Pirat oder Kunde?

28. Dezember 2008, 18:03
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Was aus potentiellen Käufern vermeintliche Räuber macht oder: illegale und legale Musikdownloads aus mediensoziologischer Sicht

Viel hat sich verändert in der Musikbranche, seit die Peer-to-Peer Tauschbörse Napster vor zehn Jahren entwickelt wurde. Die Musikindustrie musste herbe Umsatzeinbußen hinnehmen. Sowohl für Anbieter als auch KonsumentInnen drohen rechtliche Konsequenzen. Während aber rechtliche und ökonomische Folgen illegaler Musikdownloads rege diskutiert wurden, blieben die Hintergründe bislang ausgeblendet, die frühere Kunden jenseits von gratis Musik zu "Räubern" machen. Bernhard Jäger und Markus Kudler widmeten sich im Zuge ihrer Diplomarbeit aus diesem Grund gezielt Differenzierungsmerkmalen, die NutzerInnen von legalen und illegalen Downloadangeboten unterscheiden. Um dieses Feld näher zu erforschen, wurde eine Online-Befragung zu Themengebieten wie dem persönlichen Umfeld, der Einstellung gegenüber Künstlern sowie dem Risikoempfinden in Bezug auf rechtliche Verfolgung konzipiert, durchgeführt und analysiert.

Musikdownloads aus mediensoziologischer Sicht

Als Ausgangspunkt dient die Lebenswelttheorie, die von Alfred Schütz entwickelt wurde. Diese besagt, dass die Lebenswelt, in der Menschen leben, intersubjektiv ist, also nicht nur durch das eigene Handeln bestimmt, sondern auch von Taten, Einschätzungen und Grundeinstellungen anderer beeinflusst wird. Insgesamt wurden in der vorliegenden Studie 957 gültige Fragebögen untersucht, die sich aus 570 weiblichen und 387 männlichen TeilnehmerInnen zusammensetzen. 490 Personen, etwa 51 Prozent der befragten Personen deklarierten sich als DownloaderInnen, also als Menschen, die bezahlte, unbezahlte oder beide Downloadangebote nutzen.

Das persönliche Umfeld als Einflussfaktor

Die Entscheidung, ob der Download von urheberrechtlich geschützter Musik auf legale oder illegale Weise erfolgt, hat viel mit dem Verhalten des Bekannten-, Freundes- und Familienkreises zu tun. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass rund 59 Prozent der DownloaderInnen angaben, dass in ihrem näheren Umfeld vorwiegend Peer-to-Peer Applikationen im Stile von Napster zum - meist illegalen - Musikdownload genutzt würden, während lediglich rund 13 Prozent angaben, in ihrem Umfeld kämen vor allem Business-to-Consumer Programme wie etwa iTunes zum Einsatz.

Diese Affinität zu illegalen Musikdownloads wurde auch in weiteren, konkreteren Fragen deutlich. Außerdem tendieren auch jene, die angaben sowohl legale als auch illegale Angebote in Anspruch zu nehmen, letztlich eher zur illegalen Variante. Jäger und Kudler vermuten, dass DownloaderInnen vor allem dann Musik als CD oder als legalen Download erwerben, wenn die entsprechenden Musikstücke auf illegalem Wege entweder gar nicht oder in schlechter Qualität vorhanden sind. Auch die persönliche Wertschätzung von Bonus-Materialen oder einer aufwändigen Verpackung entpuppen sich als relevante Entscheidungskriterien.

Kapitalistische Musikindustrie, selbstlose Musikschaffende?

Über die Folgen der illegalen Verbreitung urheberrechtlich geschützter Musik sind sich die befragten Personen uneins. Wie zu erwarten geht die Gruppe der DownloaderInnen von einer geringen Schädigung der betroffenen KünstlerInnen aus, da - wie aus anderen Fragen hervorgeht - ihrer Meinung nach ein Großteil der Einnahmen durch legale Downloads ohnehin durch die Musikindustrie abgeschöpft werden würde. Interessanterweise geht die Gruppe der Nicht-DownloaderInnen genau vom Gegenteil aus: hier wird bei legalen Downloads eine besonders große Wertschöpfung für KünstlerInnen vermutet.

