zu erreichen.

Standard: Ist die Forderung, der Iran solle seine Anreicherungsaktivitäten stoppen, angesichts der Fortschritte Teherans auf diesem Gebiet überhaupt realistisch?

Minty: Die Forderung nach einer Aussetzung sollte nicht wirklich zu Schwierigkeiten führen. Der Atomwaffensperrvertrag (NPT) sieht für alle Mitglieder die Möglichkeit vor, friedliche Nuklearenergie zu nutzen. Iran ist ein Mitglied des NPT. Wenn es eine Forderung nach einem endgültigen Ende (der Anreicherung, Anm.) ist, dann, sagt der Iran, wird er nicht zustimmen.
Standard: Nach dem Fund von Uranspuren in Syrien befürchten Kritiker schon einen zweiten Fall Iran - zu Recht?

Minty: Das ist schwierig zu beurteilen, weil man noch nicht alle Fakten kennt. Die Behörde muss erst ihre Arbeit abschließen. Wir müssen abwarten, bis wir alle Informationen haben.

Standard: IAEO-Chef ElBaradei hat im Rahmen der Affäre harte Kritik an Israel und den USA geübt.

Minty: Was der Generaldirektor meiner Meinung nach gesagt hat, ist, dass man nach dem internationalen Recht nicht einfach Grenzen überschreiten und ein anderes Land und seine Anlagen angreifen kann. Wenn es Verdachtsmomente oder Informationen gibt, muss die Behörde eingebunden werden. Das ist der erste Schritt, der unternommen werden sollte - nicht unilaterale Aktionen.

Standard: Die Nuklearenergie erlebt gerade einen Aufschwung, die inoffizielle Atommacht Indien ist im Geschäft, gleichzeitig wachsen Ängste vor Nuklearterrorismus. Muss das Non-Proliferations-Regime reformiert werden?

Minty: Der NPT ist der einzige sogenannte diskriminierende Vertrag: Es gibt zwei Klassen von Mitgliedern (fünf offizielle Atommächte und Nicht-Atomwaffen-Staaten, Anm.). Man muss für eine Welt arbeiten, in der es nur noch eine Klasse gibt. Davon sind wir ziemlich weit entfernt. Wir müssen einen globalen Ansatz suchen, um zu sehen, ob wir alle Atomwaffen vernichten können.

Nuklearer Terrorismus macht offensichtlich allen Sorgen. So wichtig wie die legalen Instrumente ist es, Kapazitäten in Ländern aufzubauen, um mit den Problemen umzugehen. Es ist eine große Aufgabe für die Atomenergiebehörde, vor allem die Entwicklungsländer darin zu unterstützen, diese Expertise aufzubauen. Denkbar wären auch regionale Kompetenzzentren, die verschiedene Länder einer Region unterstützen könnten. (Julia Raabe/ DER STANDARD Printausgabe, 27./28.12.2008)

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Kommentar posten
15 Postings
Walter Tiefenthaler
00
28.12.2008, 05:36
karrierediplomaten...

...sollte man das wohl der welt nicht anvertrauen.

Andreas Bogeschdorfer
00
27.12.2008, 23:37
Dem Zusammenhang zwischen ziviler und militärischer Nukleartechnik weicht Minty aus.

Solange es zu den Hauptaufgaben der IAEA zählt, Technologien für Atomkraftwerke zu verbreiten, ist die gleichzeitige Anti-Atom-Bewaffnungs-Politik ein schizophrenes Unterfangen. Und der sogenannte Aufschwung der Atomkraft ist ein Blase die man gerade aufbläst, bis sie in wenigen Jahren platzt, weil außer heißer Luft nicht viel dran ist.

AntiFa201
00
27.12.2008, 21:08

dieüberschrift ist gut, hält aber nicht was es verspricht :P

caranx
10
27.12.2008, 10:22
"Niemand hat wirkliche Belege, wie lange es dauern wird"

Aber jeder weiss dass sie im Bau sind.
Die ganze IAEO ist ein Witz.
Die einzige Möglichkeit: Die Anlagen beizeiten zerstören.

Bo Vist
00
27.12.2008, 18:38

warum eigentlich?

Alkolix
01
27.12.2008, 11:39

nachdem sie ein österreicher sind weiß ich auch das sie ihre kinder im keller einsperren und verprügeln - sollten man sie auch gezielt zerstören?

GiordanoB
21
26.12.2008, 23:18

Phrasendrescherei im Stile der IAEO.
Natürlich arbeitet der Iran an solchen Waffen!
Die erfolgreichen Schritte des Iran in Richtung Raketen als Trägersystem sind ja allgemein bekannt.
Derartiges lässt sich auch im Ggs zu vielem anderen nicht verheimlichen.
Außerdem reicht auch schon eine Rakete mit Uran oder Plutonium als "schmutzige Bombe".

