Geplante Pensionsreform trifft Frauen stärker als Männer

4. März 2003, 20:12
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Wirtschaftsforscherin Biffl: "Kurzsichtig", Teilzeitarbeit zu "bestrafen" - Begleitmaßnahmen fehlen

Wien - Kinderbetreuungszeiten, das höhere Risiko von Arbeitslosigkeit, mehr Teilzeitbeschäftigung - all das sind "Frauenprobleme", und daher treffe die geplante Pensionsreform Frauen stärker als Männer, sagt die Wirtschaftsforscherin Gudrun Biffl. Schon jetzt ist die durchschnittliche Frauenpension mit 678 Euro deutlich niedriger als die der Männer (1444 Euro). "Frauen kommen schwer auf die Beitragsjahre. Mit der Pensionsreform muss man die Arbeits- und Beschäftigungschancen für Frauen verbessern", fordert Biffl.

Keine Überlegungen für Arbeitsmarkt für Ältere

Generell sind es die Begleitmaßnahmen, die Arbeitsmarktexpertin Biffl bei der Pensionsreform vermisst. Die Maßnahmen an sich sieht sie als "Angleichung an andere EU-Länder" - mit einem großen aber: "Bei uns wird nur am Pensionssystem herumreformiert, aber man muss sich etwas für den Arbeitsmarkt für Ältere überlegen. Da kann man sich nicht nur auf die Konjunktur und den Markt verlassen." Gerade für Ältere findet Biffl die Verlängerung des Durchrechnungszeitraums (die Pensionshöhe soll im Endausbau nach 40 Arbeitsjahren, also praktisch allen, berechnet werden) problematisch: "40 Jahre sind sehr lang, damit wird Teilzeitarbeit bestraft. Das ist unlogisch und kurzsichtig, weil Teilzeitarbeit Ältere am Arbeitsmarkt halten könnte."

Frage nach Beamten

Der grüne Sozialsprecher Karl Öllinger findet noch etwas unlogisch - die Konzentration der Regierung auf Einsparungen im ASVG-Pensionsbereich. Steige doch der Bundeszuschuss für ASVG- Pensionen kaum - wenn man seriös rechne und etwa die Kindererziehungsersatzzeiten aus dem Kindergeld aus dem Familienfonds bezahlen lasse und nicht aus der Pensionsversicherung. Stark steige hingegen der Bundeszuschuss zu den Beamtenpensionen, daher müsse man "dringend bei Beamten etwas tun". (eli/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.3.2003)

  • Wirtschaftsforscherin Gudrun Biffl kritisiert die Regierungspläne
    foto: wifo
    Wirtschaftsforscherin Gudrun Biffl kritisiert die Regierungspläne
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