FPÖ bangt vor Urnengang

4. März 2003, 17:52
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Bei den Gemeinderats- Wahlen könnte SPÖ ihre kommunale Vormacht- Stellung ausbauen - VP will Platz zwei zurück - Mit Infografik

Klagenfurt - Am Villacher Faschingsumzug präsentierte sich der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider diesmal nicht als Robin Hood. Er schlüpfte ins Kostüm des Sheriffs. Ob die Botschaft des Hüters von Recht und Ordnung beim Wähler auch ankommt, wird sich schon am kommenden Sonntag bei den Kärntner Gemeinderats- und Bürgermeisterwahlen zeigen. Denn obwohl Kommunalwahlen nicht eins zu eins auf Landes- oder Bundeswahlen umgelegt werden können, gilt der Kärntner Urnengang vom 9. März auch als Testwahl, ob die Freiheitlichen nach ihrem Absturz bei den Nationalratswahlen und der Neuauflage von Schwarz-Blau ihre Bastion in Haiders Stammland halten können. Und sie werden als Stimmungsbarometer für die Landtagswahlen im Frühjahr 2004 gesehen.

Insgesamt sind in 132 Gemeinden 443.056 Kärntnerinnen und Kärntner, davon 232.277 Frauen, sowie 7201 EU-Bürger wahlberechtigt. Erstmals dürfen auch rund 14.000 Jungwähler ab 16 zu den Urnen. Die Bürgermeister-Stichwahlen finden am 23. März statt.

Erstmals kandidieren auch die Kärntner Grünen in allen Bezirksstädten. Die Slowenische Einheitsliste (EL) tritt in 24 Gemeinden an und rechnet sich in Eisenkappl und Globasnitz den Bürgermeistersessel aus. Die KPÖ kandidiert in Klagenfurt und Villach.

Bei den Gemeinderatswahlen 1997 hatte sich der Siegeszug der Kärntner FPÖ, der Haider 1999 schließlich in den Sessel des Kärntner Landeshauptmannes verholfen hat, bereits angekündigt.

Da legte die FPÖ kärntenweit um 16 Prozent zu und verwies die ÖVP mit 26, 1 Prozent oder 630 Mandaten auf Platz drei. Die Schwarzen kamen auf 22,3 Prozent (oder 539 Mandate).

Starke Stimmengewinne konnten die Freiheitlichen damals in fast allen Bezirksstädten, aber auch in einigen Wörthersee-Gemeinden verbuchen. Mit Feldkirchen eroberten sie außerdem erstmals österreichweit eine Bezirksstadt.

Trotz herber Stimmenverluste (kärntenweit immerhin 14, 3 Prozent) blieb die SPÖ aber nach wie vor mit 40,5 Prozent stimmenstärkste Partei. Sie sollte von der FPÖ erst bei der Landtagswahl 1999 entthront werden, die damals auf ihr bislang bestes Wahlergebnis von 42,1 Prozent kletterte.

Auch bei den 1997 gleichzeitig durchgeführten Bürgermeisterwahlen konnte sich die SPÖ mit 72 von 132 Bürgermeistern klar gegenüber ÖVP (29) und FPÖ (17) behaupten. Dass die FPÖ auf kommunaler Ebene nie wirklich Fuß fassen konnte, hängt wohl auch mit ihrem chronischen Mangel an Personalreserven zusammen.

So kann die SPÖ heuer wieder auf einen Ausbau ihrer kommunalen Vormachtstellung hoffen, während die ÖVP Platz zwei zurückerobern will. Unangefochten dürften in Klagenfurt und Villach die bisherigen Bürgermeister Harald Scheucher (ÖVP) und Helmut Manzenreiter (SPÖ) bleiben. Auch in St. Veit braucht Gerhard Mock (SPÖ) nicht um seinen Sessel zu bangen. In Wolfsberg muss sich Gerhard Seifried (SPÖ) mit seinem Vorgänger und Parteifreund Manfred Kraxner messen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.3.2003)

Von Elisabeth Steiner
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    Am Sonntag finden in Kärnten Gemeinderatswahlen statt. Ob die Freiheitlichen nach ihrem Absturz bei den Nationalratswahlen und der Neuauflage von Schwarz-Blau ihre Bastion in Haiders Stammland halten können, ist fraglich.

  • >>> Zum VergrößernErgebnis der Kärntner Gemeinderatswahl 1997

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    Ergebnis der Kärntner Gemeinderatswahl 1997

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