Mögliche rechtliche Konsequenzen werden unter den DownloaderInnen eher als abschreckende Propaganda durch die - unter den Befragten im Allgemeinen nicht sonderlich beliebte - Musikindustrie interpretiert. Diese Vermutung ist nicht unberechtigt, denn bislang wurde vorwiegend gegen die gewerbliche Verbreitung illegalen Materials vorgegangen, "kleine Fische" blieben durchwegs unbehelligt.

Illegal aus Gewohnheit

Eine Besonderheit von Musikdownloads ist es, dass deren Potenzial anfangs nicht von der Musikindustrie, sondern von KonsumentInnen erkannt wurde. Später eingeführte, legale und kommerzielle Downloadangebote wie etwa iTunes hatten und haben deshalb unter dem zeitlichen Vorsprung und dem damit verbundenen "Gewohnheitseffekt" illegaler Downloadangebote zu leiden. Die breite Akzeptanz illegaler Musikdownloads geht laut Jäger und Kudler nicht nur auf technische Entwicklungen zurück, sondern basiert zu einem Gutteil auch auf einer fehlgeleiteten Kommunikation zwischen der Musikindustrie und ihren Kunden. Denn letztlich habe diese in den letzten Jahren dazu geführt, dass aus Kunden Räuber wurden und die Musikindustrie einen derart schlechten Ruf genießt.

Die Diplomarbeit gibt einen informativen Einblick in die Denk- und Handlungsweise von NutzerInnen illegaler und legaler Musikdownloads. Aufgrund der Komplexität der Thematik bleiben aber noch viele Fragen offen.

Die Diplomarbeit "Pirat oder Kunde?" Eine mediensoziologische Untersuchung über die Entscheidungscharakteristika von legalen und illegalen Musikdownloads" ist unter textfeld.ac.at im Volltext nachzulesen.

Die Autoren

Bernhard Jäger (Jg. 1983, Mag.phil, Bakk.phil) hat Soziologie sowie Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien studiert. Seit 2005 ist er als Freelancer in nationalen und internationalen Sozialforschungsinstituten tätig.

Markus Kudler (Jg. 1982, Mag.phil) hat Soziologie mit dem Schwerpunkt Mediensoziologie sowie soziale Kontrolle und abweichendes Verhalten an der Universität Wien studiert. Erfahrung im Bereich wissenschaftlicher Forschung sammelte er am Institut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA), der österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Der Rezensent

Raphael Schön studiert Politikwissenschaft an der Universität Wien.






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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 67
1 2
phaidros
00
warum eigentlich

ist hier immer von "dem werk" die rede?
es weiss doch jeder, der jemals einen downgeloadeten film angesehen hat, dass die qualitaet eines auf 700mb komprimierten filmes nicht einmal annaehernd an die einer original dvd herankommt. ebenso im mp3 bereich. ein 128kbs mp3 ist doch mit einem 44100Hz/16bit wav, wie es auf einer CD Mindeststandard ist, ueberhaupt nicht zu vergleichen. Das sind alles sehr schlechte Kopien - warum wird das eine permanent mit dem anderen verglichen, als waere es dasselbe? Wer alte Zeitungen aus Altpapiercontainern holt, hat sie ja auch nicht gefladert. Wer einen Abzug der Mona Lisa im Wohnzimmer hat, auch nicht.
Beide Seiten, "piraterie"befuerworter u -gegner, ignorieren diese tatsache "schlechte kopie" andauernd.

Bartenfink
00

Zeitungen aus dem Altpapiercontainer nehmen ist sehr wohl fladern..

phaidros
00
echt?

weil wer ist der eigentuemer?

Bartenfink
00

meines Wissens geht das Eigentum am Papier auf die Recyclinggesellschaft über. Auch Abfall ist eine Ware, also ein Gut mit Geldwert, das deshalb Gegenstand von Handelsgeschäften sein kann..

pandoras box
00
22.1.2009, 16:34

tatsächlich, in jedem fall?

meineMeinung1969
21
Ich steh auf ...

... sinnvolle und für die Menschheit überlebenswichtige Studien. Die Wirtschafstkrise kann nicht so arg sein, wenn hierfür Geld ausgegeben wurde ...

mM

phaidros
02
dass sie keine uni von innen gesehen haben, ist klar.

sonst wuessten sie, dass diplomarbeiten, gerade im sozialwissenschaftlichen bereich, in der regel von niemandem bezahlt werden ausser vom studenten selber.

aber wenn sie neidisch sind, es haelt sie eigentlich nichts davon ab, ihre freizeit ebenso zur wissenserweiterung zu nutzen, und eine fuer sie selber interessante fragestellung mal ueber ein jahr zu bearbeiten.

