Peter Pilz entlarvt "Bin Bush"

4. März 2003, 19:12
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Schön, wenn Abgeordnete nicht nur Gesetze, sondern auch Bücher machen - auch wenn sie ein so durchwachsenes Pläsier sind wie Peter Pilz' Kampfschrift "Mit Gott gegen alle". Sein Opus ist eine wilde Mischung aus einer kenntnisreichen Schilderung der politischen und militärischen Pläne der Regierung Bush nach 9/11, eine Reihe heftig tendenziöser Generalisierungen sowie nicht wenig Albernheiten wie etwa der, den US-Präsidenten als - Bruhaha! - "Bin Bush" zu apostrophieren.

Dadurch nivelliert sich Pilz ehrbare Kritik am Überhandnehmen eines nur auf militärische Lösungen setzenden Denkens ebenso wie durch manche Verzerrung in der Präsentation seiner Argumente.

So schildert er etwa die Idee von Justizminister John Ashcroft, ein landesweites Spitzelsystem (TIPS) zu errichten, und schwelgt seitenweise in Visionen von "Blockwarten" und "Stasi", um dann viel später sehr klein und nebenbei anzumerken, dass aus dem TIPS-System wegen anhaltenden Widerstandes aus dem Kongress nie etwas geworden ist. Nicht selten ufert ihm die Kritik an der Politik auch zu einer pauschalierenden Kritik an den US-Lebensformen schlechthin aus, sodass die Liebeserklärung an Amerika, in der das Buch nach 260 Seiten Amerika-Bashing abrupt mündet ("Ich liebe Amerika"), völlig aufgesetzt wirkt.

Pilz liebt aber auch Europa: Er votiert dafür, dass sich der alte Kontinent vom neuen abkoppeln möge, und ist voll des Lobs für den European Way of Life. Kleinigkeiten wie die, dass hier die unangenehmsten rechtspopulistischen Figuren schwer im Kommen waren oder sind, verschweigt Pilz nobel. Im Sinn eines korrekten transatlantischen Vergleichs wäre es fair, auch solche Fakten nicht unter den Tisch fallen zu lassen. (Christoph Winder/DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2003)

Peter Pilz: Mit Gott gegen alle. Amerikas Kampf um die Weltherrschaft DVA, Stuttgart 2003 290 Seiten, 23,60 Euro
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