Da braucht`s dann weder komplizierte Zündelektronik noch genaue Zielführung.

Flavio Maffia
53
26.12.2008, 20:30

das ist sicherlich nicht realistisch....;-)

ich sehe es eigentlich eher positiv, atomwaffen verhindern krieg.

zb. georgienkonflikt....

israel würde sicherlich niemals auf ihre nukes verzichten ,-)

pakistan/indien ein weiterer geschürter konflikt der sich verschärft.....

und was soll das stets mit dem Iran?
man weiss doch sehr wohl, dass der Iran dank den russen genügend Uran hat um diese zivil zu nutzen.
da muss man nicht noch überrascht tun ,-)

das alte europa will sicherlich keinen krieg, amerika kann sich keinen leisten und israel sollte beten dass es nicht soweit kommt...

Alkolix
01
27.12.2008, 11:43

oh ja für die usa (der bestimmende vertreter des gesammten westens) eine doch eher vernünftige regierung, hätte die dauerhafte stationierung von atomraketen in cuba als grund für einen atomkrieg ausgereicht

Flavio Maffia
00
27.12.2008, 12:42

ich behaupte nie, dass westliche regierungen vernünftiger sind.

sie sind genauso irrational wie andere von ihnen gesehen werden.

Selbst nukes in der Türkei stationiert zu haben aber einen krieg wegen Cuba anzetteln wollen...;-)
jaja immer dieses irritierende denken wir sind die guten, wir sind die besseren...vernünftigeren usw...

NONE
00
27.12.2008, 00:38

Amerika kann sich keinen leisten?

Vielleicht haben sie nicht ganz verstanden das Kriege primär einigen wenigen Profit bescheren. Denen kann die Finanzkrise egal sein - wird ja eh beglichen durch mehr Staatsschulden.

Das einzige was unfair ist, ist das die Probleme und Kosten auf andere Länder umgewälzt werden. Ich sehe nicht ein warum wir für irgendwelche Fehler die in den USA entstanden sind, mehr zahlen müssen.

Flavio Maffia
00
27.12.2008, 12:52

wirtschaftlich können sie sich keinen leisten.

es wäre amerikas untergang...

es müsste schon ein Weltkrieg sein, damit sich die amis hoffnung machen könnten auf einen "Erfolg".

und selbst das ist dermassen unrealistisch, dass ich amerika höchstens 40% gäbe ;-)

die kosten für einen modernen krieg sind höher als der gewinn.
vor allem weil man was die rohstoffe anbelangt unabhängiger geworden ist.
Und devisen spielen auch kaum eine grössere rolle mehr in der digitalen welt ,-)
Land ist ja auch eher von einem geringeren Wert.

das einzige was sich lohnen würde wäre der versuch die ganze welt auf ihr tiefes niveau hinabzuziehen.
und das ist schwer machbar...
von daher amerika kann sich keinen krieg leisten...,-)

GiordanoB
10
26.12.2008, 23:21

Es gibt keine vernünftige Regierung die sich einen Atomkrieg leisten möchte oder kann.

Die Frage ist, wie vernünftig sind Regierungen deren Vertreter denken sie würden in einer Endzeit leben und die auf die Ankunft des Mahdi warten.
Oder die Kinder mit Plastikschlüsseln fürs Paradies in Minenfelder schicken.

Flavio Maffia
00
27.12.2008, 13:06

Wie vernünftig schätzen sie eine Regierung ein die für die Finanzkrise schuld ist?
Wie vernünftig schätzen sie Politiker ein die sagen, dass die Demokratie an ihre Grenzen stösst?
Wie vernünftig sehen sie eine westliche Welt der es enorm an empathie mangelt und anderen nicht die gleichen Rechte einräumen will wie ihr selbst?

das was sie aufzählen ist populistischer Blödsinn...

Unsere Gesellschaft wird von Verrückten geführt, für verrückte Ziele. Ich glaube wir werden von Wahnsinnigen gelenkt, zu einem wahnsinnigen Ende, und ich glaube ich werde als Wahnsinniger eingesperrt, weil ich das sage. Das ist das wahnsinnige daran.

;-) niemand auf dieser welt ist "vernünftiger", das ist reine ansichtssache....

Jene Grüne Straßenkatze
02
27.12.2008, 09:19
...

Es braucht dazu gar nicht wahnsinnige Religonsfanatiker - es gab im kalten Krieg auch immer wieder Generäle, die einen Atomkrieg bewusst wollten, da die Verluste von ein paar dutzend Millionen Menschen für sie vertretbar waren.

Diese Leute sind nicht auf den Islam beschränkt. Sie gibt es überall.

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