Vorbeugen besser als Nachwürzen?

5. März 2003, 17:55
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Sicher ist sicher. Und bevor das Schnitzerl am Ende nach nichts schmecken sollte, panieren wir lieber ein zweites Mal.

Grundsätzlich muss natürlich vorausgeschickt werden, dass selbstverständlich jeder sein Essen so verzehren soll und darf, wie er gerade will, glaubt zu müssen oder wie es ihm ästhetische, religiöse, rituelle oder sonst wie geartete Zwänge auferlegen. Immer unter der Bedingung, auch klar, dass dabei keine andere Menschen zu körperlichem oder seelischem Schaden kommen, Kinder zu weinen beginnen oder geltende Gesetze verletzt werden. So, da sind wir uns jetzt einmal einigermaßen einig.

Prämisse Nummer zwei: Ja, mitunter kann es bei der Zubereitung eines Gerichtes schon vorkommen, dass ein spezielles Gewürz oder Würzmittel zu viel oder zu wenig Anwendung findet, wobei es beim Geschmack-gebenden Salz besonders deutlich werden kann. Weshalb in einfachen Lokalitäten ja auch Salz- und Pfeffer-Streuer am Tisch stehen (für die, die sich immer schon gefragt haben, wofür der dritte ist: Das sind so genannte "Zahnstocher", mit denen klaubt man sich dann später Fleischreste aus den Zahnzwischenräumen. Sie haben nur wenig Eigengeschmack und sind darüber hinaus schwer verdaulich, also zur Würzung eher ungeeignet ...), in aufwendigeren deshalb vom zuvorkommenden Personal gefragt wird, ob man gerne noch eine Prise aus der Pfeffermühle oder das Schälchen mit dem Meersalz hätte.

Nur ist das eben ein Zustand, den man einem Gericht beim besten Willen nicht ansehen oder anriechen kann. Das geht nur mit Kosten, echt. Außer freilich, man ist Hellseher, vermag in die Zukunft zu blicken und sieht daher noch vor dem ersten Biss das Bild vor sich, wie man selbst mit trauriger Miene kauend vor dem Teller sitzt und sich denkt, "na geh, das is aber fad heut".

Solche übersinnlich begabten Menschen gibt es gar nicht so wenige, man sieht sie eigentlich in fast jedem Lokal sitzen und ­sobald das Georderte vor ihnen steht­ reflexartig zu den Streuern greifen und mal ordentlich drüberlegen, das weiße oder schwarze Zeug. Besonders bewundernswert sind jene, die das auch noch können, ohne hinzusehen, die ­auch während sie mit dir sprechen ­ die "typische Handbewegung" machen, somit eigentlich auch nicht wissen können, ob, wie viel und was genau aus dem Streuer kommt, weil's offensichtlich eh wurscht ist. Das ist eine Ignoranz, die mich rasend macht.

Ich meine, dass für Menschen, denen Genuss völlig fremd ist und denen zu ihren Nahrungsmitteln jeder auch noch so kleine Bezug fehlt, eigentlich keine Tiere geschlachtet, keine Pflanzen der Erde entrissen, keine Energie für Kühlung und Erhitzung des Essens vergeudet und keine Arbeitszeit für dessen Zubereitung geopfert werden sollte. Weil mit genügend Salz und Pfeffer drauf ­und vielleicht auch noch ein Dash Maggi schmeckt Altpapier oder Klärschlamm sicher auch irgendwie.

Von Florian Holzer
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