Grantscherben
00
Weg mit der CD - Weg mit MP3

Das Andrehen von MP3s am Ende gar noch mit Kopierschutz ist ein ähnlicher Schildbürgerstreich wie die mickrigen Sensoren der Digitalkameras mit immer mehr Pixeln zu beladen.
Wenn schon kommerzielle Downloads dann bitte verlustfrei(am besten FLAC) und ohne Kopierschutzkacke.
Noch besser wäre ein technologischer Ruck hin zur Qualität einer SACD oder DVD Audio etc., aber der ganze Dreck an Gadgets und Audioplayern kann das alles nicht wiedergeben.
Schuld ist wie immer der Konsument, denn er will es ja so.

Primus inter Pares.
30
29.12.2008, 23:27
Zum nachdenken...

Jeder hat eigene Cd´s und kennt irgendwen anderen, der auch Cd´s hat, der widerum einen kennt...usw.
Also, wo ist das Problem an Musik ran zu kommen????
Da brauchts nicht so alberne Tauschbörsen, die in einer beschissenen Qualität Songs um teures Geld anbieten.Oder I-tunes Schwachsinn usw.
Schwuppdiwupp und man ist Besitzer von 100erten GB Musik.
Und keiner weiß es, ätsch!
Seit ihr alle zu faul, beim Nachdenken?
PtP kann man auch ohne Inet betreiben.
Aber bitte, ihr könnt ruhig weiter dieser Mafia das Geld in den A.sch schieben.

Jane Lane
 
01
Sie wollten auch einfach nur IRGENDWAS sagen, gell...

THE MGT.
31
29.12.2008, 17:56
Immer wieder faszinierend, wie wortreich Leute es als selbstverständlich darzustellen suchen, dass sie Musikstücke usw. halt einfach gratis haben wollen.

Letztlich ist es doch ganz einfach nur so, dass diejenigen, die ihre Files vor allem über P2P beziehen, einfach nicht dafür bezahlen wollen. Das ist alles.

Über "die MI", Gebühren auf Rohlinge und Drucker u.ä. kann man sich mit Recht ärgern. Das wird aber bloß als Deckmäntelchen übergestreift, während die Musiker einem zugleich einfach sch***egal sind. Diese Verachtung drückt sich z.B. in Modellen der "Bezahlung" aus, in denen vorgeschlagen wird, dass die halt via Website um Spenden betteln sollen. Die gerne eingenommene Robin-Hood-Pose der Empörung über MI, Austromechana usw. erweist sich so als scheinheilige Doppelmoral. Die MI mag den Musikern zu wenig bezahlen, ein Gratis-Downloader zahlt ihnen garnichts. Und das soll besser sein?

Christian90
00
also

ich war immer schon der meinung musiker sollen mit live auftritten geld verdienen. damit würden auch endlich wieder mehr garagenbands "hoch kommen"

der satz "basiert zu einem Gutteil auch auf einer fehlgeleiteten Kommunikation zwischen der Musikindustrie und ihren Kunden." ist jedenfalls fakt.

THE MGT.
00
14.1.2009, 18:07
Live-Auftritte sind selbstverständlich Teil des Jobs sehr vieler Musiker.

Damit ein Musiker ausschließlich von Konzerten leben kann, müssten die Tickets allerdings (noch deutlich) teurer werden, denn von dem Geld müssten dann neben den Kosten des täglichen Lebens, eventuell des Lebenserhalts einer Familie, den Instrumenten usw. auch noch die Studiozeiten, eventuell zu engagierende Studiomusiker usw. bezahlt werden. Von ihrer Musik zu leben ist auch mit den Einnahmen aus Plattenverkäufen ohnehin nur sehr wenigen möglich.

