Wo bitte verläuft die "vorderste Front"?

19. Dezember 2008 19:22

"Alle meine Gagen gehen an Notleidende" - Offener Brief an die Bundesregierung von Otto Tausig

Endlich! Endlich eine Regierung, die bereit ist, das Teilen mit den Ärmsten zu fördern.

Ich selbst lebe - und das sehr gut - seit etwa 20 Jahren von meiner Pension und verwende alles, was ich darüber hinaus als Schauspieler verdiene, um Menschen in der Dritten Welt zu helfen. Alle meine Gagen gehen, ohne je meine Hand zu berühren, über den "Entwicklungshilfe Klub", an diese Notleidenden. Trotzdem muss ich für ein Einkommen, das ich nicht habe, Einkommensteuer bezahlen. Das könnte sich jetzt ändern, wofür unserer neuen Regierung Dank gebührt. - Stutzig macht nur, dass es heißt, nicht alle Hilfsorganisationen würden von der steuerlichen Absetzbarkeit profitieren, sondern nur jene, "die an vorderster Front" gegen die Armut kämpfen, wie z. B. die Caritas, das Rote Kreuz etc.

Prinzipiell ist das völlig richtig, da es etliche sogenannte "Wohltätigkeitsorganisationen" gibt, die Spendengelder für üppige Gehälter, teure Büros, Dienstwagen und große Plakatkampagnen missbrauchen.Es ist aber keineswegs so, dass die großen Organisationen effektiv arbeiten, während die kleinen nicht an "vorderster Front" kämpfen.

Da ich nicht möchte, dass meine gespendeten Gagen in falsche Hände kommen, habe ich mich daher vor Jahren bei den diversen Hilfsorganisationen umgesehen und festgestellt, dass der eher kleine, aber gerade darum gut überschaubare "Entwicklungshilfe-Klub" am besten mit den Spendengeldern umgeht. Zum Unterschied von den "Großen" erhält er keine Subventionen von der öffentlichen Hand und ist ausschließlich auf private Spenden angewiesen.

Sicher können nicht alle Spenden begünstigt werden, erstaunlich ist nur, dass es eine ganze Liste von Organisationen gibt, für die Spenden abgesetzt werden können, wie z.B. das "Da Ponte Institut für Librettologie", der "Förderverein Waldrappteam.at", das "Ungarische Kirchensoziologische Insitut", der "Verein zur Förderung der Teilnahme der Studierenden a. d. Philip C. Jessup Law Moot Court Competition" etc etc. Wäre es da nicht ein Unrecht, einer Organisation wie dem "Entwicklunhshilfe Klub". der natürlich das amtliche Gütesiegel erhalten hat und nachweislich Jahr für Jahr "an "vorderster Front" Tausenden Menschen hilft, dem Elend zu entkommen, die steuerliche Absetzbarkeit zu verweigern? (Otto Tausig/DER STANDARD Printausgabe, 20./21. Dezember 2008)

Otto Tausig ist Schauspieler und Initiator des "Enwicklungshilfe-Klubs".

    fibiundchillie
    23.12.2008 11:45

    profil letzter woche, interview mit otto tausig.
    hmhm, laßt es mich so formulieren:
    wenn ein alien mich fragte, wie ein mensch auf dieser erde sein soll, würd ich sagen: wie otto tausig.

    herbert steiner1
    22.12.2008 13:21
    hochachtung diesem

    aussergewöhnlichen menschen gegenüber. Es beruhigt, Persönlichkeiten wie ihn in Österreich zu wissen!

    Oden
    21.12.2008 14:14
    Das taugt mir!


    Von diesem Kommentar dazu animiert, mehr über den EntwicklungshilfeKlub zu erfahren, bin ich darauf gekommen, wieviel Kluges, Sinnvolles und Ehrliches hier im Lande doch gemacht wird, allzu oft völlig im Stillen!

    Ohne die Leistungen der "etablierten" Hilfsorganisationen schmälern zu wollen, bin ich manchmal über die Kosten für große Verwaltungsapparate besorgt. Da ich nicht sehr große Beträge geben kann, ist es mir wichtig, dass nicht ein großer Teil eines kleinen Beitrags auf dem Weg zum Projekt "verpufft".

    Ich hoffe natürlich, dass die steuerliche Absetzbarkeit "durchgeboxt" wird, hoffe aber auch, dass man sich dabei in keine Art von Abhängigkeiten gegenüber der Politik begibt. Wir bisher geschafft wurde, geht auch künftig!

    Außerirdischer
    09.01.2009 15:46
    Es gibt in Ö ein ''Spendengütesiegel'' für Vereine, die ihre Verwaltungskosten unterhalb einer gewissen Grenze halten!

    Oden
    13.01.2009 09:41
    Ist mir natürlich bekannt.


    Das gibt es wohl z.B. in Deutschland auch. Trotzdem befand sich UNICEF (?), trotz gravierender finanzieller Mißstände, jahrelang auf einer solchen Liste. Die Frage ist eben, wie sorgfältig solche Listen "gewartet" werden.

    Bei diesem Verein, habe ich so den Eindruck, werden die Kriterien für das das Gütesiegel "täglich gelebt"!

    Bo Vist
    20.12.2008 14:16

    herr tausig weist punktgenau auf das problem – und außerdem darf er das!

    denn sein einsatz ist großartig und beispielhaft und beeindruckend:

    was zeichnet ihn aus, was hat er, was diese regierung nicht hat?

    herz
    verstand
    gerechtigkeitsstreben
    mut
    energie
    liebe

    und das im schönsten aller wirkungsbereiche: für die kinder

    Ciudad Rodrigo
    20.12.2008 11:40
    Kleinkorruption in gewohntem Stil...


    Hatte, unmittelbar vor diesem Artikel, den Kommentar der Chefred.

    http://tinyurl.com/9pkheb

    zu der "Verurteilung" des Korruptionszustandes in Österreich durch den Europarat gelesen. Irgendwie eine nahtlose Fortsetzung des Themas!

    Es müsste, aus Anlaß der bevorstehenden Erweiterung der Absetzbarkeit, die Entstehungsgeschichte jeder einzelnen bisherigen Genehmigung offengelegt, und das Weiterbestehen in einer öffentlichen Prozedur genau überprüft, werden, damit transparente und verständliche kriterien eine breite Akzeptanz finden.

    Es ist auch eigenartig, dass Pröll (fest in Raiffeisen- und Jäger-Hand!) Tierschützaktivitäten nicht fördern will, dieses Waldrapp-Projekt jedoch steuerbegünstigt ist.

    Alle Achtung Herrn Tausig!

    denny_crane
    20.12.2008 10:10
    Spenden an den Entwicklungshilfe-Club kommen an,

    dort wo sie gebraucht werden. In zahlreichen Projekten in Indien zum Beispiel, wo Kinder von der Fronarbeit in Steinbrüchen weggeholt werden und zur Schule gehen dürfen. Otto Tausig leistet mit seinen Spenden nicht nur Entwicklungshilfe, sondern auch Bewusstseinsveränderung. Menschen in Indien wird bewusst, dass Kinder nicht in Steinbrüchen arbeiten, sondern zur Schule gehen sollen.
    Spenden an diesen Verein kommen dort an, wo sie hin sollen, ohne Verwaltungskosten. Dass dieser Verein nicht auf der Liste der absetzbaren Spenden steht, zeigt, dass die Regierung nur ihr genehme Vereine fördern will oder gar nicht weiß, welche Vereine direkt am Menschen Gutes tun.

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