Es ist nicht nur politisch korrekt, sondern auch gesellschaftlich wichtig, dass Publikationen "weiblicher" werden - Von Brigitte Schaden
Ich bin überzeugt davon, dass Worte wichtig sind, um Bewusstsein und Wirklichkeit zu schaffen. Dass es nicht nur politisch korrekt, sondern auch gesellschaftlich wichtig ist, dass Publikationen „weiblicher" werden. Ich bin aber auch immer wieder damit konfrontiert, dass die Schreibweise der männlichen und weiblichen Form in Texten eine wesentliche Zeichenerweiterung bedeutet und so eine Kürzung des Inhalts notwendig machen würde.
Projekt Management Austria (pma) publiziert regelmäßig Druckwerke, und wir überlegen jedes Mal, wie wir es schaffen, gendergerecht und lesefreundlich, praxisrelevant und platzsparend zu formulieren. In unseren beiden Unterlagen für die IPMA-Projektmanagement-Zertifizierungen haben wir uns daher entschlossen, ein Werk in rein männlicher und eines in rein weiblicher Form zu verfassen.
Den Versuch einer geschlechterneutralen Formulierung erschien uns ebenso wenig praktikabel wie die Verwendung beider Geschlechtsformen. So hätten wir statt Projektauftraggeber dann „die projektauftraggebende Person oder Stelle" schreiben müssen. Außerdem geht es bei beiden Unterlagen darum, jene Begriffe zu erklären, die auch in der Praxis zum Einsatz kommen.
Sprache und Lesegewohnheiten verändern sich. Viele Begriffe, die bis vor wenigen Jahren Usus waren, wurden durch eine Sensibilisierung als diskriminierend erkannt und sind nun unüblich bzw. verpönt. Niemand wird ernsthaft fordern, nur mehr weibliche Formen zu verwenden, aber Texte in rein femininer Schreibweise sollten genauso üblich werden, wie es rein männlich formulierte schon sind. Dies vor allem auch in der Management- und Fachliteratur.
Der Hinweis, dass der Inhalt der Publikation an beide Geschlechter adressiert ist, sollte im Sinne der Praxistauglichkeit und Lesefreundlichkeit aber in beiden Fällen ausreichen. (Brigitte Schaden/DER STANDARD; Printausgabe, 20./21.12.2008)