Kein Ende der Job-Misere in Sicht

4. März 2003, 18:44
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Im Februar 2003 waren knapp 8000 Personen mehr ohne Job als im Vergleichsmonat 2002 - Druck auf Akademiker, Beschäftigung sinkt

Wien - Die Arbeitslosigkeit in Österreich steigt weiter. Heuer im Februar waren nach Angaben des Arbeitsmarktservice 294.804 Personen arbeitslos gemeldet - das sind um 7755 Betroffene oder 2,7 Prozent mehr als im Vergleichsmonat des Vorjahres. "Eine Trendwende zeichnet sich noch nicht ab", sagte der Arbeitsmarktexperte des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo), Helmut Maringer, dem STANDARD. In den kommenden Monaten werde die Zahl der Jobsuchenden im Jahresabstand noch steigen.

Grund für die eher düstere Prognose sei die Konjunktur, die noch immer kranke. Selbst wenn der Wirtschaftsmotor wieder rund laufe, dauere es eine gewisse Zeit, bis der Arbeitsmarkt darauf reagiere, sagte Maringer. Für das Gesamtjahr 2003 erwartet das Wifo eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 7,0 (2002: 6,9) Prozent, was nach EU-Berechnungsmethoden einer Quote von 4,2 (4,1) Prozent entspricht.

Im Februar lag die nach nationalen Kriterien berechnete Arbeitslosenquote mit 8,6 Prozent um 0,1 Prozentpunkte über dem Vorjahr. Gegenüber dem Vormonat (Jänner) ist die Arbeitslosenquote saisonbedingt um 0,3 Prozentpunkte gesunken.

Weniger Beschäftigte

Weiterhin rückläufig entwickelt hat sich im Februar die Beschäftigung. Nach offiziellen Zahlen standen mit 3,115 Mio. Personen zwar um rund 30.000 mehr in Beschäftigung als im Vorjahr, bereinigt um knapp 34.000 Karenzgeldbezieherinnen und 581 Präsenzdiener, waren es aber tatsächlich weniger.

Von Arbeitslosigkeit erfasst sind alle Altersklassen, Branchen und Bundesländer. Der Umstand, dass die Zahl der Jobsuchenden in Wien gegen den Trend um 1,5 Prozent zurückgegangen ist, erklärt sich mit verstärkten Schulungsinitiativen. Ende des Monats waren österreichweit 45.230 Personen in Schulung, knapp 12.000 mehr als im Vorjahr, der Großteil davon in Wien. Arbeitssuchende in Schulung scheinen nicht in der offiziellen Arbeitslosenstatistik auf.

Mehr arbeitlose Akademiker

Relativ am stärksten zugenommen hat die Arbeitslosigkeit bei Absolventen höherer berufsbildender Schulen (plus zehn Prozent) sowie bei Akademikern (plus 11,2 Prozent). Dies sei unter anderem eine Folge des Aufnahmestopps im öffentlichen Bereich, sagte Arbeitsmarktexperte Maringer.

Arbeitsminister Martin Bartenstein wertete die Tatsache, dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Februar flacher verlaufen ist als in den Monaten davor, als Zeichen, dass das Schlimmste vorüber ist. Kritik an der Regierung gab es hingegen von Gewerkschaft, Arbeiterkammer und Opposition. (stro, DER STANDARD, Printausgabe 5.3.2003)

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    montage: derstandard.at
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