Als Hörer - der die Konzertatmosphäre sehr genießt - möchte ich von Musikern eben auch Aufnahmen in Studioqualität hören können. Und zumindest ich bin selbstvertändlich bereit, die Musiker auch dafür zu bezahlen indem ich LPs, CDs oder auch Downloads kaufe.

ameisenigel
01
31.12.2008, 03:45

sie können jammern und heulen und um sich beissen, sich gesetze machen lassen, die die halbe bevölkerung kriminalisieren, die tage des Tonträger- und mp3-verkaufs sind schon längst gezählt... der zug ist abgefahren, zu spät gekommen, pech gehabt.

das hat nichts mit scheinheilig zu tun, das ist ganz normales menschliches verhalten.

man kann ganz leicht mit musik (viel) geld machen: man macht konzerte oder man wird im radio gespielt. wer sich die musik eines interpreten runterlädt der wird - so ihm/ihr die musik gefällt auch ein konzert sehen wollen, odr das ganze im radio hören wollen.

outlet
00
29.12.2008, 15:19
warum ?

ich kauf mir ein videoprogramm, ein bildverarbeitungsprogramm, nach 4 wochen ist es veraltet und ich kann fast den neupreis für eine verbesserte version zahlen (z.B. HD-unterstützung) - das macht mich zum piraten.
ich kauf mir bei itunes ein lied und muss jeden pc kompliziert aktivieren - das macht mich zum piraten.

Klein Hirn
02
29.12.2008, 09:22
Kennen alle die Tarife "Leerkassettenvergütung" der Austro Mechana?

Man lese und staune!

http://www.aume.at/rte/uploa... _lkv09.pdf


m m 10
00
29.12.2008, 08:47
die sich aus 570 weiblichen und 387 männlichen TeilnehmerInnen zusammensetzen.

ist das dann representativ?

dachte immer, dass die stichprobe die gleichen ausprägungen wie die grundgestammtheit haben muss. was ich jetzt so im kopf habe, ist auch bei den jugentlichen i-net nutzern eine leichte männer dominanz vorhanden.

Fony MC
00
29.12.2008, 16:21

Erstens schreibt man reprÄsentativ!
Zweitens steht da nirgends dass die Untersuchung repräsentativ ist. (Wohl wegen dem Typo überlesen.)
Drittens sagt die Samplegröße wenig über die Repräsentativität aus. Die kann mit den richtigen Gewichtungen auch schon aus viel viel kleineren Samples hochgerechnet werden. Fragens mal bei Sora, Fessel und Co nach wie wenige die befragen.
Also mm10, noch mal die Statisitkbücher herausholen oder zumindest auf Wikipedia nachschauen!

m m 10
00
30.12.2008, 08:33
find ich witzig, ...

...wie manche leute austicken können wenn man eine frage stellt. ich hoffe für ihre kinder, dass sie keine haben...

Fony MC
01
31.12.2008, 00:27
Sorry, dachte ihre Posting sei ernst gemeint

Adolf Ogi
01
29.12.2008, 03:34
umständlich

man sollte auch noch dazu sagen, dass alle legalen Formen des Musikdownloads ziemlich kompliziert sind, man muss alle möglichen Daten preisgeben, das Bezahlen ist kompliziert und dann wird man mit unerwünschter Werbung bombadiert. Hauptproblem ist aber sicher das komplizierte Bezahlen, denn wegen einem Euro allein, würd sicher niemand virenverseuchte Torrent-Seiten aufsuchen. Trotzdem ist es dort immer noch einfacher. Die schöne unkomplizierte Napster-Zeit gibt es aber weder im legalen noch im illegalen Bereich mehr. Alles ist schlechter, umständlicher und nerviger geworden.

ameisenigel
00
31.12.2008, 03:47
ach was

emule satteln und los gehts...

incredibile
22
29.12.2008, 00:28
der wissenschaftliche wert dieser dp ist wohl anzuzweifeln

gesetzt der annahme, dass vom bloßen "download" die rede ist, der nach hM nicht strafbar ist, ist schon die fragestellung unkorrekt und die antworten daher nur beschränkt verwertbar.

weiters muss deshalb nicht mehr gefragt werden, was die leute zum illegalen download verleitet, da es ein verleitenden illegales element nicht mehr gibt ;)

interessant wäre für mich gewesen, warum leute dennoch für die CD ect bezahlen - dh was das ausschlaggebende kriterium für den nicht-download ist. vermutungen kann ich selbst aufstellen.

ubu die wampe
02
29.12.2008, 11:28
haben sie die dp

im volltext gelesen, oder nur die rezension?

M. De Sade
03
29.12.2008, 00:11
räuber, piraten...

ich schlage der musikindustrie ein neues wort vor, mit dem leute bezeichnet werden sollen, die mp3s downloaden ohne dafür bezahlt zu haben: mörder.

das ist nämlich genauso an den haaren herbeigezogen wie räuber und piraten, wirkt aber sicher ärger!

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