Ein Patt zwischen Höhe, Gewinn und Kulturerbe

18. März 2003, 14:48
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Es geht um wirtschaftliche Interessen privater Investoren und der Grundstückseigner - Jeder schaut auf sein Geld

Wien - "Wenn wir so bauen können, wie geplant, dann können wir das Projekt auch finanzieren." Christa Danner, Sprecherin der Bauträger Austria Immobilien (BAI), bekräftigt den Willen des Unternehmens, an den vieldiskutierten vier Türmen über der Bahnhofsverbauung Wien-Mitte festhalten zu wollen.

Branchenintern kolportierte Gerüchte, wonach erst 40 Prozent des Projekts ausfinanziert seien, "kann ich so nicht bestätigen", weist Danner diese zurück. Der Stand der Investitionsverhandlungen gilt dem Unternehmen als Verschlusssache, "weil bis Mitte März noch Gespräche laufen". Vor allem jene mit der Stadt: Wie nämlich der Turmbau mit dem Unesco-Welterbe "Innere Stadt" vereinbar ist. Denkmalschützern, Parteigängern, Unesco und Icomos ist der Bau zu wuchtig und mit bis zu 97 Metern zu hoch.

Die Debatte dreht sich also seit Monaten um das Projekt von BAI und dem portugiesischen Partner Sonae Immobiliaria. Es soll um 300 Millionen Euro auf 28.000 Quadratmetern ein Bahnhofs- und Einkaufszentrum errichtet werden. Dazu kommen auf 29.000 Quadratmeter Büros und ein Hotel - in den Türmen.

Pacht, nicht Subvention

Andererseits stellt sich auch für die ÖBB, die Grundstückseigentümer jener Fläche sind, die Frage der Wirtschaftlichkeit. Bahn-Sprecher Gary Pippan wünscht sich, dass "da oben gebaut wird". Denn nicht nur, dass von weiteren Verhandlungen der Pachtvertrag zwischen ÖBB und BAI abhängt. Da geht es um Einnahmen von jährlich 700.000 Euro, die zu lukrieren wären. Eine Reduktion der Pachtsumme, um das Turmprojekt bei geringerer Bauhöhe rentabel zu halten - davon will man bei den ÖBB nichts wissen. Man habe eine exquisite Innenstadtlage anzubieten, dafür sollen auch marktübliche Preise gezahlt werden. Die ÖBB würden nicht "einen privaten Investor quersubventionieren", pocht der Sprecher auf Wirtschaftlichkeit.

Die ÖBB kann sich dort einen Bahnhofsumbau nur leisten, wenn eine Baulösung wie die geplante - alle Einkaufs-, Freizeit- und Bahninfrastruktur in einem Gebäude - realisiert wird. Müsste diese in verschiedenen Gebäuden untergebracht werden, seien die veranschlagten Kosten von 8 Millionen Euro nicht zu halten, argumentiert Pippan. Ob letztlich "da oben Hochhäuser stehen ist uns egal," meint er zur Architekturdebatte. (Andrea Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe, 5.3.2003)

  • Ein Stockwerk ums andere macht den Citytower wöchentlich höher. Daneben will die Arge Wien-Mitte bald mit den anderen drei Türmen beginnen.
    foto: standard/cremer

    Ein Stockwerk ums andere macht den Citytower wöchentlich höher. Daneben will die Arge Wien-Mitte bald mit den anderen drei Türmen beginnen.

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