Als letzte Ehr' den Ring für Elise

30. September 2003, 17:55
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Neuer Name für Uniadresse

Wichtig sei, "es immer wieder aufs Tablett zu bringen", so Professor Walter Manoschek: die Umbenennung des Dr.-Karl-Lueger-Rings. Zuletzt scheiterten das Liberale Forum und die Grünen im Frühjahr 2000 am Nein der Gemeinde Wien.

Nun erarbeiteten einige Studierende in einem Seminar Manoscheks einen neuen Antrag und reichten ihn am 23. Jänner gemeinsam mit der ÖH im Unisenat ein. Begründung: Antisemitismus und Wissenschaftsfeindlichkeit des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Karl Lueger. Der Ring solle Dra.-Elise-Richter-Ring heißen - als Ehrung der ersten Dozentin an der Universität sowie als Zeichen gegen Frauenfeindlichkeit und Antisemitismus. Richter starb 1943 an den Folgen der Deportation ins Getto Theresienstadt.

Im Senat ist man nicht grundsätzlich dagegen, doch wurde die Alternative Universitätsstraße 1 als Adresse der Alma Mater vorgelegt, was für die ÖH bloß das "Umgehen einer ernsthaften Vergangenheitsbewältigung" darstellen würde. Die Erstellung einer Expertise bis April soll nun eine Entscheidung pro oder kontra Unterstützung ermöglichen.

Mittels Unterschriftenlisten wird die breite Basis der Studierenden mobilisiert, indes schrieb Manoschek persönliche Briefe an die Anrainer des Rings - ohne großes Echo. Auf Anfrage des UNISTANDARD ließ das Büro von Burgtheaterdirektor Klaus Bachler vollste Unterstützung wissen. Bachler selbst fände die Idee der Änderung "wunderbar" - jedoch sei Elise Richter zu unbekannt, um als Namensspenderin durchzugehen. Immerhin, eine von Manoschek gewünschte gewichtige "Koalition von Universität und Burgtheater" scheint nun in Reichweite zu rücken.

Ringt sich der Senat zum Mittragen der Aktion durch, will man sich offiziell an die Gemeinde Wien wenden. Sie gab zur Diskussion noch kein Statement ab, das Motto heißt wohl: Abwarten, wie die Universität vorgeht. Wahrscheinlich wären die Verantwortlichen nur zu froh, so Manoschek, wenn "dieser Kelch an ihnen vorüber geht". (mad/UNI-STANDARD, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.3.2003)

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